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Rechtsextreme als Wachmänner: Neonazis im Keltenmuseum

Peinliche Panne: Bei der Eröffnung des Keltenmuseums am Glauberg bewachen zwei uniformierte Rechtsextreme die Sandsteinfigur des Keltenfürsten. Die vom Land Hessen beauftragte Sicherheitsfirma zieht ihre Mitarbeiter am Mittag ab.

Der Keltenfürst im Blickpunkt.
Der Keltenfürst im Blickpunkt.
Foto: dapd

Die prächtig inszenierte Eröffnung des Keltenmuseums am Donnerstagvormittag auf dem Glauberg wurde von einer peinlichen Panne überschattet. Zwei Neonazis standen Wache neben der Sandsteinfigur des Keltenfürsten – in Uniformen, die an die der SS erinnern: braunes Hemd, schwarze Hose. Die beiden, die bereits bei Neonazi-Aufmärschen und als Verteiler rechtsextremer Flugblätter aufgetreten sind, wurden von einer Sicherheitsfirma entsandt. Das Immobilienmanagement des Landes Hessen hatte diese Firma beauftragt. Die beiden seien noch am Donnerstagmittag abgezogen worden – sofort, nachdem ihre rechtsextreme Gesinnung bekanntgeworden war, sagte die Sprecherin der Hessen-Archäologie, Eveline Grönke.

Die Geschäftsführerin der Sicherheitsfirma bestätigte das. Ihr sei die politische Einstellung der beiden nicht bekanntgewesen, sagte sie zur FR. Sie selbst habe mit Rechtsextremismus nichts zu tun. Die getragene Uniform sei in der Firma üblich, sie sei Standard bei Wachdiensten.

Der Vorfall rückt die unrühmliche Seite des Kelten-Kultes vom Glauberg in den Vordergrund. Die ersten Grabungen waren 1933 unter der Regie der SS gemacht worden. Im Flur zur Ausstellung sind Stimmen über die Kelten gesammelt. Eine davon lautet: „Das Keltenkreuz ist verboten, weil die Nazis es benutzten, aber da können die Kelten auch nichts dafür.“

Der Landesarchäologie ist bewusst, dass der Glauberg auch Anlaufstelle für Rechtsextreme werden könnte. Vor zwei Jahren hatte Landesarchäologe Egon Schallmayer ein Treffen von Keltengruppen auch deshalb untersagt, weil rechtsextreme Gruppierungen darunter sein könnten.

Keltenwelt am Glauberg

Bildergalerie ( 13 Bilder )

Das neun Millionen Euro teure Museum wurde am Donnerstag von Ministerpräsident Volker Bouffier (CDU) als Einrichtung „von nationalem und internationalem Rang“ gefeiert. Glauburgs Bürgermeister Carsten Kretschmer (SPD) feierte die Rückkehr „unseres berühmtesten Glauburgers“. „Der Keltenfürst vom Glauberg ist wieder daheim“, sagte der Rathauschef. Der Landrat des Wetteraukreises, Joachim Arnold (SPD), sieht im Museum eine „großartige Chance zur Entwicklung des Tourismus“.

Mystische Musik empfängt den Museumsbesucher. Ein Film führt ihn in die Geschichte der Kelten im allgemeinen und der Siedlung am Glauberg im besonderen ein. Rund 200 Jahre siedelte das eisenzeitliche Volk hier – vom 4. Jahrhundert vor unserer Zeitrechnung an .

Vor 17 Jahren wurden drei Herrschergräber entdeckt, die diese hinterlassen hatten. In einem Grab ruhte ein 16 bis 20 Jahre alter Toter, im anderen die verbrannte Leiche eines 30- bis 40-Jährigen, im dritten schließlich noch der Körper eines 21 bis 28 Jahr alten Kriegers. Alle drei waren mit reichlich Grabbeigaben unter die Erde gebracht worden. Diese Sensationsfunde stehen im Zentrum der neu konzipierten Ausstellung.

Die Museumsbesucher werden zu Entdeckern. Immer wieder locken Computerspiele, die Welt der Kelten zu erforschen. Gäste können in rekonstruierte Gräber blicken. Mittels Mikroskop und Computer können Pflanzen aus keltischer Zeit bestimmt werden, deren Überreste in der Erde des Glaubergs gefunden wurden. „Hülsenfrucht, verkohlt, Größe ca. 4 mm. Um was handelt es sich?“ wird gefragt, fährt man mit dem Mikroskop auf einen schwarzen Punkt. Mögliche Antworten: Linsenwicke, Echte Hirse, Erbse, Ackerbohne. Richtig ist: Erbse.

Bilder von den Ausgrabungen unter SS-Regie 1933 sind auch zu sehen. Gegenüber ist eine Nische, in die sich Besucher zurückziehen können, um Texte über das Verhältnis von Archäologie und Politik zu lesen.

Das Keltenmuseum am Glauberg ist montags bis sonntags von 10 bis 18 Uhr geöffnet. www.keltenwelt-glauberg.de

Autor:  Bruno Rieb
Datum:  5 | 5 | 2011
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