Der Typ, der da auf uns zukommt, hat einen seltsamen Namen und viel Einfluss. Und wenn es stimmt, was die Berater von Arthur D. Little in Kooperation mit dem Zukunftsinstitut über diesen Verbraucher sagen, dann wird der "Greenovator" im Jahr 2020 etwa ein Drittel der Nachfrage im Automarkt Amerikas, Europas und Asiens bestimmen. Das ist nicht wenig. Und wenn man weiß, dass dieser Typ, der auf Nachhaltigkeit und Innovation Wert legt, intelligente und vor allem grüne Fahrzeugkonzepte verlangt, dann ist klar, wohin die Reise gehen muss: Wer 2020 noch Geschäfte mit Autos machen will, kommt am Elektromobil nicht mehr vorbei.
Wie das gehen könnte mit diesen leisen, beschleunigungsstarken Fahrzeugen, wird in Frankfurt noch dieses Jahr ausprobiert. Rechtzeitig zur Eröffnung der Internationalen Automobilausstellung (IAA) 2009 im September soll eine kleine Flotte von Elektroautos durch die Stadt summen und an sieben bis acht Elektrotankstellen Energie zapfen können.
Eine Milliarde Tonnen CO2 werden im Jahr in Deutschland emittiert.
Der Kraftfahrzeugverkehr in Hessen bläst 15 Millionen t CO2 in die Luft.
31 Prozent der CO2-Emissionen kommen aus den Auspuffrohren von Autos, 32 Prozent von der Industrie, 37 Prozent von Gebäudeheizungen. Der Alltagsverkehr ereignet sich zu 97 Prozent auf lokaler und regionaler Ebene (Personenwege bis zu 50 Kilo- meter). Rund 62 Prozent dieser Wege sind kürzer als zehn Kilometer.
"Wir wollen das Projekt voranbringen", sagt Frankfurts Verkehrsdezernent Lutz Sikorski (Grüne). Und: "Wir werden einem Modellversuch nicht im Wege stehen." Anfang April wird die Stadt deshalb mit dem Energieversorger RWE sprechen, um die Weichen für das Pilotprojekt in der Rhein-Main-Region zu stellen. Frankfurt sei ein "sehr interessanter Ballungsraum", heißt es bei RWE in Essen, und mit der IAA im Herbst biete sich die Stadt förmlich als Ort für dieses Projekt an. Kurzum: Man könne sich das "sehr gut vorstellen in Frankfurt".
Auch wenn die Details noch nicht geklärt sind, gehen Stadt und Stromversorger davon aus, dass die sieben oder acht Stromzapfstellen an exponierten Orten in Frankfurt für die Zeit der IAA aufgestellt werden. Frankfurt wäre, sofern sich alle Beteiligten am Ende einigen, eine der ersten Städte in Deutschland, in der Elektromobilität einem Praxistest unterworfen wird. In München wird eine kleine Flotte von BMW Minis mit Elektromotoren in die raue Wirklichkeit geschickt werden, und in Berlin sollen noch in diesem Jahr 500 Stromladeplätze installiert werden, die eine Flotte von 100 Mercedes-Elektroautos bedienen sollen. Unter den Herstellern engagieren sich aber auch VW, Opel und Renault/Nissan, so wie fast jeder große Hersteller kürzlich auf dem Genfer Autosalon angekündigt hat, 2010 Elektroautos anbieten zu wollen.
Womit die Emission von Schwefel- und Stickoxiden, aber auch von Feinstaub deutlich reduziert oder verhindert werden könnte. "Wer dann an Straßenkreuzungen wohnt, kann Fenster öffnen, die Ruhe und die saubere Luft genießen", sagt einer, der am Projekt beteiligt ist. "Das wird ein großes Ding werden."
Ende November hatte die Bundesregierung proklamiert, Deutschland zum Leitmarkt für Elektromobilität zu machen. Bis 2020, jenem Jahr, in dem der Greenovator die Nachfrage nach Automobilen wesentlich bestimmen wird, sollen eine Million Elektrofahrzeuge ihre Energie aus dem Stromnetz beziehen. "Autos, die ausschließlich mit fossilen Energiequellen fahren, sind langfristig Auslaufmodelle", sagt Bundesverkehrsminister Wolfgang Tiefensee (SPD). "Elektrofahrzeugen mit Batterie und Brennstoffzelle gehört die Zukunft. Hier liegt das größte Potenzial für eine Verringerung von CO2-Emissionen."
Da will Frankfurts Verkehrsdezernent nicht widersprechen. Doch muss der Strom aus regenerativen Quellen kommen. "Sieben neue Kohlekraftwerke zu bauen, um dann Elektrofahrzeuge mit Strom zu versorgen, das wäre ein Schuss in den Ofen", sagt Sikorski.

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