Am kommenden Wochenende treffen sich in Frankfurt und Darmstadt zahlreiche Burschenschaften, darunter auch rechtsextreme Verbindungen. In Frankfurt werden sie im Römer empfangen, in Darmstadt feiern sie in der von der Stadt vermieteten Orangerie. An beiden Orten haben antifaschistische Gruppen und andere burschenschaftskritische Verbände zu Gegendemonstrationen aufgerufen.
Von Freitag bis Sonntag lädt der Convent deutscher Akademikerverbände (CDA) zu seinem 10. Akademikertag nach Frankfurt. Am Samstagabend treffen sich die Burschenschaften auf Einladung der Vereinigung der Akademikerverbände Frankfurt/Rhein-Main zum Rhein-Main-Kommers in Darmstadt.
Die Deutsche Burschenschaft (DB) ist einer der wenigen verbindungsstudentischen Dachverbände mit politischem Anspruch. Die 120 Mitgliedsbünde in Deutschland und Österreich bewegen sich teils unverhohlen am rechten Rand.
Mitglied werden dürfen nur männliche Studenten, die zum deutschen „Volkstum“ gehören – unabhängig von ihrer Staatsangehörigkeit. Auf dem Burschentag 2010 musste sich die DB ausdrücklich zu demokratischen Grundrechten bekennen, um weiteren Imageschaden wegen rechtsextremer Vorkommnisse in Verbindungshäusern abzuwenden und Austritte zu verhindern. (jft)
Gegen den Empfang im Frankfurter Römer am Samstag hatte die Fraktion Ökolinx einen Antrag gestellt. Dieser wurde mit der Mehrheit der Regierungskoalition CDU und Grüne im Kulturausschuss abgelehnt. Die linksalternative Fraktion Uffbasse will für die Sitzung des Darmstädter Stadtparlaments am Donnerstag eine aktuelle Stunde beantragen.
Die Darmstädter Grünen zeigten sich am Montag überrascht darüber, dass der Kommers in der Orangerie begangen wird. Der städtische „Eigenbetrieb Bürgerhäuser und Märkte“ habe sie für die Veranstaltung ohne Rücksprache mit dem Magistrat vermietet, weil er keine Bedenken dagegen gesehen habe, sagte der zuständige Dezernent Dierk Molter (FDP) der Frankfurter Rundschau. Der Kommers war ursprünglich im Festsaal der Frankfurter Industrie- und Handelskammer (IHK ) geplant. Nachdem die FR berichtet hatte, dass daran auch rechtsextreme Verbindungen teilnehmen, wurde er abgesagt.
Kaderschmiede für die NPD
In der Kritik steht insbesondere die Teilnahme von Verbindungen des Dachverbandes Deutsche Burschenschaft (DB). Die Gießener Burschenschaft Dresdensia-Rugia machte als Kaderschmiede für die rechtsextreme NPD Schlagzeilen. Bei der Burschenschaft Germania Kassel durfte der mittlerweile gestorbene Neonazi und Rechtsanwalt Jürgen Rieger gegen Ausländer hetzen. Die Burschenschaft Germania-Halle zu Mainz bat Ritterkreuzträger Hajo Herrmann zum Vortrag – hochdekorierter Flieger der Wehrmacht und bis heute unbeirrter Vorkämpfer für die „nationale Sache“.
Bei den Marburger Burschenschaften Germania und Rheinfranken präsentierten sich immer wieder rechte Referenten. Und die Alte Darmstädter Burschenschaft (ADB) Germania bot in der Vergangenheit auf ihrer Webseite einen Download der als antisemitisch kritisierten Rede des Ex-CDU-Politikers Martin Hohmann an sowie einen Link zu der zeitweilig unter Beobachtung des Verfassungsschutzes stehenden rechten Zeitung Junge Freiheit.
Darmstadts Dezernent Molter sagte der FR, er könne zwar nicht ausschließen, dass unter den Gästen des Kommers in der Orangerie auch einzelne Verbindungen mit rechtslastiger Gesinnung teilnähmen. Gegen den Gastgeber, der Vereinigung der Akademikerverbände Frankfurt/Rhein-Main, liege jedoch nichts Bedenkliches vor. „Wir haben Erkundigungen beim Verfassungsschutz eingeholt, bislang hat es bei früheren Veranstaltungen keine rechtsradikalen Äußerungen oder Vorkommnisse gegeben“, so Molter. Darmstadts Sozialdezernent Jochen Partsch (Grüne) sagte zu, dass kein offizieller Vertreter der Stadt die Veranstaltung besuche.

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