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Rhein-Main und Hessen
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15. November 2015

Neonazi-Demo in Wetzlar: Rechte hetzen in Wetzlar

 Von Peter Jülich
Fackeln und Fahnen, da fühlt sich der Rechtsextremist wohl.  Foto: peter-juelich.com

150 Neonazis demonstrieren in Wetzlar und hetzen gegen Flüchtlinge. 600 Gegendemonstranten sind unterwegs. Die Polizei sichert auch die Flüchtlingsunterkunft.

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Die „Bürgerinitiative gegen Asylmissbrauch im Lahn Dill Kreis“ hatte für Samstag zu einer Demonstration mit dem Motto „Wetzlar wehrt sich – Asylmissbrauch stoppen!“ aufgerufen, erwartet wurde ein „Fackelmarsch“ durch Wetzlar.

Die extrem rechten Demonstranten versammelten sich ab 18 Uhr in der Wetzlarer Bahnhofstraße, ab 19 Uhr zogen sie durch die Innenstadt und die Altstadt. Gepöbelt und gehetzt wurde von der ersten Minute an. Bei zwei Zwischenkundgebungen gab es Redebeiträge, gegen 21.30 Uhr erreichte die Demo wieder ihren Ausgangspunkt, die extrem Rechten verließen eilig die Stadt.

Melanie Dittmer, Anmelderin der Demo, hatte bei ihrer Auftaktrede verkündet, dass sie 400 Teilnehmer erwartet, am Ende waren es nur etwa 150. Starke Polizeikräfte sicherten die Demo, um Übergriffe der über die Stadt verteilten etwa 600 Gegendemonstranten auf die Neonazis zu verhindern, vor allem aber, um zu unterbinden, dass die teilweise stark angetrunkenen und aggressiven Neonazis auf Gegendemonstranten, Migranten und Journalisten losgehen. Zudem musste eine Flüchtlingsunterkunft in der Altstadt, an der die Demo vorbeimarschierte, geschützt werden.

Wie angekündigt führten die Neonazis neben den üblichen Plakaten und Transparenten mit rechten Parolen wie „Lügenpresse“, „Bürgerwille bricht Asyl-Lobby“, „Refugees Not Welcome“, „Asylbetrug macht uns arm“ und einigen Flaggen in Schwarz-Rot-Gold auch zahlreiche Fackeln mit.

In Ansprachen wurde gegen alles gehetzt, was nicht den Vorstellungen der Demo-Teilnehmer entspricht, vor allem gegen Flüchtlinge, Muslime und Demokraten. Es war die Rede von einer „Invasion durch Flüchtlinge“, „Umvolkung“, „Austausch der deutschen Bevölkerung“, „Landnahme für den Islam“. Geflüchtete Menschen wurden pauschal als „Mörder, Räuber und Vergewaltiger“ bezeichnet. Der Hass der Rechten gegen die Politik von Kanzlerin Angela Merkel wurde im bejubelten Redebeitrag des Aktivisten Ulrich Lehnen von der NPD in Nordrhein-Westfalen deutlich: Er forderte die Schaffung eines Volkstribunals, dort sollen Merkel und die Mitglieder der Bundesregierung „abgeurteilt“ werden.

Die während der rechten Demo gebrüllten Parolen ließen keinen Zweifel daran, wer hier marschiert: „Ali, Mehmet, Mustafa, geht zurück nach Ankara“, „Macht den roten Bonzen Dampf – Nationaler Freiheitskampf“, „Hier marschiert der nationale Widerstand“.

Die „Bürgerinitiative gegen Asylmissbrauch im Lahn Dill Kreis“ besteht aus extrem Rechten und Neonazis aus dem Lahn-Dill-Kreis, Anmelderin der Demo war aber die in der Szene prominente Aktivistin Melanie Dittmer aus Nordrhein-Westfalen. Dittmer, 35, Neonazistin seit ihrer Jugend, bezeichnet sich gerne als „Verlagskauffrau“, „Journalistin“ oder „Redakteurin“, sie war schon Skingirl, Aktivistin der verbotenen Freiheitlichen Deutschen Arbeiterpartei (FAP), der NPD, wirkte in militanten Neonazi-Kameradschaften mit und fiel in den vergangenen Monaten mit dem extrem rechten Projekt „Identitäre Aktion“ auf.

Hessische Aktivisten spielten am Samstag in Wetzlar eher eine Statistenrolle. NPD-Mann Daniel Lachmann, der im hessischen Büdingen Bürgermeister werden wollte, fotografierte mit seinem Handy, der NPD-Landesvorsitzende Stefan Jagsch half bei der Organisation, hielt sich aber im Hintergrund.Zu Aktionen und Mahnwachen gegen die Neonazi-Demo hatten Antifa-Gruppen, Gewerkschaften, Kirchen und Einzelpersonen aufgerufen. Gegen einen Mann, der versuchte, den Marsch der Rechten zu behindern, setzte die Polizei Pfefferspray ein, er musste von einem Arzt behandelt werden. Die FR-Nachfrage nach der Anzahl der eingesetzten Polizeibeamten bleibt unbeantwortet. Guido Rehr, Pressesprecher beim Polizeipräsidium Mittelhessen, sagte, diese Zahl werde aus einsatztaktischen Gründen geheim gehalten.

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