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Neues Bauen: Zukunft für heute

Auf dem Rathenauplatz in Frankfurt steht ein Gebäude, das mehr Energie produziert, als es selbst verbraucht. Ein Traum. Der aber dort nur Station macht. Von Friederike Tinnappel

Könnte auch ein Café sein: das Energie-Plus-Haus auf dem Rathenauplatz in Frankfurt.
Könnte auch ein Café sein: das Energie-Plus-Haus auf dem Rathenauplatz in Frankfurt.
Foto: FR/Boeckheler

Das Passivhaus - das war einmal. Das "Energie-Plus-Haus", das am Dienstag auf dem Rathenauplatz eröffnet wurde, zeigt, wo es langgeht: Mobilität und Immobilie könnten zu einer gemeinsamen umweltfreundlichen Zukunft finden. Der jetzt gezeigte Prototyp des Hauses kann nicht nur sich selbst mit Energie versorgen, sondern auch ein Elektroauto, das in der Garage steht.

Das Plus-Energie-Haus stand auch schon vor dem Capitol in Washington und gewann dort einen weltweiten "solaren Zehnkampf", den Solar Decathlon Wettbewerb 2007, wie Hans-Dieter Hegner vom Bundesministerium für Verkehr und Bauen bei der Eröffnungsfeier erzählt.

Noch ist es ein wenig frisch in dem freundlich und solide wirkenden Gebäude aus Holz, Glas und Solarzellen. "Gleich wird es kuschelig", verspricht Hegner. "Jeder Besucher erzeugt 40 Watt." Der 90 Quadratmeter große Raum ist gut gefüllt.

Die Frankfurter Umweltdezernentin Manuela Rottmann (Grüne) spricht von einem "Zukunftshaus für heute". Und tatsächlich haben Professor Manfred Hegger und seine Studenten von der Technischen Universität in Darmstadt nur Technologien verwandt, die es schon gibt. Rottmann nennt Hegger einen "Verrückten": Allein schon die Idee, das Plus-Energie-Haus mit dem Schiff nach Washington zu transportieren, nötigt der Stadträtin Respekt ab.

"Man kann es sofort nachbauen", fordert Hegger die Zuhörer auf. "Es ist sehr einfach, fast primitiv." Und dann beginnt der Professor das Plus-Energie-Haus zu erklären. Das Wort "Passsivhaus" sei doch "etwas negativ" besetzt. Auch wenn das Plus-Energie-Haus viel von einem Passivhaus habe, - "wir sind in einem Aktivhaus", stellt Hegger klar. Eine kompakte Gebäudeform verhindert den Wärmeverlust ebenso wie die Dreifach- und Vierfachverglasung. Mit einer neuen, nur sechs Zentimeter dicken Vakuumdämmung für Fassade, Boden und Dach "spart man Platz".

Betriebstemperatur erreicht

Die Besucher haben inzwischen ihre 40-Watt-Betriebstemperatur erreicht. Manche, die nicht reglos auf den Stühlen hocken, sondern sich bewegen, auch mehr. Ohne eine eigene Wärmedämmung wäre es jetzt "unerträglich warm". In den Gipskartonplatten an den Wänden befinden sich winzige Kügelchen mit verkapseltem Wachs. Sie nehmen die Wärme auf und geben sie wieder ab, wenn es kühler wird.

Die Holzlamellen an den Fassaden dienen nicht nur als Sonnenschutz, sie sind ebenso wie das flache Dach gespickt mit optisch unauffälligen Solarzellen. Die Nutzung des Tageslichts erlaubt den sparsamen Einsatz von Kunstlicht, das von LED-Lampen geliefert wird.

Eine Wärmepumpe, die auch Kälte erzeugen kann, sorgt für den Ausgleich, wenn der "natürliche" Energiekreislauf nicht funktioniert.

"Wir müssen unsere Lebensweise nicht nur bei der Mobilität, sondern auch beim Wohnen ändern", meint Staatssekretär Jan Mücke. In dieses Haus würden wohl viele Frankfurter sofort einziehen - und das nicht nur wegen der zentralen Lage.

Autor:  Friederike Tinnappel
Datum:  24 | 2 | 2010
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