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16. März 2013

NPD im Lahn-Dill-Kreis: „Wisst ihr noch?“

 Von 
Leun zeigt Flagge gegen die NPD.  Foto: Andreas Arnold

Die Bewohner von Leun im Lahn-Dill-Kreis protestieren friedlich gegen das Kreisverbandstreffen der rechtsextremen NPD in ihrem Gemeindesaal. Der Pfarrer erinnert daran, was passieren kann, wenn die Zivilgesellschaft nicht wachsam ist.

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LEUN –  

„Kein Bock auf Nazis“: Mit zahlreichen Transparenten, Ansprachen und Liedern taten die Menschen aus Leun und Umgebung am Samstag kund, was sie vom Treffen des NDP-Kreisverbands hielten. Sie forderten die „Rote Karte dem Rassismus“ und appellierten an die Menschen, „bunt statt braun“ zu denken. Am Marktplatz in Leun im Lahn-Dill-Kreis hatten sich von 14 bis 16 Uhr zwischen 80 und 100 Personen eingefunden, um den Teilnehmern des Parteitreffens zu zeigen, dass nationalsozialistisches Gedankengut in dem Ort nicht erwünscht ist. Die Nationaldemokratische Partei Deutschlands hatte unter dem Motto „Alles Große steht im Sturm“ ihre Mitglieder aus dem Lahn-Dill-Kreis in den Leuner Gemeindesaal im „Haus der Begegnung“ eingeladen.

Holger Apfel, Chef der Bundespartei, wohnte dem Treffen bei. Er wurde erst kurz vor Beginn der Veranstaltung vorgefahren. Er sagte, er sei nicht vorrangig wegen des Wahlkampfes nach Leun gekommen. Dennoch sei seine Partei bereit für „einen engagierten Wahlkampf“. „Die Weichen sind gestellt“, so Apfel weiter. Die Ankunft des NPD-Chefs wurde von den Teilnehmern der Mahnwache mit lauten Pfiffen und Rufen begleitet. „Nazis raus“ forderten die Bürger immer und immer wieder.

NPD-Fahne auf der Gartenhütte

Die Mahnwache verlief friedlich, allerdings schienen es viele NPD-Mitglieder vorzuziehen, den Hintereingang des Gemeindesaals zu benutzen und zeigten sich nicht den Aktivisten. Vor vier Tagen wurde das Treffen über die Informationsplattform „blick nach rechts“ bekannt und in den vergangenen Tagen hatten Aktive aus der linken Szene und engagierte Bürger aus Leun und den Nachbarorten eine Mahnwache angemeldet.

Die Polizei hatte im Vorgespräch mit der Kreisordnungsbehörde geklärt, wie ein mögliches Zusammentreffen der Demonstranten und der NPD-Mitglieder zu organisieren sei. Doch den Veranstaltern der Mahnwache ging es nicht um aggressives Verhalten gegenüber den Nationalsozialisten. „Wir wollen die Leute wachrütteln“, sagt ein Mitglied der Antifa Wetzlar. „Es ist wichtig zu zeigen, dass wir auf die Stadt achten und für eine menschenwürdige Gesellschaft kämpfen.“

Die kleine Stadt Leun mit seinen 5800 Einwohnern galt in der Vergangenheit als NPD-Hochburg im Landkreis und auch heute wohnen laut Antifa Wetzlar viele Mitglieder der Partei im Ort. Am Ende der Unteren Bachstraße, die zum Gemeindesaal führt, weht eine NPD-Fahne auf dem Dach einer Gartenhütte. Und obwohl viele Leuner Farbe bekannt haben und zur Mahnwache an den Marktplatz gekommen sind – viele der Bewohner schließen lieber die Fenster und ziehen die Gardinen zu, anstatt sich mit den Geschehnissen dieses Samstags auseinanderzusetzen.

Der evangelische Pfarrer des Ortes, Volkmar Kamp, erinnerte die Leute daran, was passieren kann, wenn die Zivilgesellschaft nicht wachsam auf nationalsozialistische Strömungen reagiert. „Wisst ihr noch?“, fragte er die Anwesenden. Er forderte auf, beim Protest mitzumachen „um zu verhindern, dass ähnliches wieder geschehen kann. „Dafür müssen die Menschen als Demokraten Seite an Seite stehen.“

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