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Nahverkehr: Haltestellen im Visier der Videokameras

In Frankfurter U-Bahnen werden Passagiere belästigt und U-Bahnfahrer angegriffen. Die Verkehrsgesellschaft VGF will vor allem im Norden der Stadt die Sicherheit verbessern. Von Danijel Majic

Fahrgäste in Frankfurter U-Bahnen fühlen sich oft schutzlos.
Fahrgäste in Frankfurter U-Bahnen fühlen sich oft schutzlos.
Foto: dpa

Jutta Mildners subjektives Sicherheitsempfinden ist gestört. Spätestens seit Ende vergangenen Jahres, als der Nieder-Eschbacher CDU-Ortsbeirätin ihre Handtasche an einer U-Bahnstation im Frankfurter Norden entrissen wurde, stellt sie sich hinter die Forderungen nach einem Ausbau der Videoüberwachung an den Haltestellen der VGF.

"Ich kann es nur unterstützen, wenn solche Kameras installiert werden", erklärte die 62-Jährige in der Ortsbeiratssitzung am Freitagabend. Mit ihrer Ansicht dürfte Mildner nicht alleine sein in Frankfurts nördlichen Stadtteilen.

Insbesondere die Stationen der Linie U2 zwischen Kalbach und Bad Homburg-Gonzenheim standen in den vergangenen Jahren regelmäßig im Fokus der öffentlichen Aufmerksamkeit, sei es dass Passagiere belästigt, U-Bahnfahrer angegriffen oder ganze Stationen verwüstet wurden.

Bereits seit geraumer Zeit drängen die zuständigen Ortsbeiräte, auch der 15er in Nieder-Eschbach, auf ein einheitliches Sicherheitskonzept für die Linien im Frankfurter Norden. Am Freitagabend wurde dessen erste Grundzüge schon einmal vorgestellt.

Überwachung in neuen Wagen

Erste Schritte seien durch die Verkehrsgesellschaft Frankfurt am Main (VGF) bereits ergriffen worden, betont Ronald Falke, Fachbereichsleiter für Einnahmensicherung und Ordnungsdienste. Seit Ende vergangenen Jahres sei die Zahl des Sicherheitspersonals, das die Fahrten auf den Linien U1 bis U3 begleite, deutlich erhöht worden. "Ab 21 Uhr haben wir sechs Dienstgruppen à zwei Personen auf den Linien im Einsatz", erklärt Falke, "so dass wir in der Regel sicherstellen können, dass alle Fahrten begleitet werden."

Vor allem im Bereich nördlich der Station Heddernheim werde versucht, eine hundertprozentige Abdeckung zu gewährleisten. Dieser Teil des Sicherheitskonzepts soll auch auf die im Bau befindlichen Linien U8 und U9, die ab Dezember 2010 den Riedberg anfahren, ausgedehnt werden. "Wir streben an, dass sobald die beiden Linien in Betrieb gehen, zusätzliche Streifen diese bedienen", so Falke.

Zweite Säule des Sicherheitskonzepts sei der Ausbau der Videoüberwachung. Nach Ende der Sommerferien solle damit begonnen werden, die Stationen im Frankfurter Norden entsprechend auszurüsten. Zusätzlich würden Informations- und Notrufsäulen installiert. Bis Ende des Jahres sollen die Bauarbeiten abgeschlossen sein. Ebenfalls mit Überwachungssystemen sollen alle Wagen der neuen Baureihe U5 ausgerüstet werden. Ältere Modelle der Vorgängerbaureihe würden nachgerüstet. "75 Prozent unserer Flotte werden künftig videoüberwacht", sagt Falke.

Für die Mehrzahl im Ortsbeirat 15 klingt das nach guten Nachrichten. Doch während verstärkte Streifen von allen Fraktionen begrüßt werden, bleibt die Videoüberwachung umstritten. Michael Paul, Fraktionsvorsitzender der Grünen sieht darin einen schweren Eingriff in die Privatsphäre. "Ich und andere finden es äußerst unangenehm, wenn sie nicht wissen, ob sie beobachtet werden oder nicht." Zudem würde durch stärkere Videoüberwachung keine Verbrechen verhindert, bestenfalls verlagerten sich die Schwerpunkte.

Bedenken, die für CDU-Chef Michael Stauder nicht nachvollziehbar sind. Zumindest würden Videoaufnahmen die Ermittlungsarbeit der Polizei erleichtern. Und auch die meisten Bürger fühlten sich dadurch nicht in ihren Rechten beschnitten. "Alle normalen Menschen werden damit keine Probleme haben."

Autor:  Danijel Majic
Datum:  21 | 6 | 2010
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