Vom Mainufer aus treten die drei weißen Riesen deutlich aus der rötlich-ockerfarbenen Hochhaus-Herde heraus. Terrassenförmig angelegte Obergeschosse sind zu sehen, grün blüht es auf Dachgärten. Zu der Adresse Im Mainfeld in Niederrad gehören nicht nur die sieben Wohn-Wolkenkratzer der Wohnheim GmbH, denen der gewaltige Sanierungs-Umbau bevorsteht. Sondern auch, mit den Hausnummern 40, 42 und 23, die bis zu 22 Stockwerke hohen "Eigentumsanlagen".
Hier haben Selbstnutzer und Anleger im Hochhaus gekauft. Einer von diesen ist Ulrich P., der seit 30 Jahren von seiner Wohnung im 15. Stock aus auf "Main, Messe, Feldberg" blickt. "Hohe Beträge " habe die Eigentümergemeinschaft gerade in die Sanierung gesteckt. Und mit "höchster Aufmerksamkeit" verfolge sie nun, was da in der Nachbarschaft mit den sieben Sozialwohnungstürmen passieren soll. Es wird an den Abbau von Stockwerken, dem "Flachlegen der Betonriesen" aus den 70er Jahren gedacht, und an einen - maximal sechs Stockwerke hohen - Neubau auf den großen Grünflächen dazwischen. Solche Pläne haben die Bewohner mächtig aufgewühlt. Mittlerweile ist als Alternative auch eine komplette Sanierung des Bestehenden im Gespräch.
Hochhäuser: Sieben der 17 bis 22 Stockwerke hohen Wohnhochhäuser
Im Mainfeld (Niederrad) gehören der Wohnheim GmbH, Tochter des städtischen Wohnungskonzerns ABG Frankfurt Holding.
Eigentumsanlagen: sind drei weitere der Hochhäuser Im Mainfeld mit den Hausnummern 40,42 und 23. Die
Eigentümer hoffen auf Aufwertung des Umfelds.
Sanierung: Die ABG möchte ihre sieben Hochhäuser aus den 60er/70er Jahren von Grund auf sanieren. Gedacht war an einen Abbau von Stockwerken und Neubau auf den großen Grünflächen.
Der Prozess jedenfalls ist in Gang gesetzt. Er ist exemplarisch und für viele deutsche Städte von Bedeutung: Was tun mit den Sozialwohnungstürmen aus den 60ern und 70ern? Es geht gleichzeitig um enormen Sanierungsbedarf, um Klimaschutz und Heizkosten, um Lösungen für architektonische Sünden - und damit um das Durchbrechen des Images, notorisch Ort sozialer Konflikte zu sein. Und selbstverständlich geht es ja auch um das Wohnbehagen der insgesamt 2800 Mieter.
Guido Redeker ist geschäftsführender Gesellschafter der M&M Hausverwaltungen GmbH, für Mainfeld 42 (Eigentum) zuständig und spricht aus Erfahrung: "Die immer angenommene Anonymität einer Hochhausanlage" locke "in Mietobjekten" stets problematisches Klientel an. "Wir hatten selbst einige Mühe, Haus 42 vor Prostitution und Kriminalität zu schützen", sagt er. Was jedoch "dank des engagierten Hausmeisters und einer Videoüberwachung nachhaltig gelungen" sei. Und die Eigentümer, die kümmerten sich eben auch außerordentlich um ihre "Anlage".
Das Wohnen in den drei Hochhäusern, die sich Eigentumsanlagen nennen, scheint trotz aller Umstände ganz offensichtlich interessant geblieben zu sein. Nach Angaben von Guido Redeker werden dort jährlich etwa fünf Prozent der Wohnungen veräußert und im gleichem Umfang auch neu vermietet. Der Leerstand sei vernachlässigbar, derzeit sind es sechs bei 168 Einheiten, größtenteils aber werde da gerade renoviert. An ein "Flachlegen" denkt in den weißen Hochhaus-Türmen ganz offenbar keiner.
Für die Eigentümer in der direkten Nachbarschaft, für das gesamte Viertel sind die neuen Entwicklungen auf dem Mainfeld maßgebend für die Zukunft ihres Wohnens. Das Stadtplanungsamt möchte nämlich im Zuge der Großsanierung das gesamte Quartier einem städtebaulichen Ideenwettbewerb unterziehen. Unter anderem soll es neue Wege Richtung Main geben, damit der Stadtteil nicht so abgekapselt ist vom Fluss. Die viel befahrene Uferstraße trennt Mensch und Wasser. Über Veränderungen bis hin zum Straßentunnel wird zumindest nachgedacht. Das Mainfeld versteht der städtische Wohnungskonzern ABG Frankfurt Holding, zu dem die Wohnheim GmbH gehört, auch als eine Art Pilotprojekt für die übrigen hohen Großsiedlungen in der Stadt. ABG-Chef Junker sieht sein Unternehmen gerne "an der Spitze", wenn es um "neues Denken" in der Wohnbranche geht.
Das Viertel Mainfeld jedenfalls wird in Kürze eine neue Blüte erleben, das ist zu erwarten. Und wer da Eigentum hat, in einer Anlage oder anderswo, der rechnet jetzt gewiss schon einmal durch, wie sich die dann irgendwann mal die Preise heben könnten.

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