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Neckermann: Der Aderlass setzt sich fort

Neckermann streicht 175 Stellen in der Logistik, weil weniger Päckchen zu versenden sind. Nachdem 2008 rund 450 von 2700 Arbeitsplätze am Stammsitz Frankfurt weggefallen sind, werden nun weitere Jobs gestrichen. Von Peter Dietz

Neckermann steckt in Schwierigkeiten.
Neckermann steckt in Schwierigkeiten.
Foto: Kraus

Neckermann steckt voll im Umbruch. Das zeigt sich vor allem in der Chef-Etage. Im Verwaltungstrakt an der Hanauer Landstraße in Frankfurt-Fechenheim herrscht seit Wochen reger Schreibtisch-Tausch: neuer Mann für die Computer-Technik, neuer Manager für die Finanzen, neuer Leiter für Textileinkauf in Sachen Damenmode, neue Kraft für die Werbung, neuer Geschäftsführer für Vertrieb und Marketing, neuer Sprecher für die Presse. Und nicht zuletzt: Ein neuer Chef über allen neuen Chefs.

Viele frische Manager sind gekommen. 175 alte Neckermänner indes müssen gehen. Nachdem im vergangenen Jahr rund 450 von 2700 Arbeitsplätze am Stammsitz Frankfurt weggefallen sind, werden nun weitere Jobs gestrichen. Betroffen ist der Bereich Logistik. Dort herrsche "Überkapazität", sagte ein Neckermann-Sprecher am Montag. Wegen des Zwangs zum Sparen sowie des Rückgangs der Warenmengen sei der Stellenabbau "unvermeidlich".

Um aus den roten Zahlen zu kommen, hat sich das Traditionshaus einen Strategiewechsel verordnet. Der Versender setzt stärker aufs Internet. Zudem wurden Artikel, die kein Geld mehr in die Kasse brachten, aus dem Sortiment genommen. Mehrere Tausend unrentable Artikel hatte das alte Management noch ausgemacht, bevor es im Dezember die Brocken hinwarf. Ausgedünnt wurde etwa der Bereich Textilien. Um fast ein Drittel sei der Umsatz in dieser Sparte zurückgegangen, sagte der Sprecher.

Das Straffen des Sortiments trifft nun den Standort Frankfurt. Denn von dort aus verpackt und versendet die Logistik-Tochter Waren, die anschließend mit der Post zu den Kunden gebracht werden. Laut Neckermann verlassen täglich etwa 54000 Sendungen die Frankfurter Versandzentrale Tendenz: sinkend. Weil mit einer baldigen Zunahme der Versandmengen nicht zu rechnen sei, sei auf den Einsatz von Kurzarbeit verzichtet worden, hieß es.

Mit dem Betriebsrat seien Eckpunkte für sozialverträglichen Stellenabbau vereinbart. Danach werde zum 1. August eine Auffanggesellschaft gegründet, in der betroffene Beschäftigte ein Jahr lang fortgebildet werden könnten. Zudem gebe es Abfindungszahlungen sowie Wiedereinstellungszusagen, sobald erneut Personal aufgebaut wird.

In anderen Bereichen sei derzeit kein weiter Stellenabbau geplant, sagte der Sprecher. Das Management werde aber die Kostensituation regelmäßig überprüfen. Die Insolvenz des Miteigentümers Arcandor ändere nichts an der bisherigen Strategie von Neckermann. Das Unternehmen verfolge eine klare Ausrichtung auf die Erhöhung der Profitabilität. Der Schwerpunkt liege beim elektronischen Handel. Auch die Mitarbeiter würden mit Blick darauf geschult. Schon heute mache Neckermann 60 Prozent seines Umsatzes von 1,3 Milliarden Euro übers Internet.

Neckermann ist hinter Quelle und Otto das drittgrößte Versandhaus in Deutschland. Seit Jahren schreiben die Frankfurter jedoch rote Zahlen. Im März 2008 übernahm US-Finanzinvestor Sun Capital von Arcandor die Mehrheit und verschrieb Neckermann eine Rosskur, der jede zehnte Stelle zum Opfer fiel. Die Vorgabe von Sun lautet: Bis 2010 soll Neckermann wieder Gewinn machen.

Im Dezember hatte Neckermann einen herben Rückschlag einstecken müssen: Das damalige Führungstrio hatte völlig überraschend den Abschied erklärt. Für Monate war der Handelsriese ohne Chef. Jetzt soll der Manager Henning Koopmann Neckermann auf Linie bringen.

Autor:  Peter Dietz
Datum:  7 | 7 | 2009
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