An Computern sitzen Menschen. Vermutlich würden sich die, sollten sie sich treffen oder miteinander telefonieren, nicht erzählen, dass die Hausratte gerade am Salatblatt isst und sie selbst sich gleich die Haare kämmen werden. Auf Facebook oder Twitter ist das anders.
Oder in Internetforen: Egal ob zum Thema Ultra-Triathlon oder zum Langzeitstillen - dort sind es die abgelegten Hemmungen, einander auch mal wild zu beschimpfen, die von den ungeschriebenen Regeln des Miteinanders abweichen.
Wenn mamy73 oder killbill nicht als virtuelle Rechthaber, sondern als echte Menschen im echten Leben über eine Meinungsverschiedenheit diskutierten, würden sie sich ja eventuell nicht nach einigen Minuten gegenseitig als "Faschist" titulieren. Was also ist das Besondere an der Kommunikation im Internet?
Weiter Bogen
Das Stadtgespräch der Frankfurter Rundschau zum Thema mobile Kommunikation spannte den Bogen weit. Kontrovers diskutierten die Podiumsteilnehmer Klaus-Jürgen Orth vom Tele-Dienstleister Ancotel, Sozialpsychologe Tilman Allert von der Goethe-Uni, Wirtschafts-Staatssekretär Hans Joachim Otto (FDP), Wirtschaftsdezernent Markus Frank (CDU), FR-Redakteur Jürgen Schultheis und Interxion-Geschäftsführer Peter Knapp.
Wie verändern soziale Netzwerke die Kontaktsuche, sei es privat oder beruflich? Was bedeuten die neuen Kommunikationsformen für die Stadtpolitik in einer Metropole wie Frankfurt? Welche technischen Gegebenheiten müssen geschaffen werden, damit der Austausch über Kabelknoten und Glasfaser so schnell funktioniert, wie es die moderne Wirtschaftswelt verlangt?
Die virtuelle Kommunikation folgt Gesetzmäßigkeiten, die es in der Form noch nicht gegeben hat: So formulierte Tilman Allert seine Überzeugung, die er keineswegs als Kulturpessimismus verstehe. Die Ebenen von Kommunikation würden sich verschieben, die Grenzen zwischen Privatheit und Öffentlichkeit in Netzwerken wie Facebook oder SchülerVZ völlig neu definiert.
"Dasselbe gilt für die Grenze zwischen Geheimnis und Geheimnisbewahrung." Ein Grund für die Faszination daran, das Leben aller Menschen eines Bekanntenkreises zu synchronisieren, sei "das Versprechen, die Kommunikation von der Schwerfälligkeit des Ortes" zu lösen.
Hans Joachim Otto berichtete, wie er selbst über Twitter kommuniziere - und wie froh er sei, Pressemitteilungen nicht erst bei den "Gatekeepern" der etablierten Medien "abgeben" zu müssen, um dann abzuwarten, ob sie den Weg in die Zeitung finden. "Mit meinem Blog kommen Informationen direkt beim Bürger an."
Intertexion-Chef Peter Knapp gab dem Publikum, das ins Sachsenhäuser Depot gekommen war, einen technischen Einblick in das "Geschäft des Verschaltens". Einig war man sich, wie glücklich sich Frankfurt schätzen könne, mehr und mehr zur "Hauptstadt der Kommunikation" zu werden.
Möglich machten das der internationale Internet-Knoten im Osten der Stadt, der zum Beispiel in Aktion trete, wenn jemand in Moskau etwas bei Google anfragt und die Antwort von den Servern in Frankfurt bekommt. Vielleicht das Haupt-Ergebnis des Stadtgesprächs: Die virtuellen Medien, die wir täglich nutzen, brauchen eine Infrastruktur - deren Bedeutung in Frankfurt enorm ist und die die Metropole zur Internethauptstadt Euroas macht.

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