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Mobilitätsmanagement: Streitpunkt Stinkender Tunnel

Halbzeitkonferenz der Verkehrsgesellschaft Frankfurt: Es um das Mobilitätsverhalten der Bürger - und wie sie besser und öfter den ÖPNV benutzen könnten. Von Jürgen Schultheis

Die Gewalt in Frankfurts Straßenbahnen nimmt zu, sagt die Polizei.
Die Gewalt in Frankfurts Straßenbahnen nimmt zu, sagt die Polizei.
Foto: FR/Oeser

Wer zu einer Amobilife Halbzeitkonferenz eingeladen wird, lässt nun nicht gleich alles fallen, um an den Ort der Veranstaltung zu eilen. Da hilft es auch nicht weiter, wenn man weiß, dass es sich um ein ICMA-Projekt der EU handelt und dass es um die Veränderung des Mobilitätsverhaltens geht.

Vielleicht sollte man lieber zum Industriepark im Frankfurter Stadtteil Höchst gehen und die Unterführung vom S-Bahnhof Farbwerke zum Betriebsgelände nehmen. Wer dort lang geht, weiß recht schnell, worum es geht: Die eine Hälfte fällt nämlich in den Verantwortungsbereich des Industrieparks, es ist die farbige, schön gestaltete und freundliche Seite der Geschichte. Für die andere Hälfte zeichnet die Bahn verantwortlich, es ist die schmuddelige, graue und stinkende Seite dieser Geschichte. Wer nun im Sinne des Mobilitätsmanagements die Pendler schnell und umweltfreundlich von A nach B bringen will und die Fahrt mit der S-Bahn empfiehlt, hat jetzt ein Problem: Wer geht schon gerne durch stinkende, dunkle Tunnel?

Das Beispiel ist eines von vielen, woran ein multimodaler Weg scheitern kann, ein Weg, auf dem Pendler oder Reisende verschiedene Verkehrsmittel nutzen. Eben da liegt das Problem: Der reibungslose Wechsel zwischen den Verkehrsmitteln, abgestimmte Fahrpläne und ergänzende Angebote sind mitnichten selbstverständlich. Seit November kooperieren deshalb elf Projektpartner aus Nordwesteuropa, um dieses System zu optimieren, von guten Beispielen zu lernen und von Erfahrungen anderer zu profitieren.

Und die gibt es, rechtzeitig zur Halbzeitkonferenz am Dienstag bei der Verkehrsgesellschaft Frankfurt, gleich zuhauf: Offenbach setzt ehrenamtlich Senioren ein, die anderen Senioren den Öffentlichen Personennahverkehr näherbringen. Denn jene, die jetzt ihre Rente beziehen, sind 40 Jahre lang fast ausschließlich mit dem Auto gefahren. Traffiq, die lokale Nahverkehrsgesellschaft in Frankfurt, möchte künftig mit jeder geschäftlichen oder privaten Terminbestätigung gleich die Daten für die Fahrt im ÖPNV mitliefern.

In Manchester können Fahrgäste eine komplette Tour mit verschiedenen Verkehrsmitteln von Haustür zu Haustür buchen, Glasgow verschickt SMS, um Reisende verstärkt dazu zu bringen, den ÖPNV zu nutzen. Aber manchmal hülfe schon ein wenig Farbe und guter Wille, um den Weg zur Arbeit attraktiver zu machen - wie in Höchst.

Autor:  Jürgen Schultheis
Datum:  17 | 3 | 2010
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