Herr Ahmed, kennen Sie die Moschee in Penzberg?
Nur aus Fotos. Ich war noch nicht vor Ort.
Der Architekt wird ja sehr gelobt für seinen Entwurf. Wie gefällt ihnen der Bau?
Ein geschmackvoller, gelungener Entwurf, der sich der Umgebung gut anpasst. Es ist eine zeitgemäße Antwort auf Anforderungen, die ein islamischer Sakralbau in Deutschland zu erfüllen hat. Es ist aber nicht die einzige Lösung. Die Moschee in Marxloh, die vor kurzem eingeweiht wurde, ist wiederum keine Lösung für mich und widerspricht meinem Streben nach Synthese von alt und neu. Da ist eine Moschee aus der Türkei kopiert worden. Die Architektur passt nicht hierher und hat so eine Art von Disney-World-Effekt.
Wie würde denn ihr Moscheeentwurf aussehen, wenn sie völlig frei wären in der Gestaltung?
Eine Moschee aus Pakistan würde ich jedenfalls nicht kopieren. Bestimmte Symbole des islamischen Kulturkreises würde ich übernehmen, sie aber reduzieren und neu interpretieren, traditionelle Elemente lediglich als Blickfang einsetzen. Für die hiesigen Moscheegemeinden hat die Formensprache jedoch einen anderen Sinn: Sie sind wichtig für ihre Identifikation als Muslime. Wir sind in einer Übergangsphase, die emigrierten Muslime suchen noch die Verbindung zum Herkunftsland und möchten dies auch in der Architektur sichtbar machen.
Trifft das auch für die Taqwa-Gemeinde zu? Sie haben ja den Neubau geplant...
Ja, es gab Diskussionen und es bedurfte Überzeugungsarbeit. Der Vorstand des Trägervereins wollte mehr Marokkanisches in der Fassade sehen, beispielsweise Fenster mit maurischen Bögen ... wir haben uns geeinigt auf Symbole wie die Treppenaufgänge, die an maurische Türme erinnern. Die Kuppel ist auch solch ein Zitat und zugleich funktional, weil es das Auditorium überdacht.
An eine Moschee denkt man bei diesem Entwurf nicht...
Ich habe viele Gespräche geführt und die Gemeinde gefragt, wie sie sich ihre Zukunft in Frankfurt vorstellt, was denn in dem Gebäude so alles stattfinden soll. Die Vorstellung im Entwurf muss ja die Vorstellung der Auftraggeber widerspiegeln. Ich habe den Bauherren geraten, sich auch architektonisch zu öffnen. Nicht nur den gesellschaftlichen Anforderungen gerecht zu werden - als Kulturzentrum, Meeting Point für Bildung und Kultur und als Teil der Stadt Frankfurt. Insofern ist das Gebäude nicht ausschließlich als Gebetsstätte konzipiert, sondern als ein Gemeindezentrum und eine Begegnungsstätte für das Viertel. Außerdem musste sich der Entwurf an die Nachbarbebauung anpassen.
Bei der Planung des Gebäudes für die Fatima-Gemeinde hatten Sie mehr Freiraum.
In gewisser Weise. Aber was die Höhe betrifft, gab es auch Vorgaben. Das Gebäude durfte nicht höher als die russisch-orthodoxe Kirche auf der anderen Straßenseite sein. Übrigens habe ich auch bei dem Entwurf für die Fatima-Gemeinde darauf Wert gelegt, architektonische Elemente lediglich zu zitieren, wie etwa den Gebetssaal (Kubus als Durchdringung Richtung Mekka), die Minarette als Anfang und Ende des Zentrums und das Tor als Bindeglied zwischen Wohnen und Moschee...
Gibt es architektonische Elemente, die für eine Moschee zwingend sind?
Keine, außer der Orientierung der Gebetsrichtung nach Mekka. Daher ist die architektonische Ausrichtung und Sprache sehr individuell und vom jeweiligen Architekten abhängig.
Sind Sie auf muslimische Sakralbauten spezialisiert? Wie kamen die Aufträge zustande?
Nein, ich habe Erfahrungen im Gewerbe- und Wohnungsbau. Die Beschäftigung mit dem Moscheenbau bestand in der Anfangsphase nur als Nutzungsänderungen von Werks-, Gewerbe-und Lagerhallen i Wohnhäusern zu Gebetsstätten. Ich habe in Frankfurt, Offenbach und Umgebung. einige islamische Gebetsstätten umgebaut und modernisiert. Auch die Taqwa-Gemeinde sollte übrigens anfangs nur umgebaut und aufgestockt werden. Der Kontakt zur marokkanischen Gemeinde im Gutleutviertel entstand über das Bauamt, das mich als Berater eingeladen hatte. Und die Verbindung zur Fatima-Gemeinde besteht über Ünal Kaymakçi; er ist wie ich im Vorstand der Islamischen Religionsgemeinschaft Hessen.
Interview: Canan Topçu

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