Im Prozess gegen vier Neonazis wegen eines Brandanschlags auf ein Wohnhaus in Wetzlar hat einer der Angeklagten am Freitag die Tat gestanden. Sie hätten einem Kirchenmitarbeiter, der sich gegen Rechtsextremismus engagiert, „einen Schrecken einjagen“ wollen, sagte der 17-Jährige vor dem Landgericht Limburg.
Die Anhänger der Anti-Antifa-Szene hätten dem Mann klar machen wollen, dass er seine Aktivitäten einstellen solle. „Wir wollten ihm Angst machen mit der Aktion“, sagte der Jugendliche. Die Anklage lautet auf versuchten gemeinschaftlichen Mord und schwere Brandstiftung.
Die Staatsanwaltschaft wirft den vier Männern vor, in der Nacht zum 5. März einen Molotowcocktail auf das Haus des Pastoralreferenten geworfen zu haben. In dem Haus schliefen zur Tatzeit fünf Menschen, darunter drei Kinder. Nur durch Glück wurde niemand verletzt. Nach Ansicht der Staatsanwaltschaft nahmen die vier Täter zumindest billigend in Kauf, dass bei dem Brandanschlag Menschen zu Tode kommen.
Der 17-Jährige betonte, sie seinen nur auf Sachbeschädigung aus gewesen: „Es sollte eine kurze Flamme geben und ein schwarzer Fleck entstehen.“ Im Gegensatz zu früheren Farbanschlägen auf das Haus sollte diese Tat „abschreckender“ wirken. Er habe eine leere Glasflasche mit Benzin gefüllt und einen Lappenfetzen eingesteckt. Dann hätten er und seine Kumpels sich von einer Freundin ein falsches Alibi besorgt, die Nummernschilder am Auto mit Kreppband abgeklebt und seien losgefahren.
Er habe die Benzinflasche auf das Haus geschleudert. Statt der Holztür habe er eigentlich die Mauer treffen wollen, sagte der Angeklagte: „Ich wollte nicht, dass jemand zu Schaden kommt.“ Der Jugendliche wies Berichte zurück, wonach die vier Kumpels nach der Tat im Auto jubelten und sich die Verletzungen der Opfer ausmalten. Als er davon gelesen habe, „war ich erschüttert bis ins Mark“, betonte der 17-Jährige. Die Stimmung nach der Aktion sei vielmehr „ziemlich gedrückt“ gewesen. Schließlich hätten sie eine Straftat begangen. (dapd)

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