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Moscheebau in Frankfurt: Vorbeter unter Verdacht

Der Afghanische Kulturverein will im Frankfurter Stadtteil Bergen-Enkheim eine Moschee errichten. Noch blicken Ortsvorsteher und Ortsbeirat der Ankündigung gelassen entgegen. Doch das könnte sich bald ändern. Von Danijel Majic

Gebäude und Grundstück in der Frankfurter Edisonstraße 10 sollen zur Moschee umgebaut werden.
Gebäude und Grundstück in der Frankfurter Edisonstraße 10 sollen zur Moschee umgebaut werden.
Foto: FR/Monika Müller

Die Informationen, die Helmut Ulshöfer am Montagabend parat hat, sind spärlich. In Enkheim soll eine Moschee entstehen, Bauträger ist ein afghanischer Kulturverein. Mehr weiß auch der Bergen-Enkheimer Ortsvorsteher einstweilen nicht zu berichten. Der Rest des Ortsbeirates nimmt die Ankündigung gelassen. "Wir sind ein ruhiger Stadtteil", erklärt Reinhard Müller von der Fraktion "Wir Bergen-Enkheimer", "hier kann man an und für sich auch eine Moschee bauen."

Ihre Gelassenheit könnten Müller und die übrigen Ortsbeiräte schon bald verlieren. Hinter dem Projekt steht nämlich der "Afghanische Kulturverein Frankfurt am Main", eine sunnitische Gemeinde, die derzeit eine pakistanische Moschee in der Gwinnerstraße nutzt. Prominentestes Mitglied ist ihr Vorbeter, Said Khobaib Sadat, der vom hessischen Verfassungsschutz als "Hassprediger" eingestuft wird.

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Der afghanische Kulturverein besteht seit 2003 und zählt derzeit 58 Mitglieder. Nach Angaben des Vereinsvorsitzenden, Mohammad Nasim Samet, stammen viele davon aus dem Afghanischen Kulturzentrum in der Wächtersbacherstraße, mit dem man sich überworfen habe. Der Umgang mit dem als "Hassprediger" eingestuften Iman Sadat sei einer der Gründe gewesen.

In der Edisonstraße 10 sollen ehemalige Lager- und Geschäftsräume zu einer Moschee mit angeschlossenem Gemeindezentrum umgebaut werden. Der Kulturverein möchte in den Räumen unter anderem Sport- und Bildungsangebote aber auch Koranunterricht anbieten. Über die Kosten kann der Verein derzeit keine Angaben machen. Ein Zeitplan für den Umbau steht noch nicht fest.

Der 51-Jährige ist in Frankfurt kein Unbekannter. Ab 2001 war Sadat Vorbeter in der afghanischen Ansar-Moschee in Fechenheim. Ende April 2003 trennte sich die Gemeinde von dem Prediger und erstattete Anzeige. Sadat, so der Vorwurf, hätte die Predigten für "hetzerische Reden" und Aufrufe zur Gewalt gegen die Besatzungstruppen in Afghanistan genutzt. Seine Tätigkeit als Imam setzte Sadat daraufhin in der pakistanischen Shah-e-Do-Shamshera-Moschee fort, wohin ihm ein Teil der Gläubigen folgte. Die Ermittlungen wurden aus Mangel an Beweisen eingestellt.

Im August 2005 wiederum veröffentlichte das SWR-Magazin "Report Mainz" einen Beitrag, der Videoaufnahmen von Predigten Sadats zeigte, in denen dieser vermeintlich zur Gewalt gegen Ungläubige und "Märtyreraktionen" aufruft. Zwei Monate später stellte das Bundeskriminalamt fest, dass die Übersetzung im Beitrag den Inhalt der Predigt nicht wiedergebe.

"Islamistische Grundhaltung"

Ende 2006 wiederum wurden Vorwürfe laut, Sadat hätte Kontakt zu Mitgliedern der Sauerlandgruppe gehabt. Der Imam bestreitet dies.

Die Behörden indes hegen keinen Zweifel an der islamistischen Grundhaltung Sadats. Seit 2005 liegt eine Ausweisungsverfügung der Ausländerbehörde Offenbach vor. Sadat, der 1991 nach Deutschland geflohen war, hatte mehrfach Asyl beantragt, war jedoch immer wieder abgelehnt worden. Bis 2004 konnte er jedoch aufgrund der unsicheren Lage in Afghanistan nicht ausgewiesen werden. Seitdem liefern sich die Behörden und Sadat einen nicht enden wollenden Rechtsstreit. Zuletzt bestätigt im Februar 2010 das Verwaltungsgericht Darmstadt die Rechtmäßigkeit der Verfügung. Die Richter sahen es als erwiesen an, dass Sadat zur Gewalt gegen Ungläubige aufgerufen hat.

Mohammad Nasim Samet, Vorsitzender des "Afghanischen Kulturvereins", indes bezweifelt ebenso wie die übrigen 57 Vereinsmitglieder, die Richtigkeit dieser Vorwürfe. Seiner Meinung nach sei der Imam durch Mitglieder der Ansar-Moschee "als Hassprediger verunglimpft" worden. Sadat selbst hatte immer wieder von einer Intrige gesprochen.

Die neue Heimat des Vereins soll im Gewerbegebiet an der Enkheimer Edisonstraße entstehen. Ein ehemaliges Lager- und Geschäftsgebäude möchte der Verein zu einem Gemeindezentrum mit Moschee für bis zu 180 Leute umbauen. Neben Religionsunterricht soll es spezielle Angebote für Jugendliche sowie eine Familienberatung geben. Ein entsprechender Nutzungsänderungsantrag wird gerade von den Ämtern geprüft. "Wir haben bewusst das Gewerbegebiet gewählt, weil wir niemanden stören möchten", so Samet.

Ansonsten habe sein Verein kein Problem mit der Öffentlichkeit. Das Projekt würde er gerne öffentlich vorstellen. "Um Missverständnisse zu beseitigen." Der Bedarf an Informationen dürfte indes auch groß sein. Am Mittwoch noch wusste nicht einmal das Amt für multikulturelle Angelegenheiten etwas über den Verein. "Seit dem 5. Mai wissen wir von dem Antrag", sagte Amtsleiterin Helga Nagel der FR . Weitergehende Information lägen dem Amt nicht vor. "Wir recherchieren noch", so Nagel.

Autor:  Danijel Majic
Datum:  14 | 5 | 2010
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