Das Recht des ersten Tages im Zentrum My Zeil hat sich am Dienstag der Saturn genommen. Unumstritten war das bei Bauherren und Management nicht; keiner sollte schon begucken, was alle so gern sehen wollen, seit sich am früheren Platz der Hauptpost haufenweise gläserne Wolkenformationen über der Zeil erheben.
Immer einem blauen Pfeil nach ging es also am Dienstagvormittag - nicht ganz 48 Stunden vor der Eröffnung für die Allgemeinheit, eine exklusive Gala steigt am Mittwoch - für eine Handvoll Besucher vom Hintereingang durch ein Lieferanten-Treppenhaus hoch in die dritte Etage. Der Pfeil, die Farbe Blau, steht für Saturn-Hansa. Der Elektro-Fachmarkt ist, auf blauem Teppichboden, im Neubau der "Ankermieter". Als solcher werde er sich am zweitersten Tag, am Donnerstag, über 100.000 Kunden nicht wundern: "Wir werden schon ein Fußballstadion füllen können", meinte Geschäftsführer Andreas Hettinger salopp. Darum macht der Super-Super-High-Tech-Laden am Tag der Tage auch bereits um sechs Uhr morgens auf - vier Stunden, bevor Oberbürgermeisterin Petra Roth das Einkaufszentrum namens der Stadt betreten darf. Mit 7500 gemieteten Quadratmetern erwirbt man sich halt eine Sonderstellung.
Auf der Zeil wird am Donnerstag, 26. Februar, auf acht Ebenen und fast 80.000 Quadratmetern das "My Zeil" eröffnet. Das Shopping Center, finanziert vom niederländischen Projektentwickler Bouwfonds MAB, fast 100 Läden.
Einen Gastro-Boulevard und einen Fitness-Club mit eigenem Swimmingpool gibt es auch. Entworfen hat das neue Center mit seiner spektakulären trichterförmigen Glasfassade der italienische Architekt Massimiliano Fuksas.
Das Einkaufszentrum ist Teil des Großprojekts "Palais Quartier". Der Rest des Ensembles soll zwischen Zeil und Eschenheimer Tor im Laufe des Jahres fertiggestellt werden. Dazu gehören noch zwei bis zu 135 Meter hohe Büro- und Hoteltürme, die an das Shopping Center grenzen.
Das Thurn-und-Taxis-Palais, ein berühmtes ehemaliges Stadtschloss, im Zweiten Weltkrieg zerstört und nur in Teilen danach wieder aufgebaut, wird rekonstruiert.
Mit Kosten von fast einer Milliarde Euro zählt das "Palais Quartier" zu den größten innerstädtischen Bauprojekten in Deutschland.
Türen zu, Fragen offen
Wie sieht so ein Glashimmel eigentlich von innen aus? Kann man durch all die Wolken ins Blaue gucken? Das muss an dieser Stelle offen bleiben, so offen, wie alle schweren Eisentüren am Weg durchs Treppenhaus nach oben geschlossen waren. Oder eilig wieder von innen, vor Bergen von knallbunter Sommermode, zugezogen wurden. Doch dort wo Saturn am höchsten ist, auf Ebene drei (oder ist es dreieinhalb?), links hinterm sauber aufgeschichteten DVD-Regal, gibt es einen Durchblick auf eine Ladenstraße mit leuchtenden Bullaugen, farbigen Lichtstreifen, weißlich hinterleuchteten Sockeln und silbern schimmernden, bauchigen Balustraden.
Auf- und Durchblicke, Plattformen und Galerien aller Höhen und Breiten hat Massimiliano Fuksas, der Innenarchitekt, über die filigranen Geländer ineinander geschoben. Noch steht die längste aller Rolltreppen still, die 50 Meter lange. Aber dass die Fahrt von einem Lichtband in unmerklich von Rosa nach Grün in Orange und zurück wechselnden Farben begleitet sein wird, das konnte man bereits sehen.
Zunächst ist es das überall umher wuselnde Personal, hunderte Frauen und Männer, das in Arbeitspausen mit erhobenen Kleinbild-Kameras umherläuft - während über ihren Köpfen, an der Außenhaut des Lichtrichters, der angeblich das Wetter bis in den Keller holen kann, noch immer an Fangleinen gekettete Fassadenbauer die rautenförmigen Glas-Elemente zurechtzurren. Palettenweise sind Salatköpfe und Säcke mit Kartoffeln am Rand der oberen Ebene gestapelt, wo die Gastronomie-Meile Formen annimmt. Dort wird also, erkennt man beim unerwünschten Spicken durch die Ladenfenster, auch nur mit Wasser gekocht.
Herr Wild, der Berater
Auch der Saturn-Markt sieht aus, wie man Saturn-Märkte eben kennt: Die gesamte silbrige Technik aus Rohren, Kabeln und Drähten zieht sich offen sichtbar durch die niedrigen Etagen-Decken, die Waren liegen teilweise auf Paletten gestapelt. Daneben reiht sich Fernsehbild an Fernsehbild an Fernsehbild an Fernsehbild, alle Apparate sind in schwarze Lackgehäuse gefasst. Röhrenfernseher gebe es da keine mehr, hieß es, aber 80.000 andere Artikel, die ganze Palette - und zur Eröffnung am Donnerstag ab sechs Uhr "Eröffnungspreise, die sind geradezu unmoralisch gut", meinten die Chefs. Um mehr zu erfahren, muss man schon hingehen.
151 Mitarbeiter, 20 Auszubildende, sind auf der Medien-Ebene drei ansprechbar. Manche davon, etwa der Herr Wild, noch mehr als die anderen. Herr Wild, hieß es, sei "der persönliche Berater" jener Kunden, "die sich nicht zurechtfinden werden". Wie auch der zweite besondere Saturn-Mitarbeiter, vorgestellt als Herr Lenz, der auch ins Haus komme, "wenn der PC abschmiert".
Saturn hatte 1985 in der Berger Straße den ersten Medien-Markt eröffnet, der auch bestehen bleiben wird. Der Laden im neuen Center MyZeil ist aus den beiden Etagen im Esprit-Haus auf der anderen Straßenseite, "drüben auf der alten Zeil", wie es hieß, umgezogen. Die Zukunft der "alten Zeil" und ihrer Nebenstraßen wird nach Eröffnung des neuen Konsumpalasts noch manche Marktbeobachter beschäftigen.
Einzelhandels-Präsident Frank Albrecht wendet die Lage zunächst positiv: "Durch den Druck werden die Mieten auf der Zeil nicht weiter steigen."Doch das Immobilien-Unternehmen "Atisreal" sieht eine "schwierige Nachvermietung freier Flächen in den B-und C-Lagen" voraus.

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