Die Bilder zeigen einen Mann mit kahl geschorenem Schädel, Tarnhose und Springerstiefeln. Mit entschlossenem Blick posiert er vor einer Fahne der rechtsextremen NPD, im Arm hält er ein Maschinengewehr. „Sturm 18 im Krieg“ hat der Kasseler Neonazi Bernd T. (35) die martialischen Fotos betitelt, mit denen er sich auf den Seiten seines „Freundeskreises nationaler Aktivisten“ im Internet präsentiert. Das Motto: „Es ist Zeit zu handeln! Komm zu uns...“
Einer, der die Aufforderung zum militanten Kampf ernst genommen hat, ist Torsten K. (30) aus dem nordhessischen Korbach. Auch er gehört zur braunen Kameradschaft „Sturm 18“ des Bernd T.; zusammen mit rund hundert Gleichgesinnten aus dem ganzen Bundesgebiet tummelt er sich im gleichnamigen Internetforum. Das ist zwar nur für Mitglieder des rechtsextremen Netzwerks zugänglich. Die Beiträge aber liegen der Frankfurter Rundschau vor.
Der Kasseler Bernd T. kann auf eine
lange Karriere am rechten Rand zurückblicken. Bereits in seinem Geburtsort, dem schleswig-holsteinischen Bad Segeberg, wo er 1993 einen Obdachlosen zu Tode prügelte, war er als militanter Neonazi aktiv.
Die Kameradschaft „Sturm 18 Cassel“ gründete er, nachdem er im Jahr 2000 nach Kassel gezogen war. Bei Hausdurchsuchungen durch die Polizei
wurden damals auch Waffen bei ihm gefunden.
2006 übernahm Bernd T. als angeblicher Neonazi-Aussteiger zusammen
mit Gleichgesinnten aus seinem Umfeld einen öffentlich geförderten Multikultur-Verein in Kassel. Das sorgte für heftige Proteste und schließlich für das Ende des Vereins. Seitdem betätigt sich der mehrfach vorbestrafte Mann wieder offen als rechtsextremer Aktivist. jft
Nachdem ein Kamerad mit dem bezeichnenden Alias-Namen „Odins Erbe“ die Frage „Wie viele Moscheen gibt es in deiner Stadt?“ aufgeworfen hatte, reagierte Torsten K. unmissverständlich: „Heil dir“, schrieb der einschlägig polizeibekannte Mann, „wohne leider neben einer, aber nicht mehr lange“.
Diese Drohung tippte er am 19. Juli um 17.19 Uhr in seinen Computer. Sieben Stunden später entzündete Torsten K. vor der Korbacher Moschee eine Flasche mit Spiritus. Nur weil ein Nachbar zufällig aufmerksam wurde, konnte der Brandanschlag vereitelt werden. „Über die Motive der Tat“, berichtete danach die Polizei, „können noch keine Aussagen getroffen werden“. Der Mann habe aber „erheblich unter Alkoholeinfluss“ gestanden – offenbar weil er sich vor der Tat mit seiner Freundin gestritten und sich betrunken habe.
Seine Kameraden im Internet-Forum wissen es genauer: „Der lebt nur aus, was alle denken“, schreibt einer. Torsten K. habe es mit dem Anschlag halt bloß nicht richtig hingekriegt, aber immerhin: „Er hats gemacht.“ Und ein anderer wünscht sich, dass der Angriff erfolgreich gewesen wäre „und da jetzt nur noch ein Aschehaufen steht“.
Gegen Torsten K. wurde zuvor bereits wegen der Verwendung verbotener Nazi-Symbole ermittelt. Und keine zehn Tage vor seiner geplanten Attacke auf die Moschee reiste er mit nordhessischen „Sturm 18“-Kameraden zum Festival „Rock für Deutschland“ der NPD nach Gera.
Der Mann ist ein Überzeugungstäter – wie alle, die sich bei „Sturm 18“ ihren braunen Hassfantasien hingeben. Ein Butzbacher Neonazi mit dem Pseudonym „Weißer Widerstand“ träumt im Forum davon, die Moschee in seiner Stadt irgendwann „niederzubomben“. Und „weißer-patriot“ aus dem schwäbischen Ravensburg macht den „Lösungsvorschlag: Wir spielen einfach mal wieder die Reichskristallnacht nach! Oder was meint ihr?!“
Die antisemitischen Pogrome vom 9. November 1938 als Vorbild für den Kampf der Rechtsextremen gegen ihre muslimischen Nachbarn: Das Ideal bei „Sturm 18“ ist der mörderische Nationalsozialismus des „Dritten Reichs“.
Ausgeprägter Führerkult
Als Logo, das der harte Kern der Kameradschaft auf T-Shirts trägt, dient der nationalsozialistische Reichsadler – mit der „18“ als Platzhalter für das verbotene Hakenkreuz. Die Ziffern stehen dabei für den ersten und achten Buchstaben im Alphabet, also für AH: Adolf Hitler. Bei „Sturm 18“ feiert der Führerkult fröhliche Urständ: Auf einem Foto im Internet zeigt sich Bernd T. mit seinen Kasseler Kameraden stolz vor einem Hitler-Bild.
Der „Krieg“, den der Neonazi-Aktivist anzetteln will, kann freilich auch ein ganz privater sein: Weil ihn seine Frau wegen eines anderen Mannes verlassen haben soll, bat Bernd T. im „Sturm18“-Forum um Hilfe bei der „Suche“ nach der Angetrauten. Es fanden sich sofort Kameraden, die die Jagd auf den Nebenbuhler aufnehmen wollten: „Ich schnapp mir den Penner, ehe ich in Haft gehe“, schrieb Wolfgang G. (48), der kürzlich wegen Körperverletzung und Sachbeschädigung zu einer sechsmonatigen Gefängnisstrafe verurteilt worden ist. „Auf das Jahr mehr oder weniger kommt es eh nicht mehr an!“

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