Die Gästeliste ist lang. Der Einladung der Hazrat-Fatima-Gemeinde zur Grundsteinlegung des Moscheekomplexes sind am Samstagvormittag sehr viele gefolgt. Darüber ist Ünal Kaymakçi vom Vereinsvorstand sichtlich erfreut. Gekommen sind etliche Landes- und Kommunalpolitiker, Vertreter des Ortsbeirats, der kirchlichen Gemeinden und nicht zuletzt Nachbarn und Anwohner. Letztere sind, das betont Kaymakçi, die eigentlichen Ehrengäste dieses Tages, für das - wie er meint - "Gott ein schönes Wetter gegeben hat".
Aber nicht nur die Gästeliste ist lang, auch die Rednerliste. Und das hat seinen Grund. Schließlich handelt es sich bei dieser Grundsteinlegung nicht um irgend ein Ereignis, sondern um ein im Vorfeld sehr laut diskutiertes, das zuweilen den sozialen Frieden in der Stadt zum Wanken brachte. Insofern war es der schiitischen Gemeinde wichtig, dass an diesen Tag sowohl Politiker als auch Kirchenvertreter und ebenso all jene zu Wort kommen oder zumindest namentlich erwähnt wurden, die zur Umsetzung des Plans der Gemeinde, am Fischsteinkreisel eine Gebets- und Begegnungstätte zu errichten, beigetragen haben.
Erinnerung an Wertesystem
Zu den Rednern gehörten unter anderem Athenagoras Ziliaskopoulos als Vorsitzender des Rates der Religionen, Gabriele Scherle, die evangelische Pröbstin für Rhein-Main, der am Sonntag seinen Dienst beendende katholische Stadtdekan Raban Tilmann, die Integrationsdezernentin Nargess Eskandari-Grünberg (Grüne) und FDP-Hessenchef Jörg-Uwe Hahn in seiner Eigenschaft als Integrationsminister des Landes. Hahn wies unter anderem darauf hin, dass "wir uns klar darüber sein müssen, dass es ein Wertesystem in unserer Gesellschaft gibt", das die Grundlage des Zusammenlebens bilde. Hahn sprach Religionsfreiheit und Gleichberechtigung von Mann und Frau an, machte deutlich, dass all darüber Einigkeit zu bestehen habe.
Scherle wies in ihrem Grußwort darauf hin, dass die Architektur "nicht nur die Schönheit der Religion, sondern auch ihren Anspruch auf die Gestaltung des Lebens" darstelle. Die christlichen Kirchen hätten mühsam lernen müssen, diesen öffentlichen Anspruch im Gemeinwesen nicht mit Zwang durchzusetzen. Die Anerkennung, dass Menschen auch anders lebten und glaubten, habe die christlichen Kirchen menschlicher und ihre Botschaft biblischer gemacht.
Ruhiger Dienst für die Polizei
Weil die Liste der Redner lang war, hatten die rund 300 Gäste denn auch lange zuzuhören. An die zwei Stunden vergingen mit Ansprachen und Koranrezitationen. Zwischendurch stärkte man sich mit Getränken und Speisen - Teigwaren, die die Frauen der Moscheegemeinde zu bereitet hatten.
Für die Polizeibeamten, die vor Ort waren, verlief der Dienst ruhig. Es gab keine Proteste seitens der Moscheebaugegner, die sich im Stadtteil zu einer Bürgerinitiative vereint und nach Bekanntwerden der Baupläne im Sommer 2007 immer wieder zu Demonstrationen und anderen Protestaktionen aufgerufen hatten.
"Verwirklichung eines Traums"
Die Grundsteinlegung für das rund drei Millionen Euro teure Gemeindezentrum möchte Kaymakçi verstanden wissen als "Verwirklichung eines Traums und einer Vision von Menschen, die vor 50 Jahren in unser Land zugewandert sind und nun endgültig nicht nur als Individiuum, sondern auch als Gemeinde ihren Bund mit diesem Land, ihrer neuen Heimat schließen wollen". Das Ziel der Gemeinde bestehe darin, dass Menschen in der Stadt und im Viertel über alle Religionsgrenzen hinweg beim Anblick dieser Moschee sagen können: "Das ist unsere Moschee."
Ein Ziel, das zweifelsohne ohne Dialog nicht möglich ist. Denn so sehr der Wunsch der Hazrat-Fatima-Gemeinde nach würdevollen Räumen für das Gebet und die Zusammenkunft auch nachvollzogen wird, so sehr bestehen Bedenken - etwa seitens der russisch-orthodoxen Gemeinde, die auf dem gegenüberliegenden Grundstück ihr Gotteshaus hat. Als ein Signal für die Bereitschaft zum Dialog ist wohl zu verstehen, dass Georg Poloczek vom Vorstand der russisch-orthodoxen Gemeinde an der Feier zur Grundsteinlegung teilnahm. Eine gute Nachbarschaft zu pflegen und sich so zu verhalten, dass keine Probleme entstehen, das sei eine Aufgabe, der sich alle zu stellen hätten, so Poloczek.

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