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Nach Ticketautomat-Explosion in Frankfurt: Polizei und VGF ratlos über Tätermotiv

Spekulationen, wonach es bei dem Anschlag am fürhen Dienstagmorgen darum ging, gegen zu hohe Fahrpreise zu demonstrieren, kommentierten weder die Polizei noch die Verkehrsgesellschaft in Frankfurt. Von Georg Leppert

Unbekannte haben einen RMV-Ticketautomaten in die Luft gejagt. Der Fahrstuhl in der Nähe wurde beschädigt.
Unbekannte haben einen RMV-Ticketautomaten in die Luft gejagt. Der Fahrstuhl in der Nähe wurde beschädigt.
Foto: FR/Boeckheler

Am Morgen nach der Explosion sieht es rund um den Parlamentsplatz wieder ganz manierlich aus. Lediglich ein Schild am Aufzugsschacht (" wegen Vandalismus gesperrt") und eine große Platte, die ein Loch im Bürgersteig abdeckt, deuten am Eingang zur U-Bahnstation auf die Verwüstung der vergangenen Nacht hin. Ein paar Kinder, die die nahgelegene Dahlmannschule besuchen, sitzen zusammen und erzählen sich gegenseitig, was vor wenigen Stunden geschehen ist. "Von dem Krach sind meine Eltern wach geworden", sagt einer.

Polizeisprecher Karlheinz Wagner fasst am Dienstagvormittag zusammen, was seine Kollegen am Parlamentsplatz bislang haben ermitteln können: Unbekannte haben in der Nacht zuvor einen Fahrkartenautomaten in die Luft gesprengt. Die Wirkung der Explosion war massiv. "Der Automat wurde förmlich pulverisiert", sagt Wagner. Die Verkehrsgesellschaft Frankfurt schätzt den Schaden auf 30.000 Euro.

Vandalismus

Rund 670.000 Euro Schaden verzeichnete die Verkehrsgesellschaft Frankfurt (VGF) im Jahr 2008 durch Vandalismus. Die Zahl für das vergangene Jahr wird die Gesellschaft demnächst bekannt geben. Sie dürfte nicht wesentlich niedriger ausfallen.

An Haltestellen verursachten Randalierer einen Schaden von knapp 320.000 Euro. Auffällig dabei: An den unterirdischen Stationen ging die Summe deutlich zurück - von 192.000 Euro im Jahr 2007 auf 165.000 Euro. Grund dafür dürfte die Videoüberwachung der Stationen sein, die die VGF in den vergangenen Jahren erweitert hat.

Der Automat stand am oberirdischen Eingang zur U-Bahnstation an der Rhönstraße. Ein Autofahrer, der gegen 0.45 Uhr an der Station vorbeifuhr, hörte einen lauten Knall und sah im Rückspiegel einen orangefarbenen Blitz. Sofort rief er die Polizei. In den folgenden Minuten gingen zahlreiche weitere Anrufe gingen bei der 110 ein. Die Detonation soll auch noch in Bornheim zu hören gewesen sein.

Den Polizisten, die wenige Minuten nach der Explosion am Parlamentsplatz eintrafen, bot sich ein Bild der Verwüstung. Wo der Automat stand, war nur noch ein Krater. Die Trümmer lagen über 200 Quadratmeter verteilt. Ein in der Nähe geparktes Auto war ebenso beschädigt wie der Aufzug der Station.

Über die Motive der Täter herrscht bei Polizei und Verkehrsgesellschaft ziemliche Ratlosigkeit. Dass Fahrkartenautomaten beschädigt werden, komme nicht selten vor, sagt Wagner. "Aber das hier ist definitiv mehr als ein Dummer-Jungen-Streich mit einem China-Böller." Auch sei es den Tätern offenbar nicht darum gegangen, Geld oder Vordrucke für Fahrkarten zu stehlen. So ließen sie Münzen und Geldscheine, die bei der Explosion auf die Straße geschleudert wurden, liegen.

Mittlerweile ermitteln das Landeskriminalamt und der Staatsschutz - ein deutliches Zeichen dafür, dass die Polizei einen politischen Hintergrund vermutet. Womöglich, so mutmaßt Wagner, gehe in den nächsten Tagen ein Bekennerschreiben bei den Medien ein - ähnlich wie bei den Taten der "Bewegung Morgenlicht", die im Herbst und Winter mehrere Brandanschläge auf Bankfilialen verübt hatte. Die "Bewegung" stellte sich schließlich als Einzeltäter heraus.

Spekulationen, wonach es bei dem Anschlag im Ostend darum ging, gegen zu hohe Fahrpreise zu demonstrieren, kommentierten am Dienstag weder Karlheinz Wagner noch der Sprecher der Verkehrsgesellschaft Frankfurt, Bernd Conrads. "Wir müssen natürlich auch in diese Richtung ermitteln", sagte Wagner.

Einfach dürfte es jedenfalls nicht werden, die Täter zu fassen. Offenbar hat niemand den Anschlag beobachtet.

Auch der Autofahrer, der als erster Zeuge bei der Polizei anrief, sah die Täter nicht. Zudem ist die Spurenlage dürftig. So lässt sich bislang nicht sagen, welche Art Sprengstoff die Täter verwendet haben.

Autor:  Georg Leppert
Datum:  23 | 3 | 2010
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