Ein Modellprojekt zur Qualifizierung von Zeitarbeitern haben der IG-Metall-Bezirk Frankfurt und der DGB Hessen-Thüringen mit dem Interessenverband deutscher Zeitarbeitsunternehmen (IGZ) und dem Bundesverband Zeitarbeit (BZA) gestartet. Hinter Binz.he verbirgt sich das Projekt "Bildung in Zeitarbeit Hessen". Es wird von der Bundesagentur für Arbeit unterstützt.
Was ist Binz.he? Die Partner gründen eine Regiestelle, angesiedelt beim Beratungsunternehmen Mypegasus. Hier wird der Qualifizierungsbedarf von Unternehmen gesammelt. Außerdem sollen Bildungsträger gefunden werden, die dafür passgenaue Angebote machen können. Mypegasus ist ein Dienstleister im Personalbereich und berät im Bereich Qualifizierung, Transfergesellschaften und Arbeitnehmerüberlassung.
Warum ist die Stelle nötig? Weil der massive Einsatz von Kurzarbeit in der Krise gerade für Zeitarbeitsfirmen schwer planbar ist. Die Betroffenen arbeiten mal zwei Tage in der Woche, manchmal nur einen, dann vielleicht auch mal sechs Tage. Unternehmen nutzen Kurzarbeit sehr flexibel, die üblichen Weiterbildungsangebote sind aber nicht darauf eingestellt. Das sagen übereinstimmend IG Metall, DGB, BZA und IGZ.
Was bringt das Programm? Binz.he soll die Folgen der Wirtschaftskrise mildern und Entlassungen bei Leiharbeitsfirmen vermeiden. Die Arbeitnehmer profitieren durch bessere Chancen auf Weiterbeschäftigung oder gar Wechsel in Festanstellung. Auch Aufstiegsmöglichkeiten und Verdienst sollen sich durch die Qualifizierung verbessern. Die Verleihfirmen haben ebenfalls Vorteile, denn je besser ausgebildet ihre Angestellten sind, desto besser können sie eingesetzt werden. Das ist gut für das Geschäft der Verleiher.
Welche Qualifizierungen? Gefördert werden sowohl Programme zur Erhaltung als auch zur Erweiterung der individuellen Qualifikation Beispiele sind etwa der Staplerschein oder die Qualifikation für Gefahrguttransporte. Klassisch im Bereich der Erweiterungsbildung ist der Schweißerschein - er muss regelmäßig aufgefrischt und erweitert werden. Aber auch Abschlüsse nach Berufsbildungsgesetz sollen ermöglicht werden.
Wer finanziert das? Die Regiestelle wird von der Bundesagentur für Arbeit bezahlt. Die Qualifizierungsmaßnahmen werden nach dem Sozialgesetzbuch II und III sowie über die Bildungsgutscheine der regionalen Arbeitsagenturen finanziert.
Warum Modellprojekt? Das Neue ist die Flexibilisierung der Weiterbildung. Bislang laufen solche Kurse relativ starr über einen festen Zeitraum, es ist kaum möglich, zwischendurch für ein paar Tage zu arbeiten. Die vier Partner hoffen, dass später andere Branchen oder Regionen einsteigen. Erste Gespräche gab es mit den hessischen Metallarbeitgebern sowie den Handwerkskammern. Die Initiative Binz.he ist befristet bis zum 31. Dezember 2010.
Für Armin Schild, Bezirksleiter der IG Metall, entscheidet sich in der Krise, was aus der Leiharbeit wird: "Billigkonkurrenz oder faire Zeitarbeit." Stefan Körzell vom DGB findet es sinnvoll, die Kurzarbeit für Qualifizierungen zu nutzen, damit Arbeitnehmer nicht "in den Niedriglohnsektor abgeschoben werden". Der stellvertretende IGZ-Bundesvorsitzende Georg Sommer hebt die gegenseitige Unterstützung der Sozialpartner hervor, und Ludger Hinsen, BZA-Geschäftsführer, sagt: "Qualifizierung ist eine Kernfunktion von Zeitarbeit."

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