Ein Dutzend Oldtimer-Liebhaber stehen um ihn herum: einen dunkelblauen Jaguar MK2, Baujahr 1966, beige farbene Ledersitze. „Die Tür ist offen“, sagt sein Besitzer, Rudolf Küttewelsch aus Niedernhausen. Ein Mann öffnet sogleich behutsam die Fahrertür und wirft einen Blick ins glänzende Innere. Küttewelsch hat für seinen blank polierten Jaguar einen Platz auf dem Hessendamm in Hattersheim gefunden.
Er klappt die Motorhaube auf. „Der läuft ja wirklich ruhig“, sagt Mathias Domin, der mit einem Midgit aus dem Jahr 1973 die Klassikertage besucht. „Der ist aber drei Klassen höher als meiner“, lacht er. Dann fachsimpelt er mit Küttewelsch über Ölwechsel, Fettspritzen und kontaktlose Zündungen. „Die englischen Wagen haben noch Korkdichtungen.“ Und Küttewelsch lacht: „Ein Jaguar, der nicht tropft, hat kein Öl.“
Vor 19 Jahren ist Domin das erste Mal zu den Klassikertagen nach Hattersheim gekommen. Damals war das Oldtimertreffen noch klein und überschaubar. 1988 hatte die Scuderia Lufthansa classico mit 50 Autos begonnen. Inzwischen rechnet der Verein mit knapp 2000 Fahrzeugen. Die gesamte Hattersheimer Innenstadt ist an diesem Wochenende zugeparkt mit Oldtimern: ob pfefferminz-silberner Lincoln mit Elvis-Schallplatte auf der Hutablage, ob ein knallroter VW-Käfer Cabrio oder ein dreirädriger englischer Lomax. „Wir haben Autos aus den 20er Jahren bis hin zu sogenannten „Youngtimern“, die 20 bis 30 Jahre alt sind“, sagt Holger Schmidt in der Weyer, erster Vorsitzender der Scuderia.
Jedes Jahr stellt der Verein im Posthof Autos unter einem besonderen Motto aus – „Ostalgie“ lautet es in diesem Jahr. Gleich am Eingang stehen zwei besondere Autos nebeneinander: Ein Horch aus dem Jahr 1938, edel in schwarz, und ein weiß-blauer Horch, gebaut 1957 in der DDR.
Vier Marken für vier Ringe
„Horch ist das deutsche Wort für Audi“, erklärt Schmidt in der Weyer. Firmengründer Horch hätte seinen Sohn, der gerade Lateinvokabeln paukte, nach einem alternativen Namen gefragt: Audi. Und die Audi-Ringe kämen daher, dass sich unter der Automarke vier andere verbergen: Horch, Wanderer, DKW und Audi selbst.
Gleich neben dem Posthof hat Gunter Herz geparkt, mit seiner grauen Ente aus dem Jahr 1988. Er sei einfach reingewunken worden, sagt er. Dabei hat der 73-jährige Frankfurter seinen echten Oldtimer, einen Dixi, zu Hause gelassen. „Ich möchte nur gucken und mich nicht produzieren“, sagt er und zückt sogleich Fotos seiner Autos. „Ich mag das Einfache, die Ästhetik. Nicht das Protzige“, sagt Herz. Einen weißen VW-Käfer, Erstzulassung 1979, hat er auch.

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