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Tier-Bestattungen: Ohne Segen

Ein eine christliche Trauerfeier für Hasso und Mausi? Die Idee eines Theologen aus dem Westerwald findet weder in der katholischen noch der evangelischen Kirche in Hessen Unterstützer.

Mancher Halter von Hund oder Katz’ mag das anders sehen. Doch: Ein Tier steht nicht auf der selben Stufe wie ein Mensch, stellte die Evangelische Kirche in Hessen und Nassau (EKHN) am Freitag klar. In einem Brief an die Bistümer Mainz, Limburg und Trier schrieb Oberkirchenrätin Christine Noschka: „Nach biblischem Zeugnis und christlichem Verständnis kommt nur dem Menschen Person-Sein zu. Eine liturgisch gestaltete Bestattung würde diese Differenz verwischen.“ Da seien sich evangelische und katholische Kirche einig.

Entfacht hat die Diskussion ein Ratgeber des Theologen und Tierfreundes Jens Feld aus dem Westerwald. Auf den letzten Seiten regt der hessen-nassauische Oberkirchenrat an, über eine christliche Bestattung von Haustieren nachzudenken. Wenn das Tier eine persönliche Beziehung zu seinem Besitzer aufgebaut habe stehe einer Trauerfeier auch theologisch betrachtet nichts im Wege.

Tierbestattungen

Das Geschäft mit dem Tod von Haustieren boomt. Die Zahl der Tierfriedhöfe und Krematorien wächst. Viele Halter nehmen die in eine Urne gefüllte Asche mit nach Hause und stellen sie sich - oft mit Foto des Tiers - ins Regal.
„Tiere haben eine Seele - Menschen einen Gott“ heißt das Buch von Jens Feld. Erschienen ist es im J. F. Steinkopf Verlag Kiel 2011, 128 Seiten, 12,95 Euro. jur

Oberkirchenrätin Noschka geht das zu weit: Es sei selbstverständlich, dem Menschen beim Verlust eines geliebten Haustiers seelsorgerisch beizustehen und ihn zu unterstützen. Doch dazu gehöre auch, den Unterschied deutlich zu machen.

Viele Menschen empfänden intensive Trauer, wenn ein langjähriges Haustier sterbe, sagt Feld, aber ausgerechnet die Kirche biete keine Antworten auf die Seelennöte: „Wir sind hilflos, wir ignorieren diese Beziehung.“ In seinem Buch unterbreitet er konkrete Vorschläge für das Ritual: Nach dem Votum, einem Ausspruch, in wessen Namen der Gottesdienst gefeiert werde, könne ein Psalmwort folgen, darauf eine Ansprache. Anschließend könnte die Trauergemeinde mit dem Sarg zur Grabstätte gehen, schreibt der Autor in seinem Buch: „Das bei christlichen Bestattungen übliche Vaterunser würde ich an dieser Stelle nicht beten, da es das Gebet christlicher Gemeinden ist und vom verstorbenen Tier zu Lebzeiten weder verstanden noch mitgesprochen werden konnte.“

Es ist nicht das erste Mal, dass bei der EKHN zu Differenzen im den Umgang mit Haustieren kommt. Bundesweit bekannt wurde Michael Blanke, Pfarrer der Gemeinde Glauberg im Wetteraukreis, dessen Tiergottesdienste sogar das Fernsehen übertrug. Blanke hatte das Vaterunser zur „Glauberger Fürbitte“ zugunsten von Tieren geändert. Der Geistliche, sagt EKHN-Sprecher Dietmar Burkhardt, sei inzwischen im Ruhestand, das Problem damit gelöst.

Solche Veranstaltungen lehnt auch Feld ab: „Es soll nichts Kitschiges sein, nicht wie diese furchtbaren Tiergottesdienste“, sagt der Oberkirchenrat. Tiere bräuchten ohnehin keine Gottesdienste, weder tot noch lebendig. Ihren Besitzern könne eine christliche Trauerfeier aber helfen, über den Verlust hinwegzukommen – oder über mögliche Schuldgefühle, wenn sie das Tier einschläfern ließen. Ganz neu ist die Idee nicht, so hatte sich schon der Theologe Klaus-Peter Jörns vor einigen Jahren Gedanken über eine Tierbestattungs-Liturgie gemacht.

„Ich halte diesen Vorschlag für theologisch unverantwortlich“, warnt der Mainzer Theologie-Professor Kristian Fechtner. Wenn die Unterschiede zwischen Menschen und Tieren so stark verwischt würden, sei das letztlich ein Bärendienst an allen, die sich in gesellschaftlichen Debatten für die Wahrung der Menschenwürde einsetzten. Manche alleinstehenden Menschen würden ihr gemeinsames Leben mit einem Hund sicherlich wie eine Partnerschaft empfinden. Irgendwann, fürchtet Fechtner, könnte die Kirche dann ebenso aufgefordert werden, einen Segnungsgottesdienst für derartige Lebensgemeinschaften einzuführen. Natürlich sei es in Ordnung, wenn eine Familie ihr verstorbenes Kaninchen im Garten begrabe – aber ohne religiösen Ritus.

Für EKHN-Sprecher Dietmar Burkhardt offenbart die Diskussion ein gesellschaftliches Problem: Immer mehr Menschen seien einsam und schafften sich als besten Freund und Partner einen Hund oder eine Katze an: „So mancher verleiht seinem Tier dann menschliche Züge.“

Autor:  Jutta Rippegather
Datum:  16 | 7 | 2011
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