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21. Juli 2015

Neonazis in Hessen: Ermittlung gegen Neonazi

 Von 
Umweltaktivist Jörg Bergstedt vor der alternativen „Projektwerkstatt“ in Reiskirchen-Saasen. (Archivbild)  Foto: Andreas Arnold

Die Betreiber einer alternativen „Projektwerkstatt“ machen Neonazis für den Angriff auf das Haus verantwortlich. Die Polizei sieht dagegen noch keine ausreichenden Beweise für einen politischen Hintergrund, obwohl der mutmaßliche Haupttäter in der Neonazi-Szene bekannt ist.

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Zehn Tage nach einem Angriff auf die alternative „Projektwerkstatt“ in Reiskirchen-Saasen (Landkreis Gießen) sind sich die Betreiber des linken Zentrums sicher, dass lokale Neonazis für die Attacke verantwortlich sind. Alle drei jungen Männer, die vor zehn Tagen vor der Projektwerkstatt randaliert hatten, könne man inzwischen zweifelsfrei der Neonazi-Kameradschaft aus dem nahegelegenen Lumdatal zuordnen, sagte der Umweltaktivist Jörg Bergstedt der Frankfurter Rundschau. Bergstedt, der in der Projektwerkstatt lebt, war dort bereits in der Vergangenheit von Anhängern der Lumdataler Neonazi-Gruppe bedroht worden.

Vor zehn Tagen waren drei offenbar angetrunkene Männer abends auf das Gelände der Projektwerkstatt eingedrungen und hatten dort Mülleimer umgeworfen, eine Tür beschädigt und mehrere Fensterscheiben eingeschlagen. Nach Polizeiangaben entstand ein Sachschaden von rund 600 Euro, verletzt wurde niemand. Im Anschluss hatten die Männer nach Angaben von Augenzeugen auf dem Dorfplatz von Saasen mehrere Menschen bedroht und bepöbelt. Die Polizei ermittelt wegen Körperverletzung und Sachbeschädigung, der für politisch motivierte Delikte zuständige Staatsschutz hat die Ermittlungen übernommen.

Erste Gewalttat seit langem

Wie ein Sprecher des Polizeipräsidiums Mittelhessen der FR sagte, sei bisher noch nicht zweifelsfrei geklärt, ob die Vorfälle einen politischen Hintergrund hätten. Der 24-jährige mutmaßliche Haupttäter sei zwar als Teil der lokalen Neonazi-Szene bekannt, er sei aber stark alkoholisiert gewesen und habe an dem Abend noch zu Hause weiter randaliert. Die Ermittlungen dauerten an.

Der Angriff auf die Projektwerkstatt ist die erste gewalttätige Aktion seit gut eineinhalb Jahren, die offenbar auf die Neonazi-Szene im Lumdatal zurückgeht. Seit Ende 2012 war die Gruppe junger Nazis aus der Gegend um Allendorf, Rabenau und Grünberg verstärkt mit Internetveröffentlichungen und Flugblättern, aber auch mit Einschüchterungen und Angriffen auf politische Gegner aufgefallen. Nachdem die Polizei ihre Präsenz verstärkt hatte und es Gegenwehr aus der Zivilgesellschaft und von Antifa-Gruppen gegeben hatte, waren die Aktivitäten der Szene stark zurückgegangen.

Vor einem Jahr hatte eine Familie aus Allendorf, die immer wieder von den Rechtsradikalen bedroht und belästigt worden war, zudem vor Gericht erwirkt, dass die Neonazis nicht näher als 100 Meter an ihr Haus herankommen dürfen. Der Angriff auf die Projektwerkstatt deutet allerdings darauf hin, dass die Lumdataler Neonazi-Gruppe trotzdem weiter aktiv ist.

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