Niederrad ist typisch. Ganz typisch für diese Stadt. Findet zumindest Frank Eckardt. Niederrad, sagt der Stadtsoziologe von der Goethe-Universität, "Niederrad ist kein sozialer Brennpunkt". Aber, setzt der Professor hinzu, "Niederrad fehlt auch der idealtypische Mix", eine Zusammensetzung der Bewohner, die wirklich verträglich ist.
Jedes weitere Nachdenken über diesen Stadtteil müsse davon ausgehen, dass dieses Niederrad "einen deutlichen Funktionswandel" vor sich habe, Wohnen und Arbeiten künftig nicht länger unvermittelt nebeneinander stünden. Jetzt gehe es darum: "Wie geht man das an?" Diese Frage, darauf besteht Eckardt, müsse die von den örtlichen Kirchen in Gang gesetzte Planungswerkstatt gleich nach den Sommerferien nachgehen.
Wie die Niederräder leben wollen, dieser Frage ging auch "der Mainfelder die Zeitung für unser Quartier" zuletzt nach. Im Herbst, hieß es, wolle sich der Regionalrat der weiteren Entwicklung der Siedlung widmen. Nach mancher Enttäuschung, die der Diskussion der Gegenwart vorausging.
Vor vier Jahren, berichtet Quartiersmanager Friedrich Berndt, habe es für das Mainfeld die Aussicht gegeben, dass von 2006 an jährlich ein Hochhaus saniert werde. Die Wohnheim aber habe diese Pläne verschieben müssen, so lasse die Umgestaltung auf sich warten. Und doch müssten die Überlegungen für eine Neugestaltung der Siedlung im Mainfeld nicht das Schlechteste sein, befindet der Quartiersmanager: Durchaus positiv müsse man doch wohl das inzwischen proklamierte Ziel bewerten, "den Ruf des Wohngebiets aufzumöbeln, dass Zusammenleben der Mieterschaft durch eine neue Mischung aus frei vermieteten und sozial gebundenen Wohnungen zu verbessern."
Den Wandlungsprozess gestalten
Doch allein auf dieses Vorhaben zu gucken, wenn es um die Sanierung des Mainfelds gehe, das reiche eben nicht, betont Stadtforscher Eckardt. Der Soziologe beobachtet den Wandlungsprozess der Stadt insgesamt und ihrer Stadtteile seit einigen Jahren, richtet sein Augenmerk dabei vor allem auf soziale Veränderungsprozesse.
Deswegen ist Eckardt auch bei der Sozialpolitischen Offensive, dem Zusammenschluss von Kirchen, Gewerkschaft und Wohlfahrtsverbänden, stets ein gern gesehener Gast. Eckardt ist einer, der auch auf die guckt, auf die andere schon lange nicht mehr gucken, der die Ausgeschlossenen ausdrücklich zu seinem Thema macht. Mit diesem Prozess der Exklusion will er sich im nächsten Semester als Forscher befassen, Seminare wie das gerade zu Ende gegangene über "die vielen Gesichter Frankfurts" einstweilen zurückstellen.
Was nicht heißt, dass der Stadtsoziologe aus der Betrachtung des Wandels in Niederrad, mit dem sich die Studenten des Seminars über die vielen Gesichter befasst hatten, keine für den Alltag tauglichen Schlüsse mehr ziehen will. Dann empfiehlt Eckardt den Beteiligten der Planungswerkstatt, die sich mit den Veränderungen des Stadtteils befasst, besser genauer hinzusehen, um sich die Dimension grundlegender Entscheidungen zu erschließen: Wenn sich die Bewohner und die Gebäude des Mainfelds zum Main hin öffneten, "wollen sie dann, dass dort ein zweiter Westhafen entsteht?", fragt der Stadtforscher: "Das wäre ein gesamtstädtisches Projekt."

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