Schluss mit den unterschiedlichen Fahrkarten im Nah- und Fernverkehr: Vom 1. November an können Kunden des Rhein-Main-Verkehrsverbunds (RMV) und der Deutschen Bahn (DB) mit ein und demselben elektronischen Ticket fahren. Mit dem Bus zur U-Bahn, umsteigen in die S-Bahn zum Frankfurter Hauptbahnhof, von dort aus mit dem ICE nach Berlin, Hamburg oder Buxtehude: Die Fahrkarte für die gesamte Reisekette löst der Kunde bereits an der Bushaltestelle.
Um diesen Service anbieten zu können, haben RMV und DB eine bundesweit einmalige Partnerschaft geschlossen. Geht es nach den Vorstellungen der Bahn, soll das Beispiel in anderen Regionen Deutschlands Schule machen: Die beste Lösung wäre, wenn alle anderen deutschen Verkehrsverbünde das System übernähmen, sagte Ulrich Homburg vom Vorstand Personenverkehr der DB am Montag in Frankfurt.
Bedingung für bargeldloses Reisen ist der Besitz eines Handys mit Java-Unterstützung, eines iPhones oder Android-Smartphones. Wer wissen will, ob sein Gerät geeignet ist, kann den auf der RMV-Homepage beschriebenen Check machen.
Erwerbbar sind nach vorheriger Anmeldung Einzel-, Tages- oder Gruppentageskarten.
Bezahlt wird mit Kreditkarte oder per Lastschrift.
Der RMV-App bietet zusätzlich eine umfassende Fahrplanauskunft. Die Positionsbestimmung via GPS ersetzt die Eingabe der Station von Hand.
Mit NFC-fähigen Handys können auch die sogenannten Con Tags an den Automaten benutzt werden. Das Gerät erfährt durch den Chip, wo die Reise beginnen soll. Auch dieses System ermöglicht den direkten Zugang zur Echtzeit-Fahrplanauskunft.
Info: www.rmv.de
Bislang betreiben die beiden Partner zwei unterschiedliche Systeme; beim RMV heißt es Handyticket, bei der Bahn Touch & Travel. Der gravierendste Unterschied: Bei der Bahn muss der Nutzer bei Start und Ende der Fahrt sein Handy oder Smartphone an den Kontaktchip auf dem Bahnsteig halten. Beim RMV muss das Fahrtziel per Hand eingegeben werden. Dafür steht das RMV-Angebot auch jenen Kunden offen, deren Handy nur internetfähig ist und nicht über die Technologie der Near Field Communication (NFC) verfügt – wie es bei der Bahn erforderlich ist.
Startschuss am 1. November
Wenn zum 1. November der offizielle Startschuss zum gemeinsamen E-Ticketing fällt, verschmelzen die beiden Systeme zu einem. Schon jetzt hat die Umrüstung sämtlicher Haltestellen in Frankfurt mit dem neuen Kontaktpunkt begonnen.
Bis zum 1. November sollen sämtliche S-Bahnhöfe im RMV-Gebiet angeschlossen sein, in zwei Jahren auch die anderen beiden in Hessen tätigen Verkehrsverbünde. Wegen des Werbeeffekts will die Bahn ihre Bahnhöfe im gesamten Bundesgebiet mit dem multifunktionalen Chip ausstatten, kündigte Homburg an.
Frankfurts Oberbürgermeisterin Petra Roth (CDU) zeigte sich begeistert: Jetzt werde Wirklichkeit, was sie sich nach Besuchen in Seoul und Venedig gewünscht habe. Hessen Verkehrsminister Dieter Posch (FDP) stellte heraus, dass die in Hessen entwickelte Innovation den Zugang zum öffentlichen Nahverkehr erleichtere und Nutzungsbarrieren abbaue.
„Wir wollen dem Kunden das Fahren so einfach wie möglich machen", sagte RMV-Chef Knut Ringat. Das sei die Motivation, das bargeldlose Ticketing weiter voranzutreiben. Seit Jahren arbeiten Experten aus seinem Haus an der Entwicklung bargeldloser Fahrkarten.
Am Ziel, das Ringat für 2015 gesetzt hat, soll die automatische Erfassung beim Ein- und Aussteigen stehen. Er zeigte sich optimistisch, dass sich die anderen deutschen Verbünde dem E-Ticketing mit der DB anschließen. Auch im Ausland stoße das Projekt auf Interesse.
Oberbürgermeisterin Roth gab zum Schluss die Vorgabe aus, die die RMV-Entwickler in den nächsten Jahren zu erfüllen haben: „Von Frankfurt nach Wladiwostok mit einem elektronischen Ticket.“ Das sei das Ziel.

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