Am Tag danach wachsen die Zweifel. Hatte man dem Verein, der in Hausen die Moschee errichten will, zu viel Glauben geschenkt? Und: Sollten die Zweifel, die die Gegner des Bauwerks geäußert hatten, nicht doch berechtigt sein? Am Tag danach häufen sich die Fragen.
Für Ünal Kaymakçi steht allerdings fest, dass es sich um eine "Hetzkampagne" handelt, die das Landesmagazin des Hessischen Fernsehens gestartet habe. Die Anschuldigungen gegen Sebahattin Türkyilmaz, dem Imam der Hazrat-Fatima-Gemeinde, seien gezielt; sie richteten sich vor allem gegen ihn als Generalsekretär der schiitischen Gemeinde, sagt Kaymakçi. Offenkundig werde versucht, "das wichtige Projekt des Islamischen Religionsunterrichts der hessischen Landesregierung zu torpedieren". Innerhalb kurzer Zeit seien in der Sendung "defacto" Beiträge gezeigt worden, die Tatsachen und Fakten über ihn, den Generalsekretär, "bewusst und gezielt verdrehen", um so die Öffentlichkeit gezielt zu manipulieren.
In dem Beitrag, der am vergangenen Sonntag in der Sendung gezeigt worden ist, sagt Kaymakçi, seien Bilder von zwei verschiedenen Demonstrationen gebracht worden. "Die ersten Bilder vom August 2006 stellen nicht, wie fälschlich behauptet, Bilder einer Al-Quds-Demonstration zur Solidarität mit der leidenden Bevölkerung in Palästina dar." Der Beitrag enthalte falsche Aussagen. Vielmehr handele es sich um eine kurzfristig anberaumte Demonstration gegen den völkerrechtswidrigen Krieg Israels im Sommer 2006 gegen Libanon, "was auch durch die gezeigten Libanonfahnen deutlich wird".
Auch sei der Imam nicht, wie fälschlich im Beitrag dargestellt, einer der führenden Akteure, sondern Teilnehmer der Demonstration. An den "zurückzuweisenden Ausfällen einiger Demonstranten" habe er sich nicht beteiligt, betont der Generalsekretär. Es könne einem einfachen Teilnehmer an einer Demonstration nicht zur Last gelegt werden, wenn Mitdemonstranten bedenkliche Äußerungen tätigen. Zumindest ist Kaymakçi selbst von dieser Sicht der Dinge offenbar überzeugt.
In Berlin hatten Abgeordnete aller im Parlament vertretenen Parteien, Bundestagsabgeordnete von SPD, CDU, Linkspartei, Mitglieder der Jusos, antifaschistische Gruppen, Menschenrechtsgruppen, christliche Pfarrer und iranische Exilgruppen gegen die Al-Quds-Demo aufgerufen. Die Grünen hatten auch die muslimischen Verbände zur Teilnahme ermuntern wollen.
Streit wegen Moscheebaus
Die Hazrat-Fatima-Gemeinde, die aus Schiiten aus der Türkei und Pakistan besteht, muss sich immer wieder gegen Anfeindungen behaupten. Seit im Sommer vor drei Jahren bekannt geworden ist, dass die Gemeinde ein neues Zentrum am Fischsteinkreisel in Hausen errichten will, bemüht sich Kaymakçi als Generalsekretär, darauf hinzuweisen, dass von dieser Gemeinde keine Gefahr ausgehe.
Als 2007 die Pläne der Gemeinde, die derzeit in einem Hinterhof in Griesheim zu Gottesdiensten zusammenkommt, öffentlich wurden, begannen Proteste. Die Gemeinde hatte ein Grundstück am Fischsteinkreisel gekauft, um dort ein repräsentatives Gebäude mit Gebetstätte und Gemeindezentrum zu bauen. Der vorgeschobene Grund der Gegner: Es gebe zu viele Moscheen in Hausen. Unter den Gegnern befanden sich einige namhafte Frankfurter Politiker und auch Personen, deren Namen immer wieder im Zusammenhang mit der gängigen Islamkritik fallen. Es formierte sich eine Bürgerinitiative, es wurde gegen den Moscheebau in Hausen auf der Straße demonstriert, es wurden Flugblätter verteilt, es gab Ortsbeiratssitzungen, in denen laut gestritten wurde.
Nach der anfänglich emotional geführten Debatte um den Moscheebau kehrte Besonnenheit ein. Nicht zuletzt, weil sich die Oberbürgermeisterin und die Kirchen zu Wort meldeten und das Recht der Muslime auf würdige Gotteshäuser nicht in Frage gestellt wissen wollten. Im Sommer 2009 wurde der Grundstein am Fischsteinkreisel gelegt.

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