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09. April 2010

Nachwuchsfilmer-Projekt "Augenblicke": Drehort gefühlsarme Hauptwache

 Von Boris Schlepper
Schüler drehen in einem Workshop Mini-Filme. Foto: FR/Oeser

Und Action! Filmdreh in der S-Bahnstation. Auf Gleis 3, vor dem Getränke- und Süßigkeiten-Automaten, haben vier Schüler ein Stativ aufgebaut und filmen. Sie sind Teil des Workshops "Augenblicke". Von Boris Schlepper

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Zu sehen sind die 16 Kurzfilme ab Freitag, 16. April. Dann laufen die Fünf-Sekunden-Streifen von 12 bis 24 Uhr sechsmal in der Stunde an allen U- und S-Bahn-Stationen mit Infoscreen - jeden Tag ein anderer. Bereits einen Tag vorher, am Donnerstag, 15. April, werden sämtliche Filme in der Evangelischen Stadtakademie (Römer 9) präsentiert. Los geht es um 19.30 Uhr.

Das Mädchen schaut leicht gelangweilt nach vorne, ihr Blick verweilt im Nirgendwo hinter den Bahngleisen. Plötzlich ein Geräusch von rechts, ihr Kopf schwenkt herum. Sie mustert ihr Gegenüber, abfällig, von oben nach unten, fast schon böse bis sie losprusten muss. "Das war nichts", sagt die 15-jährige Jessica und lacht. Also auf ein Neues.

Kamera in Position - Action! Filmdreh in der S-Bahnstation Hauptwache. Auf Gleis 3, vor dem Getränke- und Süßigkeiten-Automaten, während die Bahnen im Minutentakt einfahren, haben vier Schüler ein Stativ aufgebaut und filmen. "Augenblicke" heißt das Projekt; ein Workshop für Jugendliche, organisiert und geleitet vom Frankfurter Künstler und Fotografen Peter Loewy. Ziel ist es, mehrere Fünf-Sekunden-Filmchen zu drehen. Diese werden auf den Leinwänden, den sogenannten Infoscreens, in den S- und U-Bahn-Stationen zu sehen sein.

Porträtiert werden Schüler, wie sie für einen kurzen Moment in die Linse blicken - und dabei ein beliebiges Gefühl ausdrücken, so Loewy. Gedreht wird ein "ultra kurzer, aber dafür sehr intensiver Moment". So entstünden "flüchtige Augenblicke, die man auch sonst beim Warten auf dem Bahnsteig erhascht". Er wolle die Betrachter mit der Aktion verwundern, "dass sie auf einmal diejenigen sind, die angeschaut werden".

"Homöopathische Dosen"

Viele Menschen starrten an Haltestellen nur vor sich hin, beobachtet Loewy. Sie mit einer kurzen Szene "in homöopathischer Dosierung" aufzuwecken, finde er spannend. Gefallen habe ihm dabei die Idee, die Filme nicht selbst zu drehen, sondern das Thema mit Jugendlichen zu entwickeln. Finanziert wird das Projekt über die Crespo Foundation, die C.S. Stiftung und die Evangelische Stadtakademie.

Insgesamt 16 Jugendliche aus der Klinger-, der Hostato- und der Hattersheimer Heinrich-Böll-Schule haben an dem Workshop teilgenommen. Zunächst erläuterte Loewy ihnen die Grundzüge der Porträtfotografie, lehrte sie den Umgang mit der Kamera und Bildkomposition. Mit den vier Hattersheimern, Fotoapparat mit Videofunktion und einem Stativ zog Loewy in die Hauptwache.

Erfahrungen mit dem Filmen hatte keiner der Schüler. "Deshalb waren wir am Anfang auch total schüchtern", verrät die 16-jährige Natalia Jakobi. Nach wenigen Proben fällt es aber allen leicht, sich vor Fremden filmen zu lassen. Eine Schnute zu ziehen, böse zu starren oder einen Blick von oben herab: "Die Kamera ist wie ein Mensch, der dich beobachtet", sagt der 18-jährige Lucas Scholl. "Man muss alles an sich ausschalten", hat Mitschülerin Nadine Bartholdt-Schuster gemerkt.

Welchen Gesichtsausdruck sie zeigen wollten, stand den Schülern frei. Die 15-jährige Jessica Posor versucht es mit Überheblichkeit. Lucas machte auf arrogant und gereizt. "Genervt ist viel einfacher", findet Nathalie. Dazu genüge es fast schon, die Mundwinkel nach unten zu ziehen. Schwieriger sei es, freundlich zu schauen. "Da muss man aufpassen, dass auch die Augen mitlachen." In einem waren sich alle Schüler einig: "Fünf Sekunden können ganz schön lange sein."

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