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Rhein-Main und Hessen
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23. Mai 2013

Neonazis Hessen: Die Rechten marschieren im Lumdatal

 Von 
Friedberg 2009: Stefan Jagsch (r.) und der damalige hessische NPD-Chef Joerg Krebs.  Foto: Sascha Rheker

Die Jugendorganisation der NPD meldet für den 25. Mai eine Demonstration in Allendorf im Lumdatal an: "gegen linke Hetze und Repression". Gegenproteste sind angekündigt, aber es könnten auch Neonazis aus ganz Hessen ins Lumdatal einfallen.

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Die Jugendorganisation der NPD meldet für den 25. Mai eine Demonstration in Allendorf im Lumdatal an: "gegen linke Hetze und Repression". Gegenproteste sind angekündigt, aber es könnten auch Neonazis aus ganz Hessen ins Lumdatal einfallen.

Es ist der offensichtliche Versuch einer Machtdemonstration: Am kommenden Samstag, 25. Mai, wollen hessische Neonazis in Allendorf im Lumdatal (Landkreis Gießen) aufmarschieren. Wie der Landkreis auf Nachfrage bestätigte, liegt eine Anmeldung der Jungen Nationaldemokraten Hessen (JN) vor, der Nachwuchsorganisation der rechtsextremen NPD. Unter dem Motto „Das Lumdatal bleibt national – gegen linke Hetze und Repression“ wollen die Rechtsradikalen am Nouvion-Platz demonstrieren, an der zentralen Straßenkreuzung im Allendorfer Ortskern.

Die Demonstration und der für sie gewählte Ort sind aus mehreren Gründen provokant: Seit Monaten ist die junge Neonaziszene im dörflich geprägten Lumdatal zunehmend durch öffentliche Aktionen, Einschüchterungen und Übergriffe aufgefallen, neben Rabenau, Lollar und Staufenberg sind die Rechtsradikalen auch in Allendorf aktiv. Zuletzt hatten offensichtlich angetrunkene Angehörige der Szene in der Nacht zum 1. Mai das Hoftor der Allendorfer Bürgermeisterin, Annette Bergen-Krause (SPD), demoliert und danach die Tür eines nahe gelegenen Wohnhauses eingetreten.

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Das betreffende Haus, deren Bewohner schon zuvor von Neonazis bedroht worden waren, liegt direkt am geplanten Aufmarschort der JN – dort hat Anfang Mai außerdem eine Kundgebung gegen die neuesten Naziumtriebe stattgefunden, an der sich rund 200 Menschen beteiligten.

Zu der geplanten Demonstration könnten am Samstag aber auch Neonazis aus anderen Teilen Hessens anreisen. Nach FR-Informationen wurde sie von Stefan Jagsch angemeldet, stellvertretender Vorsitzende der hessischen NPD aus Altenstadt im Wetteraukreis. Jagsch fungiert auch als stellvertretender Landesvorsitzender der JN und verfügt über gute Kontakte zu gewaltbereiten Neonazis aus dem Spektrum der Freien Kameradschaften. Im Internet wird die Demonstration zudem von Neonazis aus Wetzlar und dem Freien Netz Hessen beworben, einer landesweiten Plattform von Neonazi-Kameradschaften. Vermutlich soll der Aufmarsch der Szene im Lumdatal den Rücken stärken, die zuletzt mit zivilgesellschaftlicher Gegenwehr konfrontiert war.

"Wir müssen selbst agieren"

Auch am Samstag sind bereits Proteste gegen den Aufmarsch der JN angekündigt: Das Netzwerk für Demokratie und Toleranz, das die Lumdataler Bürgermeister im April gegründet haben, will unter dem Motto „Das Lumdatal ist bunt“ demonstrieren. Auch Vertreter der evangelischen Kirchengemeinden haben ihre Teilnahme bereits zugesagt.

Allendorfs Bürgermeisterin Bergen-Krause sagte der Frankfurter Rundschau am Mittwoch, sie hoffe auf eine große Beteiligung der Bürger. „Die Rechten suchen jetzt die Konfrontation, das hat schon wieder eine neue Qualität“, sagte sie. In Allendorf sei es nach den Attacken der letzten Wochen Konsens, dass man sich dem wachsenden Naziproblem stellen müsse. „Ich will aus der Position rauskommen, immer nur zu reagieren“, sagte Bergen-Krause. „Wir müssen selbst agieren und die Räume eng machen für diese Ideologie.“ Im Juni solle etwa ein Treffen aller Vereine aus Allendorf stattfinden, auf dem über weitere Schritte gegen Neonazis beraten werden solle. „Wir haben mehr als 80 Nationen im Lumdatal“, so Bergen-Krause. „Wir sind weltoffen und tolerant.“

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