Jetzt stehen Sie in dieser fremden Stadt und wissen nicht so recht, wo es lang geht. Wo gibt´s einen guten Italiener, welcher Bäcker bietet die besten Schrippen an, vor allem aber: Wo treffen Sie Menschen, die zu Bekannten und am Ende womöglich zu Freunden werden können?
Wenn Sie jetzt in Frankfurt angekommen sind, haben Sie Glück gehabt. Frankfurt hat nicht nur eine imposante Skyline, einen tollen Grüngürtel und jede Menge Apfelwein, Frankfurt hat auch Marie-Francoise Marquès. Die 45-Jährige bietet Ihnen das Vademecum für den schnellen Einstieg in die Stadt, den Zugang zu ihren Menschen und das Mittel, mit dem jeder seine "Heimat erfinden kann", sagt die 45-Jährige.
Kontakt: cafecrawl@yahoo.de
Das Instrument, das sie nutzt, ist Facebook, der Titel des Projektes lautet "Café Crawl". Wer sich dort anmeldet, ist mit einem Mal Teil einer Gruppe von Menschen aus fast allen Teilen der Welt, Menschen aus mehr als 30 Staaten, Menschen, die über Facebook den ersten Kontakt aufnehmen und die Möglichkeit haben, sich jeden Montag in einem Café oder einer Kneipe in Bornheim zu treffen und kennenzulernen.
Wanderer zwischen den Welten
Wanderer zwischen den Welten - die Crawler kommunizieren in der virtuellen und der realen Welt gleichermaßen, pflegen die virtuelle Community online, ohne auf den freundlichen Umgang beim Gespräch Aug´ in Aug´ zu verzichten. Der gute Geist, der US-Amerikaner, Chilenen und Bulgaren, der Japaner, Malayen und Portugiesen leitet, heißt Marie-Francoise Marquès.
Die 45-Jährige organisiert die Treffen, nimmt sich die Zeit, die umfangreichen wie verbindlichen Reports über und für die Teilnehmer zu schreiben und wählt den montäglichen Veranstaltungsort für die Treffen aus. "Menschen zusammenzuführen", sagt die Chef-Crawlerin, das sei ihr ein Herzenswunsch. Was auch daran liegen mag, dass Marquès als Tochter eine Diplomaten immer wieder Länder und Städte hat wechseln und neue Sprachen lernen müssen.
Das Projekt "Café Crawl" hat sie im vergangenen Jahr von Patrick Phelan übernommen. Der Australier hatte sich damals einen Traum erfüllt, als er nach Europa aufgebrochen war und in Frankfurt eine Heimat auf Zeit gefunden hatte. Phelan hatte Ende Juli 2007 das Café Crawl gegründet und zu einem ersten Treffen eingeladen, "zu dem gleich 30 Interessierte gekommen sind". Weil Phelan seinen Job in Frankfurt verlor und weiterziehen musste, übernahm Marquès das Café.
Die Community wächst stetig
Und seither wächst die Community: Zuweilen treffen sich an den Montagen fast 100 Expats, Ausländer also, die in Deutschland arbeiten, ohne die Staatsbürgerschaft anzunehmen. Dass das Crawl beliebt und von den Teilnehmern geschätzt wird, liegt nicht zuletzt an den Reports von Marie-Francoise Marquès. Wer neu ist im Crawl, wird freundlich eingeführt in die Gruppe, gibt es Neuigkeiten über die Teilnehmer - und die gibt es eigentlich immer - berichtet die 45-Jährige im Report darüber. Dass in dieser offenen Runde mit Teilnehmern ohne Allüren keine Snobs willkommen sind, bedarf keiner Erklärung.
Ohne Internet, ohne die Angebote der sozialen Netze, des Web 2.0 mit MySpace und Facebook, wären solche Treffen zwar möglich - aber keineswegs so einfach und mitnichten so leicht im Zugang. Das Internet ist ein Instrument, sagt Marquès, ein sehr nützliches zwar, aber eben doch nur ein Instrument. Nicht mehr, aber auch nicht weniger.

Die Stadt und Region auf einen Blick: unsere neue Übersichtsseite für Frankfurt und Rhein-Main - das Pflicht-Lesezeichen für alle Hessen.
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