Frankfurt a.M. Eigentlich sei Frankfurt am Main dafür bekannt, eine liberale Stadt zu sein, sagt Hans Christoph Stoodt. Doch die heftige Kontroverse über den Bau der Fatima-Moschee im Stadtteil Hausen in den vergangenen Monaten hat den Koordinator des Frankfurter Anti-Nazi-Bündnisses ins Zweifeln gebracht.
Schon der Kauf des Grundstücks durch die türkisch-pakistanische Gemeinde sorgte für Proteste der Bürgerinitiative Hausen. Unterschriftenaktionen und eine NPD-Demonstration gegen den Moscheebau folgten. Nun hat die Taqwa-Gemeinde im Gutleutviertel den Bau eines neuen Gebetshauses beantragt - doch diesmal regt sich kein Widerstand.
Ünal Kaymakci ist Sprecher der Fatima-Gemeinde und hat die Proteste der Moschee-Gegner hautnah miterlebt. Er begrüßt es, dass das Bauvorhaben der Taqwa-Gemeinde keine offene Gegnerschaft auf sich zieht. Die Taqwa-Gemeinde bestehe im Gutleutviertel schon seit Jahrzehnten und der Bau bedeute für die Menschen in der Nachbarschaft keine große Veränderung, versichert Fatima-Sprecher Kaymakci. "Die Taqwa-Gemeinde genießt einen guten Ruf und der Neubau an der Heilbronner Straße wird den Stadtteil sogar aufwerten", betont er.
Außerdem habe die "heftige und intensive Debatte" über das Moschee-Projekt der Fatima-Gemeinde etwas in der Frankfurter Stadtgesellschaft verändert. "In der Diskussion ging es ans Eingemachte. Da wurden endlich einmal schlummernde Fragen diskutiert", sagt der Sprecher der Fatima-Gemeinde. Die Nachbarschaft habe Angst vor einer Überfremdung des Stadtteils gehabt: "Bei dem Streit ging es nur vordergründig um den Moscheebau. Im Kern drehte es sich darum, wie die Stadtgesellschaft in Frankfurt mit Veränderungen umgeht", erläutert Kaymakci.
Deshalb habe die Fatima-Gemeinde das Gespräch mit der Bevölkerung gesucht. Der Islam sei eine "dauerhaft in Deutschland sesshafte Weltreligion" und es gehe darum, welchen Platz sie in der Gesellschaft einnimmt. Der Bau von Moscheen und Islamunterricht in Schulen seien da nur zwangsläufig, sagt Kaymakci.
Dennoch glaubt er, dass sich durch die Debatte etwas Fruchtbares für die Stadtgesellschaft entwickelt habe, nämlich Verständnis. "Vielleicht haben wir damit sogar Pionierarbeit für die Stadt geleistet", sagt Kaymakci mit Blick auf zukünftige Moscheeprojekte, bei denen sich die Debatte dann vielleicht nicht wiederholen werde.
Bis Ende 2010 will die Fatima-Gemeinde ein Gebetshaus mit zwei 16 Meter hohen Minaretten, einem Wohn- und Geschäftshaus samt Tiefgarage in Hausen errichten. Bislang habe seine Gemeinde eine "Hinterhof-Moschee" im Stadtteil Griesheim, die allerdings nur "ein Provisorium" sei, sagt Fatima-Sprecher Kaymakci. Der Bau eines neuen Gebetshauses stehe für den "Prozess der Beheimatung der Muslime in Frankfurt". Die Architektur der Moschee sei deshalb auch "eine moderne Symbiose von Orient und Okzident", sagt Kaymakci. Die großen Glasfenster seien beispielsweise europäische Elemente, die Kuppel und die Minarette orientalisch.
Ungeachtet des Dialogs ist die Kritik an dem Moscheebau laut Kaymakci "über den Stadtteil hinaus geschwappt". Nach Stoodts Einschätzung hat das Hausener Bauvorhaben "eine ganze Reihe von Kritikern aus dem rechten politischen Spektrum". Die Soziologin Hiltrud Schröter, die die Bürgerinitiative Pro Frankfurt gegen die Fatima-Moschee unterstützt, bezeichnet den Islam als eine "Polit-Religion mit totalitärer Ideologie". Moscheen seien "Stützpunkte dieses Polit-Islam, der nicht mit der deutschen Rechtordnung vereinbar" sei. Stoodt hält solche Positionen für eine gefährliche Tendenz.
Das Planungsdezernat hat im Juli grünes Licht für die Fatima-Moschee gegeben, das Gebetshaus müsse lediglich 40 Zentimeter weiter in das Grundstück hineinversetzt werden. Stoodt begrüßt die Genehmigung. "Ich bin nicht pauschal für den Bau von Moscheen. Aber wenn das Bauvorhaben der muslimischen Gemeinde mit den Regeln des Baurechts konform ist, dann sollen dafür die gleichen Regeln gelten, wie für alle anderen Bauvorhaben auch", erläutert er.
Mark Gellert vom Planungsdezernat sagt, dass die Fatima-Moschee in Hausen unter anderem deshalb so umstritten gewesen sei, da in dieser Gegend bereits zwei Moscheen stünden. Die Bauaufsicht könne jedoch weder die Architektur reglementieren, noch Regeln aufstellen, wie sich Gotteshäuser in der Stadt verteilen sollten, erläutert Gellert.
Anfang 2009 sollen die Moschee-Bauarbeiten im Gutleutviertel und in Hausen etwa gleichzeitig beginnen. Für Nazi-Gegner Stoodt ein überfälliges Zeichen: "Die Moscheen dokumentieren in der Architektur einer Stadt, dass die Muslime hier sind", sagt Stoodt. (ddp/hes)

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