Der Skandal um sexuelle Übergriffe von katholischen Geistlichen auf Kinder im Bistum Limburg hat sich auf die Domsingknaben ausgeweitet. Ein früheres Chormitglied soll sich Presseberichten zufolge an den Bischof gewandt und ihm von Übergriffen des damaligen Dirigenten aus den frühen 1970er Jahren berichtet haben. Weitere Details wurden gestern nicht bekannt. Das Bistum bestätigte, dass es in den 1970er Jahren ein Ermittlungsverfahren gegen den damaligen Leiter des Musischen Internats in Hadamar gegeben habe. Der 2002 verstorbene Mann sei strafrechtlich nie verurteilt worden.
Die Pressestelle der Diözese bestätigte gestern, dass der Missbrauchsbeauftragte des Bistums, Benno Grimm, Verdachtsfälle gegen fünf weitere Priester und kirchliche Mitarbeiter untersucht. Die Vorwürfe reichen weit zurück, sie sollen sich in den 1950er, 60er und 70er Jahren ereignet haben, einige Beschuldigte sind mittlerweile gestorben. Das Bistum hat alle Fälle an die Staatsanwaltschaft weitergeleitet.
Seit Bischof Franz-Peter Tebartz-van Elst am vergangenen Donnerstag bereits öffentlich den Missbrauchsverdacht von fünf katholischen Priestern eingeräumt hatte, kommen immer weitere Fälle ans Licht. Die meisten von ihnen dürften strafrechtlich nie gesühnt werden, weil die Taten zu lange zurückliegen. Aktuell ermittelt die Staatsanwaltschaft nur gegen zwei "Geistliche" wegen sexuellen Missbrauchs. Die beiden Fälle liegen außerhalb des Landgerichtsbezirks Limburg, weshalb dessen Sprecher sich dazu nicht äußern wollte.
Laut Bistum Fulda hat sich gestern ein zweiter ehemaliger Schüler der Stiftsschule Amöneburg als Opfer sexuellen Missbrauchs gemeldet. Die Opfer-Organisation "Weißer Ring" erklärte, die Berichte über Missbrauchsfälle machten anderen Opfern Mut, sich zu melden. Hessens Landesschülervertretung fordert eine "Not-Hotline", und mehr Prävention. "Nie, nie wieder dürfen sexuelle Missbrauchsfälle bis zur Verjährung vertuscht oder aus Angst der Schüler vor ihrem Peiniger geheim gehalten werden", sagt Landesschulsprecher Tim Huß. ( tru)

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