Eine stattliche Investition: 200 Millionen Euro hat das Land Hessen für die Neugestaltung und Sanierung der Kasseler Museumslandschaft zugesagt hat. Nach und nach bis 2014 soll das Geld fließen. So ist es geplant. Allerdings sind die Planungen schon einige Jahre alt. Und die Anzeichen mehren sich, dass für das Kultur-Großprojekt doch deutlich mehr Geld nötig sein könnte.
Allein die Arbeiten am Kasseler Wahrzeichen, dem Herkulesmonument und seinem Basisbauwerk (1700-1717), sollen neun Millionen teurer werden als ursprünglich veranschlagt. Das Hessische Kunst- und Wissenschaftsministerium bestätigte einen Bericht der Hessischen Allgemeinen, wonach statt der angepeilten 21 Millionen Euro nun rund 30 Millionen Euro für die Arbeiten am Herkules und dem sogenannten Oktogon nötig sein werden – eine Steigerung von knapp 43 Prozent.
Die Museumslandschaft Hessen Kassel umfasst die Schlösser und Gärten der hessischen Landgrafen sowie deren Kunst- und wissenschaftliche Sammlungen. Sie gehört dem Land Hessen.
Die Umgestaltung soll die Schätze besser für s Publikum erschließen. Das 200-Millionen-Euro-Programm des Landes umfasst auch Sanierungsarbeiten.
Die Herkules-Figur und ihr Monument wurden auch für den Klimawandel fit gemacht - sie sollen stärkeren Winden standhalten. An der Löwenburg wird nicht nur saniert; dort soll der Bergfried wieder entstehen, der im Zweiten Weltkrieg zerstört worden war. (kaj)
Mit gut 43,5 Prozent noch etwas höher fällt die Verteuerung der Arbeiten an der Löwenburg aus. Nach Bestätigung des Ministeriums rechnet man inzwischen mit Kosten von 28 Millionen Euro – einmal vorgesehen waren 19,5.
Auch die Modernisierung der Ende des 19. Jahrhunderts erbauten Neuen Galerie fällt den Angaben zufolge deutlich kostspieliger aus: 16 Millionen Euro waren angesetzt, 23 sollen es nun werden.
Die Landtagsfraktion der Grünen veranlassten diese Angaben zu harscher Kritik an Kunst- und Wissenschaftsministerin Eva Kühne-Hörmann (CDU). Die kulturpolitische Sprecherin Sarah Sorge ließ per Pressemitteilung fragen, ob die Ressortchefin ihr Ministerium „noch im Griff“ habe. „Es kann nicht angehen, dass die Ministerin den Hochschulen des Landes 30 Millionen Euro kürzt und gleichzeitig für die Kostenexplosion von 25 Millionen Euro für die Museumslandschaft verantwortlich ist“, erklärte Sorge. Gutes Controlling sehe anders aus – insbesondere in Zeiten der Schuldenbremse.
Das Ministerium verwies auf verschiedene Faktoren für die Kostensteigerung: Ein Teil der Planungen stamme bereits aus der Zeit um 2005, so Pressesprecher Ulrich Adolphs. Seitdem seien die Mehrwertsteuer erhöht worden und die Preise für Bauarbeiten kontinuierlich gestiegen. Nicht zuletzt stoße man aber bei Arbeiten an historischen Gebäuden immer wieder auf unvorhergesehene Mängel, die behoben werden müssten. So sei nicht klar gewesen, in welchem Umfang die Neue Galerie statisch gesichert werden musste. Auch der witterungsanfällige Tuffstein an Oktogon und Löwenburg habe für Überraschungen gesorgt.
Adolphs schloss nicht aus, dass bei noch ausstehenden Projekten der Museumslandschaft gespart werden könne. Der Neubau eines Tapetenmuseums sei aber nicht gefährdet. Dafür sind bislang 11,5 Millionen Euro vorgesehen.

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