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Rhein-Main und Hessen
Hessische Landespolitik und Berichte aus dem Rhein-Main-Gebiet.

21. Februar 2016

Offenbach: Boxen mit den Hells Angels

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Mit diesem Logo dürfen sich die Hells Angels in Hessen nicht mehr offen zeigen.

Eine Sportveranstaltung in der Stadthalle Offenbach ruft die Sicherheitsbehörden auf den Plan. Bei dem Boxwettkampf werden Anhänger der Rockerszene erwartet.

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Es soll ein großes Sport-Spektakel werden. „Sieben hochwertige Profi-Boxkämpfe“, so verspricht es der Veranstalter, stehen am Freitag, in der Offenbacher Stadthalle auf dem Programm. Mit Enad Licina aus Offenbach tritt gar ein ehemaliger Titelanwärter im Cruisergewicht bei der Gala des Boxverbands WBC in den Ring. Der Bezahlsender Sky überträgt live. Mit 1400 bis 1600 Besuchern wird gerechnet. Doch darunter dürften nicht nur Boxfans sein, sondern nach Erkenntnissen hessischer Sicherheitsbehörden auch Anhänger der Rockerszene. Deshalb wird auch die Polizei vor Ort sein.

Der Hinweis auf die Rockerszene ist dezent gehalten. Auf einem Werbeflyer, der für die Boxgala unter dem Titel „Road to WBC-Glory“ wirbt, findet sich am unteren Rand zwischen einem Dutzend Sponsorenlogos auch das von „Red & White Gießen“. Ein zunächst nichtssagender Name, der nicht viel über die dahinterstehende Organisation verrät. Rot und Weiß jedoch sind die Farben des berüchtigten Rockerclubs Hells Angels, der auch im Rhein-Main-Gebiet, insbesondere im Türsteher- und Rotlichtgewerbe, mitmischt. Auch die Typografie entspricht der des alten Hells-Angels-Logos, das seit Oktober in Hessen nicht mehr gezeigt werden darf. Seitdem treten die Anhänger der „Engel“ unter Tarnnamen wie eben „Red & White“ auf.

Das Polizeipräsidium Mittelhessen bestätigt auf Anfrage der FR, dass sich hinter „Red & White“ die bereits bekannte Gießener Hells-Angels-Gruppierung um den türkischstämmigen Aygün M. verbirgt. Dieser war lange Zeit ein Vertrauter des Präsidenten des einflussreichen und mittlerweile verbotenen Frankfurter Charters Westend, Walter B., ehe er selbst Machtansprüche anmeldete.

Sein Versuch, ein eigenes Charter in Gießen zu gründen, endete in einem blutigen Konflikt. Bei einer Schießerei vor dem Frankfurter Katana-Club im Sommer 2014 wurde Aygün M. schwer verletzt. Der Machtkampf machte seinerzeit die zunehmende Spaltung innerhalb der Hells Angels sichtbar: zwischen Traditionalisten auf der einen und „jungen Wilden“ wie Aygün M. auf der anderen Seite. Letztere rekrutierten sich vor allem aus jüngeren Rockern mit Migrationshintergrund.

Diese gelten als Anhänger von Neco A., dem Chef der türkischen Hells Angels Nomads. Dieser wiederum zeigte in der Vergangenheit mehrfach Interesse am Boxgeschäft. Medienberichten zufolge soll er in türkische Kampfsportler Geld investiert haben. Sein Partner bei diesen Geschäften soll ein persönlicher Freund gewesen sein: Boxpromoter Ahmet Öner, Gründer des Boxstalls Arena Box-Promotion, der auch am kommenden Freitag in Offenbach als Veranstalter fungiert. Zwischen Traditionalisten und „jungen Wilden“ herrscht mittlerweile seit knapp zwei Jahren eine Art wachsamer Friede, bei dem Beobachter davon ausgehen, dass er jederzeit wieder in offene Gewalt umschlagen könnte.

Erschwerend kommt hinzu, dass den traditionellen Hells Angels mit den „Osmanen Germania“ in Offenbach und Umgebung neue Konkurrenz erwächst. Der Mitte 2015 in Dreieich gegründete Verbund ist nominell ein Boxclub, der jedoch nach den selben Regeln operiert wie die klassischen Motorradclubs. Die 700 Mitglieder zählenden Osmanen wurden großteils aus dem Sicherheits- und Rotlichtmilieu rekrutiert. Aygün M., der Hells-Angels-Renegat aus Gießen, ließ sich bereits mit Vertretern der Osmanen ablichten, obwohl diese bei den Traditionalisten nicht wohlgelitten sind.

Am Freitag treffen also aller Voraussicht nach nicht nur im Ring schlagkräftige Kontrahenten aufeinander. Bei den Behörden gibt man sich wortkarg. Man habe die Boxgala im Blick, heißt es seitens des Offenbacher Ordnungsamts. „Derzeit wird die Lage als nicht kritisch eingeschätzt“, sagt Ordnungsamtsleiter Peter Weigand. Beim Polizeipräsidium Osthessen hingegen geht man von einer „Gefährdungslage“ aus. Man beobachte die Szene sehr genau, erklärt Pressesprecher Rudi Neu.

Welche Vorkehrungen für den Abend der Boxgala getroffen werden, müsse aus Rücksicht auf die Einsatztaktik vorerst geheim bleiben. Das Polizeipräsidium Mittelhessen gibt immerhin an, dass man an diesem Abend vor Ort sein werde – in welcher Form, bleibt auch hier ein Geheimnis.

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