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Nie wieder Powerpoint

Im Darmstädter "Toastmasters"-Club lernen Studierende die Kunst der freien Rede

So viel Savoir-Vivre ist selten im wissenschaftlich-nüchtern gehaltenen Sprachenzentrum der TU Darmstadt: Acht Weinflaschen und fünf Teller mit Käsehäppchen warten an diesem "Abend der freien Rede" auf dem Tisch, an der Tafel baumelt eine gelbe Flagge mit der Aufschrift "Toastmasters Darmstadt - Club Nr. 8306". Ingo Leutiger hebt das Glas und ruft "Santé". Zehn Mitglieder des deutsch-französischen Rhetorikclubs "Toastmasters Francophones" tun es ihm gleich. Der Ruheständler ist extra aus Wiesbaden angereist, um an der Technischen Universität sein Wissen weiterzugeben. Seit einem Jahr treffen sich an der TUD Studenten, um in Deutsch oder Französisch freies Reden zu üben.

"Wer nicht gut reden kann, scheut Kontakte", sagt der frühere Controller. Gute Redner hätten im Studium oder Berufsleben einfach mehr Selbstvertrauen. Nikola Chernev möchte heute lernen, wie das geht. Der bulgarische Informatik-Student im siebten Semester, erinnert sich: "Meine Präsentationen waren immer sehr schlecht, ich habe eigentlich nur vorgelesen was auf meinen Power-Point-Folien stand." Er sei immer sehr nervös gewesen. Bei den Toastmasters fühlt er sich deshalb an der richtigen Adresse. "Hier lerne ich, mich auf das Wesentliche eines Themas zu konzentrieren und meiner Präsentation Struktur zu geben", erzählt der 24-Jährige aus Sofia, der 2004 nach Deutschland kam. "Mein Eindruck als Außenstehender ist, dass Präsentation und freie Rede an deutschen Schulen und Universitäten viel zu kurz kommen", meint Ivan Aksenov. Der 47-Jährige stammt aus Aidelaide in Australien, arbeitet bei Eumetsat in Darmstadt im IT-Bereich. "Schüler und Studenten nehmen sich oft ihre Dozenten und Lehrer zum Vorbild, die oft ebenso falsche Techniken anwenden - es entsteht ein Kreislauf, den wir hier durchbrechen wollen." Es gebe einen einfachen Grundsatz: "Das, was du sagen willst, selbst gut genug zu verstehen, um es für jedes mögliche Publikum aufbereiten und präsentieren zu können - das lernst du hier." Die Mitglieder in den selbstverwalteten, gemeinnützigen Klubs orientieren sich an einem Leitfaden, der zum Beispiel zehn Redeprojekte beinhaltet mit vorbereiten Präsentationen von vier bis zehn Minuten Redezeit.

Besser reden

Der deutsch-französische Rhetorikklub Darmstadt gehört zu den "Toastmasters International", einer nicht- kommerziellen Organisation mit 235 000 Mitgliedern aus 106 Ländern in 12 036 Klubs. Der erste Toastmasters- Klub gründete sich 1924 in Kalifornien. Im Rhein-Main-Gebiet gibt es Klubs in Darmstadt, Frankfurt, Bensheim (rein deutsch) und Wiesbaden. www.toastmasters-francophones.de www.toastmasters-darmstadt.de www.rhetorik-club-bergstrasse.de www.frankfurt-toastmasters.de

Kritik ja, aber bitte einfühlsam

Bei diesen Präsentationen bewerten sich die Mitglieder gegenseitig. Dazu kommen an jedem Abend Stegreif-Reden von ein bis zwei Minuten. "Die positive Atmosphäre, die hier herrscht, nimmt mir die Angst vor dem freien Reden. Kritik an Reden ist hier immer konstruktiv und sehr einfühlsam", sagt Nikola Chernev. Ivan Aksenov fügt hinzu: "Aufgrund der Bewertungen beginnen die eigenen Fähigkeiten zu wachsen, das motiviert."

Sonderveranstaltung: 16. April, 19.30 Uhr, Redewettstreit "Concours

de discours",Sprachenzentrum TU Darmstadt, Gebäude S 1/03, Raum 13.

Autor:  FRANK WEWODA
Datum:  7 | 4 | 2009
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