Es ist fünf vor Zwölf oder vielleicht noch später", sagt der Mainzer Professor Hans-Joachim Fuchs. Der Geograph befasst sich hauptsächlich mit den Folgen des Klimawandels. Seine Aufmerksamkeit gilt derzeit den Gletschern des Schweizer Kantons Wallis, die es schon in hundert Jahren nicht mehr geben könnte. Doch Fuchs und seine Studierenden versuchen, das Abschmelzen der Gletscher zu verhindern.
Bereits vor zwei Jahren hatten die Mainzer Geographen den Rhone und den Aletsch-Gletscher untersucht. Das Team wies das bedrohliche Abschmelzen nach und versuchte, eine Lösung für das Problem zu finden. Es entstand die Idee, das Schmelzen der Gletscher mit einem Windfang zu stoppen. Kalte Winde fließen über einen Gletscher ins Tal hinab und lassen dort einen Kaltluftsee entstehen. Die Hypothese von Professor Fuchs und seinen Studenten lautet also: Ein Windfang könnte diese kalten Winde auf dem Gletschereis stauen und die Gletscherzunge abkühlen.
50 Meter lange Plane
Zu ihrer Studie stiegen Fuchs und seine Studenten im August auf den Rhone-Gletscher, der sich in den vergangenen 100 Jahren um rund anderthalb Kilometer zurückgezogen hat. Der Gletscher ist günstig gelegen, weil an ihm eine Pass-Straße vorbeiläuft. Dies haben sich die Studenten zunutze gemacht, um ihre Materialien zu transportieren. "Der Windfang ist eine 50 Meter lange und drei Meter hohe Plane, die sich einer Lastwagen-Plane ähnelt", sagt Geographie-Student Maximilian Schmalenbach: "Er ist aber dünner, leichter und weiß, damit er sich nicht aufwärmt."
Wie ein Segel befestigten die Studenten die Plane mit Stahlstangen auf der Gletscherzunge. Dabei verwandten sie Bohrer, die sie zusammen mit anderen Geräten und der Ausrüstung von Sponsoren des Projektes zur Verfügung gestellt bekommen hatten. Die Stangen wurden ein Meter tief im Eis installiert und ragten drei Meter in die Luft. Am nächsten Tag waren die Metallstangen zur Enttäuschung der Mainzer Studenten allerdings nicht mehr stabil: Die jungen Leute hatten nicht berücksichtigt, dass das Eis um zehn Zentimeter pro Tag schmilzt. Die Arbeit eines Tages war dahin, die Teilnehmer mussten neu bohren.
Diese und andere Erfahrungen seien aus der Sicht des Gruppenleiters Fuchs nicht zu unterschätzen: "Jeden Tag haben wir viel gelernt, jeden Morgen war die Eisoberfläche anders. Und wir haben selbst beobachtet, was genau mit einem Gletscher passiert."
Probleme auf dem Gletscher gab es genug; Die 500 Kilogramm schwere Windfanganlage musste nach oben getragen werden, dazu kamen das kalte Wetter und die Enttäuschungen in den ersten Tagen. Teamgeist war gefragt. "Ohne den hätten wir große Probleme. Jeder hat jedem geholfen", sagt Maximilian Schmalenbach.
Hac Dinh van, ebenfalls Geographie-Student in Mainz, war hingegen von einem anderen Aspekt des Projektes besonders begeistert: "Bei Professor Fuchs sind wir in das Projekt, in seine Organisation eingebunden. Er war nur Moderator, alles haben wir selbst vorbereitet."
Die Ergebnisse dieses Projektes präsentieren die Geographen am 5. Dezember. Zuvor haben sie noch eine lange Auswertephase vor sich: Die jungen Forscher sammelten schließlich rund 16000 Messdaten pro Tag.
Nur Symptombekämpfung
Eines ist für Professor Fuchs aber schon jetzt klar: "Was wir machen, ist wie häufig in der Medizin: bloße Symptombekämpfung. Wir heilen nicht die Krankheit selbst."
Wenn sich die Windfang-These bestätigt, müssen Ingenieure darüber nachdenken, wie sie für eine 600 Meter lange Gletscherzunge die Anlage fertigen. "Auch wenn es belächelt wird, müssen wir weiter handeln", sagt Fuchs.

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