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08. Mai 2012

Muslimische Begräbnisse: SPD für Bestattung ohne Sarg

 Von Volker Schmidt
Muslimische Gräberfelder gibt es auf hessischen Friedhöfen schon.  Foto: dpa

Die Sozialdemokraten im hessischen Landtag möchten es gläubigen Muslimen ermöglichen, ihre Toten nach islamischer Tradition in Leinentüchern zu bestatten. Dem steht allerding ein Landesgesetz entgegen.

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Sargzwang. Was für ein Wort. In Deutschland verfolgen Vorschriften auch noch Verstorbene. Sie dürfen nur auf zugelassenen Friedhöfen bestattet werden – das nennt sich Friedhofszwang. Und wenn sie nicht verbrannt werden, muss die Leiche in einem Sarg ins Grab.

Das allerdings widerspricht islamischen Gepflogenheiten: Gläubige Moslems werden üblicherweise nur in Leinentücher gehüllt bestattet. Die SPD will nun das hessische Friedhofs- und Bestattungsgesetz ändern, damit die Gemeinden ihnen das auf Antrag erlauben können.

Sarg als Mittel der Wahl

Bestattungen ohne Sarg seien in Deutschland bereits in mehreren Bundesländern möglich, so die SPD. Auch Hessen müsse sich „endlich der Realität anpassen“.

Es gab schon lebendigere Debatten im Landtag als die über das Friedhofsgesetz. Die Fraktionen von CDU und FDP lehnten den Vorschlag ab: Die SPD, so ihr Hauptargument, wolle jetzt nur eine einzelne Frage regeln, dabei habe man doch schon „vor Jahren“ (der FDP-Abgeordnete Helmut von Zech) eine Anhörung über eine umfassende Neuregelung der Friedhofsgesetzgebung durchgeführt. Daran erinnerte auch Innenminister Boris Rhein: „Wenn man meint, man muss das neu regeln“, dann könne man doch daran anknüpfen.

Der Minister verwies aber darauf, dass der „Sarg als Auffangbehältnis des unverbrannten Leichnams das Mittel der Wahl“ sei. Das Friedhofsgesetz stelle einen Spagat dar zwischen den verschiedenen religiösen Ansprüchen einer- sowie Ordnungs- und Gesundheitsrecht andererseits.
Bereits jetzt, so Rhein, könnten Muslime die Erlaubnis erhalten, im offenen Sarg bestattet zu werden. Auch eine schnellere Bestattung als eigentlich vorgesehen sei genehmigungsfähig. Ob die Bestattung in Leinentüchern nötig sei, das sei auch unter Muslimen umstritten, versicherte der CDU-Abgeordnete Christian Heinz.

Die Grünen unterstützen einerseits das Ansinnen der Sozialdemokraten: Es gebe in vielen Kommunen eine Nachfrage nach muslimischen Gräberfeldern. Gerade erst habe ihre Heimatstadt Usingen die Friedhofsordnung erweitert, berichtete die kommunalpolitische Sprecherin der Grünen, Ellen Enslin. Auch die Bestattung in Leinentüchern hätte man gern gestattet – das sei aber gesetzlich nicht möglich.

Grüne setzen auf umfassende Neuregelung

Andererseits fordern auch die Grünen eine umfassendere Neuregelung des Friedhofs- und Bestattungsgesetzes, das zum Jahresende ausläuft. Neben dem Ende des Sargzwangs müssten auch andere Themen wie die Leichenschau und die Ausbildung der Beschauer neu geregelt werden. Enslin will auch, dass Kommunen „endlich in ihren Satzungen festlegen können, dass nur Grabsteine und Einfassungen verwendet werden dürfen, die ohne ausbeuterische Kinderarbeit hergestellt wurden“. Der Sozialausschuss des Landtages habe das bereits 2010 einstimmig beschlossen – es sei nur nie etwas passiert.

Und was wird nun aus dem SPD-Entwurf? Er könnte im zuständigen Innenausschuss den Versuch einer umfassenden Reform des Friedhofsgesetzes wiederbeleben, damit es einer „lebendigen Sepulkralkultur“ (von Zech) gerecht wird. Er könnte aber auch sang- und klanglos begraben werden. Ganz ohne Sarg.

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