Am Tag danach will bei Fraport niemand an die 80er erinnern. An jene Zeit, als der Konflikt um den Bau der Startbahn 18 West bürgerkriegsähnlich ausgetragen wurde und am Ende, drei Jahre nach Inbetriebnahme, zwei Polizisten durch Pistolenschüsse getötet wurden. "Da sollte man keine Sicherheitslage herbeireden", sagt Peter Wichtel.
Seit 1971 arbeitet er für Fraport, seit 2002 ist er Vorsitzender des Betriebsrates. Wichtel hat in dieser Zeit manches erlebt und sagt, dass man jetzt "beruhigend einwirken" müsse. Von Radikalisierung will der Betriebsratschef nicht sprechen, "es gibt keine Anzeichen für eine erhöhte Gewaltbereitschaft".
Der Widerstand gegen den Ausbau sei bislang passiv verlaufen, es gebe Fälle, wo in den vergangenen Jahren Häuser beschmiert worden seien. Mehr nicht. "Wir haben heute eine andere Situation, der Konflikt wird prozessual geführt." Darauf vertraut auch der Fraport-Vorstand mit Wilhelm Bender an der Spitze.
Von Bedrohung oder Unsicherheit wegen möglicher Anschläge sei in den vergangenen Jahren nichts zu spüren gewesen, sagt ein Beteiligter, der die Vorstände immer wieder trifft. Ganz im Gegenteil. Weil der Konflikt um den Ausbau heute juristisch geführt werde, fürchtet keiner der Verantwortlichen die Gewalt von Gegnern.
Dennoch ist der Fraport-Chef im Regelfall mit mindestens zwei Personenschützern unterwegs. Ob beim Mountainbiken im Taunus oder bei öffentlichen Auftritten oder Diskussionen über das Thema - zwei Begleiter haben das Umfeld des Fraport-Vorstandschefs immer im Auge.
Gelten für die Flughafenausbau zuständigen Fraport-Leute beim Landeskriminalamt (LKA) als potenziell gefährdet? Sprecher Udo Bühler beantwortet diese Frage ebenso wenig wie, ob Horst Amann jetzt unter Polizeischutz steht. Falls die Polizei eine Gefährdung sieht, arbeiten die Beamten in der Regel mit dem privaten Sicherheitsdienst von Fraport eng zusammen, sagt er. Das LKA hat dafür eine eigene "Personenschutzgruppe". Davon unabhängig gebe es auch technische Möglichkeiten, die Sicherheit in einem Wohnhaus zu erhöhen.
Personen in Toppositionen, extreme Entscheidungsträger und "finanziell gut gestellte Personen" seien immer mehr oder minder gefährdet, sagt ein Sprecher des Bundesverbandes Begleit- und Personenschutz. Wobei es nicht immer um Attacken geht, die Leib und Leben gefährden können. Häufig haben die Personenschützer lediglich ein Auge darauf, dass keine Farbbeutel oder Kuchen fliegen.
Wer und in welchem Maße Personenschutz genießt, darüber schweigt sich die Branche aus. Rund 1000 bis 1500 private Personenschützer sind nach Angaben von Fachkreisen in Deutschland unterwegs. Sie werden dort eingesetzt, wo zumindest nicht ausgeschlossen werden kann, dass Angriffe auf Personen verübt werden. Das gilt für manche Stars und Sternchen bis hin zu Vorständen großer Unternehmen.
Eine 100-prozentige Gefährdung ist aber dann nicht gegeben, wenn Sicherheitsfirmen mit dem Personenschutz beauftragt werden. Wo eine hohe Gefährdung vorliegt, schützen Spezialkräfte der Polizei die gefährdeten Personen.
Bundesweit arbeiten rund 180.000 Menschen bei Sicherheitsfirmen, allein 10.000 Beschäftigte sind mit den Kontrollen an Flughäfen beauftragt. Ein Teil des Beschäftigten ist damit beauftragt, vor allem geistiges Gut vor unbefugten Zugriff zu bewahren, heißt es beim Bundesverband deutscher Wach- und Sicherheitsunternehmen.
Über den oder die möglichen Täter des Brandanschlages auf das Auto von Amann mag am Mittwoch niemand spekulieren. Für Fraport-Mann Peter Wichtel ist keineswegs ausgemacht, dass sie aus dem Kreis der Flughafengegner kommen. Experten aus der Sicherheitsbranche sagen, für solche Taten könnten auch Menschen aus dem Umfeld des Betroffenen in Frage kommen.

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