Druckreif ist es nicht, wie Rolf Meinhardt dieser Tage über die Wetterprognosen und das Geschehen am Himmel schimpft. Der zweite Vorsitzende im Verband süddeutscher Spargel- und Erdbeeranbauer (VSSE) bewirtschaftet den Tannenhof in Weiterstadt. Diese Woche ist die Ernte von Freilanderdbeeren gestartet, aber die osteuropäischen Helfer haben noch wenig zu tun.
Der Grund ist die Kälte: "Wir haben vor ein paar Tagen noch Bodenfrost gehabt", sagt Meinhardt. Weil kalte Luft nach unten sinkt, kann es am Boden Minusgrade haben, auch wenn die Luft in einem Meter Höhe noch knapp über Null Grad warm ist. Meinhardt hat seine Pflanzen beregnet in der Frostnacht - die Eisschicht, die sich um die Blüten bildet, isoliert gegen das Abfrieren. Klingt paradox, funktioniert aber.
Auf 12000 Hektar Fläche wachsen in Deutschland Erdbeeren. Laut VSSE nach Äpfeln die zweitwichtigste Obstkultur.
In Hessen wurden die Früchtchen 2009 auf 1847 Hektar angebaut, 24 Hektar mehr als im Vorjahr. Das Land liegt zusammen mit Bayern auf Platz 4 der Anbauländer (nach Fläche).
Überdurchschnittlich sind die hessischen Erträge von fast 61 Dezitonnen (100 Kilogramm) je Hektar. Der deutsche Schnitt beträgt 54 Dezitonnen.
Auf weniger Flächen (minus fünf Prozent seit 2009) wird in Deutschland mehr geerntet (plus 2,7 Prozent). (ust)
Seit einer guten Woche ernten sie auf dem Tannenhof Erdbeeren aus dem Gewächshaus, seit Montag auf dem Freilandacker. "Aber nur mikroskopisch kleine Mengen", so Meinhardt. "Im Freiland ist derzeit vielleicht alle 50 Meter mal eine rote Beere zu finden."
Das ist mehr als auf den Erdbeerfeldern rund um den "Obstgarten des Vordertaunus", wie sich Kriftel gerne nennt. Andreas Theis ist stellvertretender Ortslandwirt und Erdbeerbauer. Er erntet bislang nur zum Eigenverbrauch, zum Verkauf sind die Mengen zu klein. "Es ist zu kalt, das dauert mindestens noch eine Woche bei uns in der Region", glaubt Theis. Das hessische Ried, in dem Meinhardts Hof liegt und wo am heutigen Mittwoch in Groß-Gerau unter Beteiligung von Politik und Bauernverband die Erdbeersaison feierlich eröffnet wird, sei eben immer zehn bis 14 Tage früher dran. Die Launen des Klimas kann selbst der beste Obstbauer nicht beeinflussen.
Aber auch Meinhardt, der seit 1994 vor allem Spargel und Erdbeeren erntet, mittlerweile mit seinem Team zusätzlich Himbeeren und Rhabarber anbaut, hatte mit besserem Wetter und höheren Erntemengen gerechnet und deshalb schon seine Helfer engagiert. 4,50 Euro netto pro Stunde plus Kost und Logis erhalten die Kroaten, Rumänen und Polen auf dem Hof. Bis zu 300 Helfer beschäftigt Meinhardt in der Hoch-Zeit. Maximal 50 Helfer, überwiegend aus Polen, finden laut Theis in der Hauptsaison in Kriftel Arbeit.
Meinhardt ist zuversichtlich für die Erdbeerernte, schon zum Wochenende hin wird es hoffentlich besser. Der Ertrag schwankt im Freiland mit dem Wetter sehr stark und kann in der Hochphase, nach einigen sonnigen und warmen Tagen, zu einer regelrechten Erdbeerschwemme führen. Dann kann es sein, dass die Helfer trotz Zehn- bis Zwölf-Stunden-Tag nicht mehr hinterher kommen.
Grundsätzlich hätten sich die Bestände gut entwickelt und seien auch vom strengen Winter kaum beeinträchtigt worden, sagt Meinhardt. Soll heißen: Wenn es jetzt mal passen würde mit Sonne und Temperaturen, wenn Regen ausbleibt und es auch nachts nicht mehr so kalt wird, kann die Menge explodieren. Dann wird auch der Preis sinken. Meinhardt verkauft derzeit die 250-Gramm-Schale für 1,80 Euro - bei einer Erdbeerschwemme wird er seinen Kunden an den Verkaufsstellen für den gleichen Preis vermutlich die doppelte Menge geben.
Meinhardts Hoffnungen auf leckere süße Früchtchen teilt auch Simon Schumacher, VSSE-Geschäftsführer. "Die Feuchtigkeit hat den Früchten gut getan, wenn es nun warm wird, bekommen wir nicht nur hohe Erträge, sondern auch Früchte mit sehr gutem Geschmack", sagt Schuhmacher.

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