Ausgerechnet im Biosphärenreservat Rhön wollen sich tausende Harley-Davidson-Fans mit ihren lauten Motorrädern treffen. Das stößt bei Naturschützern auf Kritik: „Die Veranstaltung gehört hier nicht her, das ist kein Aushängeschild für uns“, sagte der Leiter der hessischen Verwaltungsstelle des Biosphärenreservats Rhön, Torsten Raab, vor dem „Friendship Ride Germany“. Das Treffen soll Motorradfahrer von Freitag bis Sonntag auf Hessens höchsten Berg, die Wasserkuppe (950 Meter), locken.
Raab glaubt, dass der Veranstalter das Mittelgebirge nur als schöne Kulisse in zentraler Lage in Deutschland ausnutzen wolle. Es gebe viele Menschen in der Region, die mit dem Harley-Treffen nichts anfangen könnten. Das Biosphärenreservat Rhön ist ein landschaftlich sensibles Gebiet, das von der Weltkulturorganisation Unesco anerkannt wurde. Dort befinden sich seltene Tier- und Pflanzenarten.
Ein Harley-Davidson-Manager wies die Bedenken zurück. Die Besucher würden aufgefordert, die Regeln im Schutzgebiet zu achten, sagte Christian Arnezeder auf Anfrage. „Wir wollen, dass die Rhön auch künftig so einzigartig bleibt wie sie ist.“ Offroad-Ausflüge fernab der Straßen seien mit den Maschinen nicht zu erwarten. Und: „Hohe Geschwindigkeiten, wie es von einigen Kritikern befürchtet wird, spielen für Harley-Fahrer keine Rolle.“ Arnezeder war zudem zuversichtlich, dass viele Gäste wiederkommen würden, um die Rhön als Wanderer, Radler oder Segelflieger zu entdecken.
„Ökologischer und ökonomischer Irrsinn“
Ungeachtet der Kritik strömen alljährlich massenhaft Anhänger der amerikanischen Motorrad-Kultmarke in das Drei-Länder-Eck Hessen, Bayern und Thüringen. Im vergangenen Jahr kamen nach Veranstalter-Angaben mehr als 25.000 Menschen. Bei der Premiere 2009 seien es sogar 30.000 gewesen. Die Grünen bezeichneten die Veranstaltung bereits im Vorjahr als „ökologischen und ökonomischen Irrsinn“.
Harley-Davidson zieht das Biker-Treffen auch als Benefiz- Veranstaltung auf. Nach dem „Friendship Ride“ sollen Dreiviertel der Erlöse an die Deutsche Gesellschaft für Muskelkranke und ein Viertel an karitative Einrichtungen in der Region gehen. Der Eintritt kostet zehn Euro. Im Vorjahr kamen 16.500 Euro Spenden zusammen.
Am Samstag werden Rundfahrten durch die Rhön angeboten. Am Sonntagmittag findet eine Parade-Fahrt nach Fulda statt. Auf dem Rahmenprogramm stehen auch Stuntshows, Demonstrationsfahrten und Musik.
Die Grünen im Landkreis Fulda plädieren für eine generelle Geschwindigkeitsbegrenzung für Motorräder im Biosphärenreservat. Raab hält davon nichts: „Praktisch nicht umsetzbar.“ Sinnvoller sei, Straßen im Naturschutzgebiet etwa während der Brutzeiten zu sperren. „Aber da muss sich die Politik einig sein. Ich finde es zumutbar für die Bürger, mal einen kleinen Umweg in Kauf zu nehmen.“ (Jörn Perske, dpa)

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