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Neubau des Städels: Picasso und die Gummistiefel

Spatenstich für die Erweiterung des Frankfurter Städel-Museums - begleitet vom wahrscheinlich kunstvollsten Kinderfest des Jahres. Von Stefan Behr

Gummistiefel - die offiziellen Maskottchen des Städel-Umbaus.
Gummistiefel - die offiziellen Maskottchen des Städel-Umbaus.
Foto: FR/Boeckheler

Eigentlich ist das ja nichts für Kinder. Ein geharnischter wollüstiger Ritter entführt eine splitternackte Dame, ein aus der Art geschlagener Adliger buddelt auf dem Friedhof Gebeine aus, Wellen verschlingen Ufer, Vulkane ganze Landschaften - und mittenmang sitzt Rudi Gerharz, zupft die Klampfe und singt "Zicke Zacke Hühnerkacke". Bei einem solchen Pandämonium würde man normalerweise sagen: Altersfreigabe ab 18. Ist aber schon ab vier. Und die Kinder machen keinesfalls den Eindruck, als nähmen sie Schaden an ihrer Seele.

Das Städel hat zum Spatenstichfest gebeten - und sich zur Feier des Startschusses für den neuen Erweiterungsbau des Museums vor allem für die jüngeren Semester einiges einfallen lassen. Kunst- und Architekturworkshops, Märchen- und Handpuppenführungen, Gummistiefelwerfen: Die jungen Gäste sind ganz begeistert davon, zur Abwechslung mal mit viel mehr als Hüpfburg und Schminktisch abgespeist zu werden. Und danken es mit ungeteilter Aufmerksamkeit.

OB Petra Roth (Mitte) und andere Honoratioren bei der Arbeit.
OB Petra Roth (Mitte) und andere Honoratioren bei der Arbeit.
Foto: FR/Boeckheler

Spaten mit Namensschild

Das bisschen Hochkultur wird en passant mitgenommen. Eines Tages werden sie vielleicht erkennen, dass die hyperrealistische Zwerg-Nase-Skulptur, unter der Gerharz das gleichnamige Märchen erzählt hat, in Wirklichkeit ein Frauenkopf von Picassos Händen ist.

Dass es auch anders geht, beweist der zeitgleiche offizielle Festakt drunten im Metzler-Saal, der aus allen Nähten platzt. Ein Festredner nach dem anderen beweist dort, dass zwischen realer und gefühlter Zeit der Unterschied doch relativ groß sein kann. Durch Blasmusik werden die Zuschauer zwischendurch am Wegdösen gehindert, die Reden werden mit Lautsprecher ins Freie übertragen, wo unzählige Spaten mit Namensschild bereits auf ihre prominenten Spatenstecher warten.

Da können sie lange warten. "Ich will aber die Frau mit dem Spaten sehen", quengelt der kleine Hendrik, als sei die Frau mit dem Spaten so ein Wunderviech wie der Mann mit dem Goldhelm. Es ist aber nur Oberbürgermeisterin Petra Roth, und die ist in naher Zukunft wie ihre Leidensgenossen zum Mithören verdonnert, ehe sie selbst sprechen darf. Gerne hätte man im Metzler-Saal einen, der auch mal ganz laut "Zicke Zacke Hühnerkacke" singt, aber Rudi Gerharz hat im Moment weiß Gott Wichtigeres zu tun.

Alles Zwerg Nase

Die Städel-Belegschaft hat sich zur Feier des Tages in gelbe Gummistiefel, die offiziellen Maskottchen des Umbaus, gezwängt. Für 20 Euro können Besucher die Benefiz-Stiefel auch kaufen. Die Bratwurst ist für 3,50 Euro zu haben. Das alles ist nun nicht gerade vom billigen Jakob, dient aber einem prima Zweck, dem Städel nämlich, und wird insofern auch gerne berappt.

Denn was man am Städel hat, das hat man an diesem Tag wieder einmal bestens sehen können. Die Erwachsenen, die länger schon nicht mehr da waren, sind völlig hin und weg, dass in ihrer Heimatstadt einfach so Cézanne neben Rodin und Degas neben Monet rumhängt. Aber auch wenn diese Namen den Kindern nichts sagen und für sie eh alles Zwerg Nase ist: Die kleine Lara weint bittere Tränen, als ihre Mutter sie am frühen Nachmittag ins Freie trägt. Kinder, die heulen, weil sie aus dem Museum rausmüssen: Das ist doch mal was anderes! "Da sind noch ganz viele Bilder, die wir uns angucken können, und wir können ja bald einmal wiederkommen", tröstet Laras Mutter. Da hat sie Recht.

Autor:  Stefan Behr
Datum:  7 | 9 | 2009
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