Dein Geschick ist nun das meine! Bin dein Gatte! - Ich die Deine! Wenn sich Tatiana Lisnic und Joseph Calleja als Lucia und Edgardo di Ravenswood auf der Bühne der Frankfurter Oper tief in die Augen schauen und sich in inniger Umarmung ewige Treue schwören, wird das Spiel Ernst. Fast greifbar, sogar im dunklen Zuschauerraum. Die Sopranistin aus Moldawien und der Tenor aus Malta sind auch im wirklichen Leben ein Paar. Verheiratet, zwei Kinder, Basisstation Malta, Wohnort irgendwo in der Welt - selten gemeinsam.
"Das ist der Preis des Talents, der Stimme", sagt Joseph Calleja. Der Mann mit der Traumkarriere, die fast wie bei Paul Pott als Stoff für Hollywood taugte: Als Jugendlicher im Urlaub bei der Tante in England leiht er sich eine Pavarotti-CD aus, versucht den Tenor zu imitieren, steigt von Heavy Metal auf Klassik um und studiert Gesang. Seit Ende der 90er wird Calleja als "junger Pavarotti" gefeiert, ist gefragt in allen Opernhäusern der Welt. Genau wie Tatiana. Das Zuhause wird notgedrungen zur Momentaufnahme, sagen beide, zum heimeligen Gefühl von Begegnungen und Episoden und definiert sich als Verbundenheit zum Ort, zu Menschen.
Toll, wenn mal Alltag ist
Seit zwei Monaten ist das Paar nun in Frankfurt zu Hause. Mal wieder. Hat sich einquartiert im Westend mit dem vierjährigen Töchterchen Klara und dem zwei Jahre alten Sohn. Richtig wie daheim, auch wenn's nur kurz ist. "Es ist toll, wenn man die Wohnung aufschließt und die Kinder warten", sagt Joseph Calleja. Toll, wenn das Leben ausnahmsweise Alltag spielt zwischen den nächtlichen Höchstleistungen im Rampenlicht. Einkaufen, im Grüneburgpark spazieren, mit den Kindern spielen, fernsehen, lesen und so wenig wie möglich reden. "Man muss die Stimme schonen, die Aufführungen kosten Kraft", sagt Tatiana Lisnic.
Frankfurt sei eine ihrer liebsten Heimaten auf Zeit. "Ich bin glücklich, wenn ich hier bin", sagt Tatiana und lacht. Obwohl die Stadt anders als London, Wien, Paris oder New York schon mehrere Blicke braucht, um ihre Reize zu entdecken. "Aber dann ist sie wunderbar." Furchtbar hektisch auf der Zeil, wenige Meter weiter am Main wieder ruhig und entspannend. Voller Gegensätze, voller Leben, ständig in Bewegung. "Man muss immer erst mal schauen, was es Neues gibt."
Wunderbar, natürlich auch wegen des Opernhauses mit seinen Menschen. In dem selbst Bühnenarbeiter nicht zwischendurch fernsehen, sondern alle Proben und Aufführungen verfolgen, mitfiebern, begeistert sind. "Das findet man nirgendwo sonst. In Frankfurt sind alle wie eine Familie." Sogar das Publikum gehört dazu. Seit das leidenschaftlich-impulsive Dream-Team Donizettis Variation von Romeo-und-Julia gibt, warten nach der Vorstellung stets dieselben Besucher um Beifall zu klatschen, erzählt Tatiana. "Sie kommen tatsächlich in jede Vorstellung." So was erlebe man weder an der Wiener Staatsoper, wo die junge Sopranistin Ensemblemitglied war. Noch in London, Paris oder New York. Nur in Frankfurt. Lieblings-Zuhause nicht zuletzt auch wegen Opernintendant Bernd Loebe, der die beiden kannte und engagierte, noch ehe sie sich begegnet sind.
Im Februar als Perlenfischer
Während seiner Intendantenzeit in Brüssel hat Loebe den 24-jährigen Calleja für La Bohème verpflichtet - und Erfolge gefeiert. Nach Frankfurt holte er den heute 30-Jährigen erstmals als Roméo in Romeó und Juliette - ebenfalls mit sensationellem Erfolg. "Er hat mir früh große Möglichkeiten eröffnet, ich habe ihm viel zu verdanken."
Und so kommen die beiden auch bald wieder heim nach Frankfurt, wenn sie nach der letzten Vorstellung von Lucia di Lammermoor am Sonntag wieder getrennten Wegs nach Malta, München, Wien, London, New York und Tokio entschwinden: Im Februar gibt's die Perlenfischer von Georges Bizet.
Lucia di Lammermoor: Oper Frankfurt, Freitag, 14., und Sonntag, 16. November, je 19 Uhr. Karten: telefonisch unter 13 40 40 0 oder an der Abendkasse.

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