Nancy Fraser ist Politikwissenschaftlerin und gilt als Star unter den US-amerikanischen Feministinnen. Ihr neues Konzept einer Analyse des Kapitalismus stellt die 63-Jährige Anfang kommender Woche im neuen Hörsaalzentrum der Frankfurter Goethe-Uni in zwei öffentlichen Vorlesungen vor.
Fraser will dabei auf das Konzept "double movement" Karl Polanyis antworten und es erweitern. Als "The Great Transformation" hat der Ökonom und Sozialtheoretiker in seinem 1944 erschienenen Buch den Wandel westlicher Gesellschaften seit der Industrialisierung beschrieben.
Diese große Umwandlung sei gekennzeichnet durch zwei Bewegungen. Auf der einen Seite stehe die Vermarktlichung, das Diktat von Geld- und Sachzwängen, auf der anderen der Kampf um soziale Sicherheit.
"Stimmt nicht", sagt Nancy Fraser, Professorin an der New Yorker "New School for Social Research". Inwiefern eine Erweiterung des Konzepts mehr Erkenntnisgewinn verspricht, erläutert Fraser am 19. und 20. April unter dem Titel "The Crisis of Capitalism" auf dem Campus Westend.
Mit den Vorträgen werden die Frankfurt Lectures fortgesetzt, eine Veranstaltungsreihe des interdisziplinären Exzellenzclusters "Die Herausbildung normativer Ordnungen" an der Goethe-Universität.
Ziel der Vorlesungen, so Fraser, sei eine kritische Weiterentwicklung von Polanyis "The Great Transformation", in der der Konflikt zwischen Vermarktlichung und sozialer Absicherung um eine dritte Achse von sozialen Kämpfen erweitert wird: Emanzipation. Nancy Fraser versteht den Kampf um Selbstbestimmung und Unabhängigkeit als das fehlende dritte Glied der Argumentationskette. Statt von einem "double movement" spricht sie von einem "triple movement". Diese dreifache Bewegung ist der Kern von Nancy Frasers theoretischen Überlegungen zur oft beschworenen Krise kapitalistischer Gesellschaften.
Es geht um Emanzipation
Im ersten Schritt wird Fraser am 19. April das grundlegende Konzept und seine zentralen Begriffe einführen. Der Vortrag heißt "Marketization, Social Protection, Emancipation". Darauf aufbauend geht es am 20. April um die Anwendung der neuen Perspektive zur Analyse gegenwärtiger Entwicklungen. Das Thema dieses Vortrags lautet "Ambivalences of Emancipation". Beide Vorträge beginnen um 19 Uhr. Sie finden statt im Hörsaalzentrum auf dem Campus Westend, Hörsaal 3. ( lem)
Informationen im Internet gibt es auf der Webseite des Exzellenzclusters: www.normativeorders.net

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