Nicht jetzt schon, nicht vor diesem Wochenende. Was der Samstag bringe, wolle er unbedingt abwarten, sagt Verkehrsdezernent Lutz Sikorski am Freitag im Gespräch mit der FR. Vor diesem Einkaufstag in der Innenstadt sei es zu früh, um erste Erfahrungen mit der Sperrung der Hauptwache angemessen zu bilanzieren. Eines aber steht für den Stadtrat dann doch außer Frage: Schlecht gelaufen ist es bislang sicherlich nicht.
Am Donnerstag pünktlich um zehn Uhr ging die Barriere an der Katharinenkirche wie auf Höhe des Kaufhofs zu, platzierten Straßenbauer die zunächst mobilen Sperrungen, die am Nachmittag durch in den Asphalt eingelassene Poller ersetzt wurden. Gleichzeitig öffneten die Verkehrsplaner die Große Eschenheimer für Rechtsabbieger von der Bleichstraße aus: So soll künftig die mit 1500 Stellplätzen üppig dimensionierte Tiefgarage für das neue Shopping-Center in der Innenstadt erreichbar sein. Einkäufer biegen dann links ab in den unterirdischen Bau, der in den nächsten Tagen fertig sein soll. Für andere Automobilisten bildet sich am Kaufhof die Möglichkeit, den Wagen zu wenden, um zum Turm zurück zu gelangen. Wer zum Goetheplatz will, biegt an dieser Stelle in die Biebergasse ein.
Der zentrale Platz in der Innenstadt ist für Autos seit Donnerstag gesperrt. Wer die City von der Eschersheimer Landstraße aus erreichen will, kann wahlweise von der Bleichstraße aus in die Große Eschenheimer abbiegen oder geradeaus weiter den Goetheplatz ansteuern.
Der abgesperrte Bereich zwischen der Katharinenkirche und dem Kaufhof soll in der kommenden Woche nivelliert werden, um Fußgängern einen barrierefreien Weg von der Zeil zum Goetheplatz möglich zu machen. Erst an der Fressgass' muss sich der Flaneur an einer Ampel gedulden.
Wollten aber bislang wenige. Was für den Dezernenten belegt: Der Durchgangsverkehr, der bisher in diesem Bereich der City dominant war, ist jetzt an der Hauptwache gestoppt.
Eine halbe Stunde Konfusion
Die erste Bewährungsprobe hatte die neue Verkehrsführung am Donnerstagabend vor sich: Wer auf die Katharinenkirche zusteuerte, musste rechts ab und gelangte auf die Berliner Straße. Was dort zu Konfusionen in Richtung Osten führte. In einer kurzen Phase von einer halben Stunde sei das ein Problem gewesen, berichtet Stadtrat Sikorski am Freitag über den Feierabendverkehr. Danach habe man die Verkehrsregelung "auf Handbetrieb" umgestellt, also von Polizeibeamten machen lassen. Das habe für die Verkehrsplaner die Konsequenz, dass die Ampelphasen in diesem Bereich für Autofahrer künftig verlängert werden müssen.
Für die nächsten Tagen dürften Pendler aus dieser Erfahrung ihre persönlichen Schlüsse ziehen, glaubt Sikorski, und dann auf die Hochstraße ausweichen, um von dort aus auf die Eschersheimer Landstraße zu gelangen. Dort zumindest suchte man bislang verstärkten Feierabendverkehr vergeblich.
Als problematisch erwies sich am Freitagmorgen hingegen der Cityring. Dort ballten sich Fahrzeuge. Ganz so wie es die Industrie- und Handelskammer wie auch die Einzelhändler prognostiziert hatten: Durch die Sperrung der Hauptwache werde der Autoverkehr aus diesem Bereich der Innenstadt nur zum Anlagenring hin verdrängt. Doch davon könne keine Rede sein, darauf besteht Sikorski. Im unmittelbaren Umfeld des früheren Volksbildungsheims habe es Stauungen gegeben, die aber allein durch die Zulieferer für das neue Shopping-Center entstanden seien, die neuerdings dort warten, bis sie zur Großen Eschenheimer vorfahren dürfen. Von einem unmittelbaren Zusammenhang zur Sperrung der Hauptwache könne überhaupt keine Rede sein, hebt der Grüne hervor.
Kritik von Frankfurt 22
Eine Aktion im Übrigen, die die Initiative Frankfurt22 für "halbherzig" hält. Vielmehr erweise sich die Stadtregierung als unfähig, Autoverkehr aus der Stadt herauszuhalten, moniert die Vereinigung, die sich "der Förderung des oberirdischen Schienenverkehrs" widmet. Um Autos konsequent aus der City zu verbannen, dürfe man nicht neue Tiefgaragen bauen, sondern müsse vielmehr Bestand abreißen. Gleichzeitig gehe es darum eine City-Maut zu erheben und in der Umweltzone Fahrverbote zu verhängen. "Reine Radstraßen" könnten die Lage der Pedalisten verbessern.

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