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Nach Lions aus: Konzentrieren auf die Nachwuchsarbeit

In den vergangenen Jahren haben die Lions mehr oder weniger erfolgreich Nachwuchsarbeit betrieben. Auch Dank einer Finanzspritze von 120.000 Euro, mit der hauptsächlich hauptamtliche Trainer finanziert wurden. Von Matthias Kittmann

Nach der Vereinsauflösung der Lions setzen die Verantwortlichen nun auf den Nachwuchs.
Nach der Vereinsauflösung der Lions setzen die Verantwortlichen nun auf den Nachwuchs.
Foto: FR/Storch

In jedem Ende steckt auch ein Anfang. Das ist im Eishockey nicht anders als im richtigen Leben. Und manchmal überkreuzen sich Trauer und Schwung für einen Neuanfang. Noch immer können viele Fans der Frankfurt Lions nicht überwinden - nur all zu verständlich nach 19 Jahren mit vielen Höhepunkten inklusive der Meisterschaft 2004 - dass es seit vergangenem Montag nun endgültig vorbei sein soll.

Einmal wollen sie sich noch treffen, am 25. Juli an der Eissporthalle, zu einer Art Gedenkveranstaltung. Ursprünglich sollte ein Kranz niederlegt werden, doch dies schien zu temporär, die Blumen wären rasch verwelkt. Nun wollen die Anhänger eine Tafel anbringen. Aus Granit oder Aluminium oder rostfreiem Stahl. Auch über die Gravur wird noch diskutiert. Der favorisierte Vorschlag: "Oben die Daten (1991 - 2010), in der Mitte der Löwenkopf. Und unten: Danke für alles, Eure Fans!"

Zugleich gibt es zahlreiche Diskussionen und Ideen, wie es mit dem Eishockey in Frankfurt weiter gehen soll. Der Stammverein der Lions, der Young Lions e.V., existiert schließlich weiter. In den vergangenen Jahren hat er mehr oder weniger erfolgreich Nachwuchsarbeit betrieben, zuletzt sogar mehr erfolgreich. Auch Dank einer Finanzspritze des Profiklubs, der mit rund 120.000 Euro hauptsächlich hauptamtliche Trainer finanzierte. Auch so waren die Young Lions auf einem gutem Weg, die Schüler- sowie die Jugendmannschaft stieg sogar in die Bundesliga auf. Und die Seniorenmannschaft der Young Lions, die in der Regionalliga spielte, schaffte als reines Amateurteam die Qualifikation für die semi-professionelle Oberliga, in der zum Beispiel der EC Bad Nauheim spielt.

Das Budget der Lions war immer knapp kalkuliert

Nicht alles, aber einiges dieser Arbeit steht nun ebenfalls auf dem Spiel. Das Budget der Young Lions war immer knapp kalkuliert. Neben den Beiträgen der Eltern finanzierte sich der Klub unter anderem auch mit einem Kuchenstand bei den Heimspielen der "großen" Lions. Das war mehr, als es scheinen mag. Denn bei rund 30 Heimspielen mit durchschnittlich 6000 Besuchern "kam da Einiges zusammen", sagt Christian Kahnke von den Young Lions. Zwar droht ihnen nicht unbedingt das existenzielle Aus, aber Platz für finanzielle Experimente bleibt nicht. "Zunächst müssen wir den Erhalt der Nachwuchsarbeit sicherstellen", so der Vorsitzende Stephan Welp. Damit meint er auch die zusätzlichen (Fahrt-)Kosten, die durch den Aufstieg gleich dreier Jugendteams entstehen. Nun heißen die Gegner nicht mehr Darmstadt, sondern Weißwasser oder Duisburg.

Gleichwohl lässt es auch bei den Young Lions emotional niemanden kalt, was bei den Profis passiert ist. "Die Profis waren natürlich auch beim Nachwuchs das Aushängeschild, ein Name, der gezogen hat", sagt Kahnke. Wie es mit einer 1. Mannschaft weiter gehen könnte, dazu gibt es viele Ansätze. Zwar haben die Young Lions das Recht, in der Oberliga zu spielen, am vergangenen Samstag ausgeschlagen. Aber zu diesem Zeitpunkt war die Zukunft der Frankfurt Lions auch noch offen: "Für die Oberliga auf Verdacht zu melden, wäre vor einer Woche noch völlig unverantwortlich gewesen", sagt Welp.

Denn schon in der Oberliga braucht es einige erfahrene Cracks und wenigstens ein Budget von 600.000 Euro. Das wäre nicht ausgeschlossen, doch Hauptgegner dieser Bestrebungen ist die Zeit. Und die Personalstruktur. Denn ein Oberliga-Team bräuchte halbwegs professionelle Strukturen, für die die Young Lions nicht aufgestellt sind. Immerhin stünden Leute bereit, die seriös sind. So fällt der Name von Lions-Veteran Michael Bresagk, mit seinem abgeschlossenen Sport-Marketing-Studium wäre er als Sportdirektor geeignet. Ein anderes Aushängeschild wäre Ilja Worobjew, der als Trainer agieren könnte. Sogar Ex-Manager Bernie Johnston ist schon wieder im Gespräch. Und zu Oberliga-Spielen würden bestimmt wieder um die 2000 Fans kommen. Doch ob sich dies binnen vier Wochen stemmen lässt, ist mehr als fraglich.

Wahrscheinlicher und gesünder ist es, im Herbst mit einer nur leicht verstärkten Mannschaft in der vierten Klasse, der Regionalliga, anzutreten und das Frankfurter Eishockey in Ruhe aufzubauen. Auch deshalb, weil dem Nachwuchs künftig sehr prominente Namen fehlen werden. Denn den Rücken mancher Jungs zierten bekannte Namen: Norris, Young oder Gordon. Die Söhne bekannter Spieler, die nun nicht mehr da sind.

Autor:  Matthias Kittmann
Datum:  10 | 7 | 2010
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