Am Anfang steht ein Arbeitskreis, das haben auch die Aktivisten im Protestcamp an der Europäischen Zentralbank längst beherzigt, aber manchmal überschlagen sich die Dinge dann doch, allem Planungseifer zum Trotz. In der Nacht zu Freitag sind wieder viele Debatten auf einmal zu führen am Fuße der Europäischen Zentralbank, es geht um Spenden und Strom und Wasser und neue Proteste. Und irgendwann steht dann einer im großen Zelt und hat ungefähr 12000 Flyer für die Demonstration am heutigen Samstag im Gepäck.
Das sind schon für sich genommen ziemlich viele, wären da nicht noch ein paar tausend vom letzten Samstag übrig. In aller Eile werden also noch Leute gesucht, die sie heute ab zwölf Uhr am Rathenauplatz verteilen, wenn der neuerliche Protestzug gegen Auswüchse des globalen Finanzwesens durch die Frankfurter Innenstadt beginnt.
Es ist aber auch nicht weiter schlimm, die Occupy-Aktivisten denken ohnehin zunehmend in größeren Kategorien. Mit dem Camp, das inzwischen weit mehr als 100 Zelte umfasst, sollen auch die Demonstrationen wachsen. An diesem Samstag werden wieder bis zu 5000 Menschen erwartet, die Belagerung der Gallusanlage ist mit Genehmigung des Ordnungsamts bereits um weitere zwei Wochen verlängert worden. „Wenn jede Demonstration so angenehm und friedlich verlaufen würde, hätten wir weniger Arbeit“, sagt Amtsleiter Jörg Bannach. Die Kommunikation zwischen Protestlern, Polizei und Ordnungsamt verlaufe äußerst harmonisch, die Demonstranten verhielten sich in Bezug auf Sicherheit, Ordnung und Lärm vorbildlich. Beschwerden von Anwohnern seien nicht bekannt. Die sind allerdings ohnehin spärlich gesät am Willy-Brandt-Platz.
Die Idee für die bislang größte Protestaktion ist indessen nicht im Camp entstanden, sondern beim globalisierungskritischen Netzwerk Attac und dem Internet-Kampagnen-Netzwerk Campact: Sie wollen am 12. November eine Menschenkette um das Frankfurter Bankenviertel bilden und erwarten dazu etwa 15000 Teilnehmer. Gleichzeitig soll an diesem Tag in Berlin das Regierungsviertel umstellt werden.
Zu der Aktion unter dem Motto „Banken in die Schranken“ werden aber natürlich auch Mitglieder der Occupy-Bewegung erwartet. „Klar steht das im Zusammenhang und bezieht sich aufeinander“, sagt Attac-Sprecherin Frauke Distelrath.

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