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Niederrad: Flachgelegte Betonriesen

Sie sind keine architektonische Zierde und vom Rest des Stadtteils abgeschottet. Nur einer der Gründe des Rückbaus von Wohn-Hochhäusern aus den 70er Jahren. Von Jutta Ochs

Die zwischen 1968 und 1974 entstanden Hochhäuser sind überreif für eine Sanierung.
Die zwischen 1968 und 1974 entstanden Hochhäuser sind überreif für eine Sanierung.
Foto: Grimm/FR

Das Projekt hat den inoffiziellen Arbeitstitel "Hochhäuser auf die Seite legen". "Flapsig ausgedrückt", sagt Frank Junker. Der Chef des städtischen Wohnungskonzerns ABG Frankfurt Holding und seine Mitarbeiter aus der Abteilung Innovation planen den Rückbau von 17 bis 20 Geschosse zählenden Wohn-Hochhäusern aus den 70er Jahren auf eine Höhe von etwa sechs Stockwerken. Projektgebiet sind sieben Bauten in der Hochhaussiedlung Im Mainfeld in Niederrad.

Das klingt ein bisschen phantastisch, dahinter stehen aber handfeste Planungen und Überlegungen. Die zwischen 1968 und 1970 entstandenen Hochhausbauten sind überreif für eine Sanierung. Besonders beim Thema Heizung und Dämmung müsse Entscheidendes geschehen, sagt Junker.

Ein weiterer Punkt: Die Wohnungen haben fast durchgängig enge Grundrisse. "Kleinstwohnungen" seien es in der Mehrzahl, die würden kaum noch nachgefragt, sagt Junker. Da müsste man ran mit viel Geld. Ungelöst bliebe dabei aber immer noch das grundsätzliche Problem: das städtebauliche.

Die insgesamt zehn Hochhäuser sind in die homogene flache Bebauung des Stadtteils hineingestoßen worden wie Stabhochsprung-Stäbe. Sie sind alles andere als eine architektonische Zierde, vom Rest des Stadtteillebens abgeschottet. Und die Wohnsilos, die größtenteils aus so genannten Sozialwohnungen bestehen, haben Konfliktpotenzial. Zwar hat die Eigentümerin Wohnheim GmbH, Tochter der ABG, bereits vielfach in das "Umfeld" investiert.

Es gibt einen Quartiersmanager, schöne und teure Spiellandschaften zwischen den Türmen, einen Jugendtreff. Tatsache aber bleibt, dass hier viele Menschen mit mehr oder weniger großen Lebensproblemen auf 20 Stockwerken mit einem Hauseingang und zwei Aufzügen zusammengepfercht sind. Das braucht "Entzerrung", sagt Junker. Parallel zum Rückbau der Hochhäuser soll auf den zum Teil sehr großen Grünflächen zwischen den Hochhäusern "behutsam nachverdichtet", also neu gebaut werden. Die ABG erwägt auch, in einem künftigen Lyoner Viertel in der Bürostadt Niederrad neuen Wohnraum zu errichten.

Das Planungsdezernat ist bereits auf dem Weg zu einem städtebaulichen Wettbewerb für das Viertel zwischen Schwanheimer Straße, Mainfeldstraße und Elly-Lucht-Park, in den sich der Hochhaus-Umbau der ABG einbetten könnte. Stadtplanungsamtsleiter Dieter von Lüpke möchte Niederrad "näher an den Main rücken".

Autor:  JUTTA OCHS
Datum:  22 | 4 | 2009
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