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Nahverkehr: Unfaire Preise

Vier Stationen Fahrt - macht 3,80 Euro. Die Preisgestaltung des RMV hat ihre Tücken. Sie ist so unübersichtlich, dass selbst mancher Mitarbeiter nicht durchblickt - geschweige denn Fahrgäste. Von Jutta Rippegather

Gewusst wie: Kurzstrecke ist auch ein Trick, um Geld zu sparen. Der Kunde muss ihn aber kennen.
Gewusst wie: Kurzstrecke ist auch ein Trick, um Geld zu sparen. Der Kunde muss ihn aber kennen.
Foto: dpa

Die Monatskarte von Bad Vilbel nach Frankfurt gilt auch für das Stadtgebiet Offenbach? Die Frankfurter Rundschau mag das nicht glauben, ruft zur Sicherheit ein zweites Mal bei der Hotline des Rhein-Main-Verkehrsverbunds (RMV) an: Das Ticket gilt doch nur bis zur Stadtgrenze Offenbach, sagt dort ein anderer Mitarbeiter. Das müsste der Wahrheit eher entsprechen.

Die Preisgestaltung des RMV hat ihre Tücken. Sie ist so unübersichtlich, dass selbst mancher Mitarbeiter nicht durchblickt - geschweige denn der Fahrgast. "Das RMV-Tarifsystem richtet sich nicht nach den Kundenbedürfnissen", moniert Holger Greiner vom Verkehrsclub Deutschland (VCD), Regionalgruppe Rhein-Main.

Dies führe zu Kommunikationsproblemen, Unsicherheit bei Kunden und Kontrolleuren, Fehlern beim Fahrkartenverkauf und komplizierter Bedienung des Automaten. Kürzere Routen sind zum Teil teurer, weil sie ein anderes Tarifgebiet schneiden. Und: "Freigegebene Tarifzonen, die benutzt werden dürfen, ohne dass sie auf der Fahrkarte stehen, sind oft unbekannt." Hinzu kommt die generelle Kritik des VCD-Hessen: "Der RMV ist im Vergleich zu anderen Verbünden zu teuer."

Schuld an den Ungerechtigkeiten sei die Preisgestaltung nach dem Wabensystem, meint Brigitte Simon (Grüne). Die Offenbacher Bürgermeisterin setzt sich im RMV-Aufsichtsrat seit Jahren für mehr Fairness ein. 3,85 Euro zahlt der Offenbacher für das Einzelticket nach Frankfurt. "So lange die Parkgebühren so günstig sind, fährt man zu zweit dann billiger mit dem Auto."

Das sei kontraproduktiv, meint Simon. "Wir brauchen ein Konzept für Tarifstrukturen, die den Umstieg auf den Öffentlichen Personennahverkehr fördern." Die Preise seien so hoch, dass sich ein Teilzeit-Job in der Nachbarstadt nicht rechne, sagt die Bürgermeisterin und Dezernentin für Umwelt und Soziales. "Im Vergleich zu anderen Regionen ist das Tarifgefüge im Rhein-Main-Gebiet mit Abstand am teuersten."

Dafür bekomme der Kunde mehr für sein Geld, argumentiert stets der RMV. Der Hund und das Fahrrad kosten nichts extra. Ab 19 Uhr und am Wochenende fährt die Familie für lau mit auf der Zeitkarte. "Wir brauchen nicht so viele Sonderleistungen", meint Simon. Es sei der Preis, worauf der Kunde schaue. Zwei Angebote lobt sie ausdrücklich: Die Clevercard für Schüler und Auszubildende und das 9-Uhr-Ticket. Dass das Preissystem zu Ungerechtigkeiten führt, räumt RMV-Sprecher Peter Vollmer ein.

"Das Problembewusstsein ist da." Doch eigentlich will der Verbund mit einer Reform warten, bis flächendeckend das elektronische Ticket eingeführt ist. Dessen Start hat sich mehrfach verschoben. Nach aktuellem Stand soll es in fünf Jahren soweit sein. Der RMV überlegt jetzt, den Tarif zwischendurch zu reformieren. Geschäftsführer Knut Ringat hatte dies im Dezember im FR-Interview angekündigt. "Noch", sagt Vollmer, "ist nichts entschieden."

Eins hatte Ringat betont: Auf die jetzigen Einnahmen und die jährliche Preisanhebung werde der Verbund nicht verzichten. Er finanziere sich zu 56 Prozent aus den Fahrgast-Einnahmen und habe damit den deutschlandweit höchsten Grad der Kostendeckung.

Autor:  Jutta Rippegather
Datum:  23 | 3 | 2010
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