Papier in die blaue, Kaffeesatz in die braune, die Milchtüte in die gelbe und den ganzen Rest in die große schwarze Tonne: Mülltrennung mag ökologisch korrekt sein - der große Aufwand nervt aber viele Bürger. Geht´s nicht ein bisschen einfacher? Ein Modellversuch in Wiesbaden soll jetzt klären, ob die Gelbe Tonne verzichtbar ist. Ein Jahr lang werden von Januar 2011 an in der Landeshauptstadt Restmüll und Verpackungen gemeinsam erfasst.
Ein Drittel der Einwohner, etwa 80 000 Personen, machen bei dem Müllversuch mit - die Innovation gibt es für sie sozusagen gratis. "An der Müllgebühr wird sich nichts ändern", verspricht Frank Fischer, der Sprecher der Wiesbadener Entsorgungsbetriebe. Nach seinen Angaben zahlt ein Vier-Personen-Haushalt derzeit dort für die 120-Liter-Tonne (inklusive Papier- und Bioabfallentsorgung) 134,40 Euro im Jahr.
Große Veränderungen nach Abschluss des Projekts muss niemand fürchten. "Erst einmal ist das Projekt ergebnisoffen", sagt Fischer. "Nach einem Jahr setzen wir alles wieder auf Anfang." Die Biotonne bleibe in der Projektphase ebenso erhalten wie das Behältnis für Papier. Wiesbaden entsorgt pro Jahr rund 75 000 Tonnen Restmüll sowie rund sieben Tonnen Leichtverpackungen.
Hessen ist das erste Bundesland, das einen derartigen Großversuch startet. Die Landesregierung will damit herausfinden, ob die "getrennte Erfassung beim Bürger noch zeitgemäß ist". Zweifel daran waren seit Jahren immer wieder laut geworden - nicht zuletzt die vielen Fehlwürfe in den Tonnen haben die Diskussion regelmäßig befeuert, ausgefeilte Sortiertechnik scheint den Gelben Sack überflüssig zu machen. Genau das möchte das Land nun wissenschaftlich erkunden. "Ich bin sicher, dass nach unserem Versuch klar wird, was technisch, logistisch und wirtschaftlich machbar ist", sagt Umweltministerin Silke Lautenschläger (CDU).
Kassel sortiert Nasses aus
Freilich ist die Landeshauptstadt ist nicht die einzige Kommune in Hessen, die neue Wege in der Abfallentsorgung beschreitet. In Kassel etwa trennen seit Juni 2008 rund 2200 Haushalte ihre Abfälle in nass und trocken. Dabei werden die organischen Teile aus der Restabfalltonne getrennt und der Vergärung zugeführt. Anstelle der Restmüll- und Biotonne gibt es nun eine für Nassabfälle und eine für trockene Abfälle. Ende März steht dort die Auswertung an. Offenbach sortiert derzeit in einem vergleichbaren Projekt den organischen Teil des Mülls auf der Deponie aus dem Rest. Die biogenen Stoffe sind dann im Biogaskraftwerk die Basis für Ökostrom.
Unumstritten ist das Große-Tonnen-System nicht. "Aus unserer Sicht ergibt das wirtschaftlich keinen Sinn, Restmüll und Verpackungsmüll erst zusammenzuwerfen, um ihn dann wieder aufwendig zu trennen", sagt Michael Werner von der Entsorgungs- und Service-GmbH in Frankfurt. In Hessens größter Kommune (165 000 Tonnen Restmüll im Jahr, 13 000 Tonnen Grüne-Punkt-Verpackungen) setzt man auf die "Wertstofftonne". Verpackungen mit und ohne grünem Punkt, Metalle, Holz, selbst kleine Buggys oder Hartplastik könnten dort einmal landen. "Wir wollen ein System, das es den Bürgern leichter macht", sagt Werner.

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