Im Missbrauchsskandal um die Odenwaldschule ist der Verbleib des bisherigen Frankfurter Kinderschutzbund-Geschäftsführers Florian Lindemann ungewiss. Entgegen seiner früheren Darstellung hat der Frankfurter Bezirk Lindemann möglicherweise doch nicht gekündigt. Die Landesvorsitzende Hessen des Deutschen Kinderschutzbunds (DKSB), Verone Schöninger, sagte der FR am Mittwoch, Lindemann sei zunächst lediglich von seiner Tätigkeit als Geschäftsführer freigestellt. Dies habe Ludwig Salgo, stellvertretender Vorstandsvorsitzender und Sprecher des Frankfurter DKSB-Bezirks, der Landesmitgliederversammlung am vergangenen Samstag mitgeteilt. Salgo habe zudem gesagt, er gehe von einer Kündigung aus. Darüber müsse allerdings die Mitgliederversammlung entscheiden. Eine Versammlung ist für den 11. Juni anberaumt.
Am Donnerstag vergangener Woche hatte Salgo der FR gesagt, Lindemann sei "mit sofortiger Wirkung gekündigt", dies habe der sechsköpfige Vorstand am Dienstagabend einstimmig so beschlossen. Die Kündigung sei die "am wenigsten schädliche Alternative". Es habe die Gefahr bestanden, dass das "Markenimage" des DKSB bei einem Verbleib Lindemanns beschädigt worden wäre. Eine sogenannte "Druckkündigung" sei gerechtfertigt gewesen.
Salgo verweigerte am Mittwoch mit Hinweis auf ein schwebendes Verfahren jede Stellungnahme zu seinen früheren Äußerungen. Lindemann geht zurzeit juristisch gegen die Behauptung vor, er sei entlassen worden. "Eine Kündigung ist nicht ausgesprochen worden", teilte sein Anwalt schriftlich mit.
Lindemann, ehemaliger Schüler der Odenwaldschule (OSO), steht wegen seines Verhaltens bei der Aufdeckung von Missbrauchsfällen an der Schule in der Kritik. Er hatte 1999 als Vorsitzender des Altschülervereins die Veröffentlichung von Missbrauchsvorwürfen an den früheren OSO-Leiter Gerold Becker durch die FR scharf kritisiert.

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