Es kam, wie es kommen musste: Kurz nach Zehn am Donnerstag setzte ein Sog ein und die ganze Zeil ergoss sich in die neue Einkaufslandschaft. "MyZeil ist das Zentrum!" hatte Oberbürgermeisterin Petra Roth (CDU) einen Moment vorher draußen hören lassen und das Volk stimmte zu, denn es antwortete mit Bravo-Rufen.
Dann seilten sich Trommler und Tänzer nach spektakulärer Vorführung mit dem roten Band von der Fassade ab - Schnitt! machte die OB, die Tür surrte zur Seite, und die Leute strömten auf die Rolltreppe, in Richtung der Sonderangebote, die man an diesem Tag massig abholen konnte. 15.000 Besucher hat das Center-Management bereits in der ersten Dreiviertelstunde gezählt.
Bis zum Wochenende gelten in MyZeil besondere Öffnungszeiten. Die Geschäfte schließen erst um 22 Uhr.
Von kommender Woche an ist montags bis mittwochs um 20 Uhr, donnerstags bis samstags um 21 Uhr Schluss.
Bis nachts um 22 Uhr am ersten Tag wird es ein Viel-Viel-Vielfaches gewesen sein. Nur einer ist wahrscheinlich draußen geblieben, ein einziger Zeil-Passant, der zur Eröffnung Brust und Rücken mit handgemalten Plakaten bedeckt hatte. "My Zeil, My Römer, My Petra, My Droppe" stand drauf, womit der Udo Spittler, ein Demonstrant dem Ganzes nichts Gutes abgewinnen kann, "ein bisschen was Frankfurterisches einbringen" wollte. Tatsächlich zeigt sich auf den ersten Durchgang die Stadt in dem vom holländischen Unternehmen MAB errichteten Zentrum mit den vielen Ebenen und Plattformen, all den Durchblicken und Perspektiven, wie neu erfunden. Also fremd.
Erst recht, wenn man durch das Erdgeschoss und zum Hintereingang wandert, dort vor dem niegelnagelneuen Abbild des Palais Thurn und Taxis steht und registriert, wie das in Aluminium eingekleidete Hochhaus an seiner Seite seinen Bauch rausstreckt. "Das Neue im alten Stil" konstatierten Besucher an dieser Stelle, der Großen Eschenheimer Straße.
Was man für die Galerie mit den glitzernden, jedem Wunsch offenstehenden Läden nicht sagen kann. Statt "altem Stil" gibt es eine Überraschung nach der anderen und allgemeines Staunen. Außer vielleicht bei den Kundinnen, die sich gleich in die erstbeste Umkleidekabine verzogen. Etwa bei "Tatuum", einer polnischen Modemarke, die "den Markteintritt in Deutschland" feierte. Ein paar Minuten nach Zehn hatte Betreiberin Yvonne Palus "die ersten Ketten verkauft".

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