Vom Aschaffenburger Schloss Johannisburg kann man fast bis Hessen blicken, das nur ein paar Kilometer den Main abwärts liegt. Das Schloss auf bayerischem Boden war deswegen der geeignete Ort für die Ministerpräsidenten Horst Seehofer (CSU) und Roland Koch (CDU), um eine intensivere Kooperation in der Metropolregion Frankfurt/Rhein-Main anzukündigen - über Ländergrenzen hinweg. "Wir kommen ausschließlich in friedlicher Absicht der Zusammenarbeit", scherzte der Hesse Koch nach der gemeinsamen Sitzung der beiden Landesregierungen am Mittwoch.
Der hessische Wirtschaftsminister Dieter Posch und sein bayerischer Kollege Martin Zeil (beide FDP) versprechen sich viel für die Region "durch den gemeinsamen Auftritt als Messe- und Finanzplatz, als Dienstleistungsstandort und wichtige Verkehrsdrehscheibe". Als Beispiel für eine solche Kooperation nannten sie das House of Logistics & Mobility (Holm) am Frankfurter Flughafen. In die Entstehung dieses Expertenzentrums, das 2012 fertig sein soll, seien mehr als 50 Logistikunternehmen und Institutionen aus Bayern eingebunden, hoben die Politiker aus den benachbarten Bundesländern hervor.
5,5 Millionen Einwohner umfasst die Metropol-Region Frankfurt/Rhein-Main nach Angaben von Ministerpräsident Roland Koch.
In Hessen liegt der größte Teil. Die Region reicht aber auch bis Rheinland-Pfalz (Mainz) und Bayern (Aschaffenburg).
Das Ballungsraumgesetz sollte in Hessen mehr Kooperation erzwingen. Es läuft 2011 aus. Derzeit sind Gespräche über seine Fortschreibung im Gang. ( pit )
Anders als die Sozialdemokraten, die sich mit dem Regionalkreis auch eine neue politische Struktur für den hessischen Teil der Metropolregion vorstellen können, bauen die Regierungspolitiker auf freiwillige Kooperationen in den bestehenden Strukturen. Die Zusammenarbeit habe sich bereits "sehr weit gelöst von staatlichen Strukturen", lobte Koch. So solle es auch bei der Fortschreibung des hessischen Ballungsraumgesetzes bleiben, die spätestens 2011 ansteht.
Man müsse "aufpassen, nicht aus Spaß an Organisationen" neue Strukturen zu gründen, fügte Koch hinzu. Der Bayer Seehofer sah das im Übrigen genau so. "Ich habe Vorbehalte zur Schaffung von neuen Institutionen durch den Staat", sagte er. Sie neigten zum "Selbstbeschäftigungseffekt".
Ein Staatsvertrag, wie ihn Hessen mit Rheinland-Pfalz und Baden-Württemberg für die Rhein-Neckar-Region geschlossen habe, sei jedenfalls für das Rhein-Main-Gebiet nicht erforderlich, fügte Koch hinzu. In der Gegend um das hessische Viernheim, das baden-württembergische Mannheim und das rheinland-pfälzische Ludwigshafen seien die Städte so eng zusammengewachsen, dass man etwa gemeinsame Bebauungspläne brauche. Dagegen bestehe zwischen Frankfurt und Aschaffenburg bei allen Gemeinsamkeiten doch genügend Abstand.
Ein Sonderlob vom Hessen Koch bekam Aschaffenburg, weil es sich schon früh der Kulturregion Frankfurt/Rhein-Main GmbH angeschlossen hatte. Die Gesellschaft war entstanden, nachdem die hessische Regierung mit einem Kultur-Zwangsverband gedroht hatte.

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